Wer wird Millionär – Lohnpolitik-Edition

Bei wer wir Millionär wird eingangs eine Frage gestellt mit nach Lösungen zu sortierenden Buchstaben A, B, C und D. Die Auflösung wird hinterher präsentiert.

Aufgabe:
Sortieren Sie die folgenden Lösungsmöglichkeiten für das Problem der Niedrigstlöhne nach Sinn und Marktkonformität

A) Vollbeschäftigung/Qualifikation

B) geringere Lohnabzüge im unteren Lohnsektor

C) Mindestlöhne

D) Kombilöhne/Aufstockung


….3…2…1…*Gong*

Sie haben gewählt….und nun Erklärungen:

Eine Qualifikation bedeutet noch nicht das es den zugehörigen freien Arbeitsplatz dann auch noch geben wird. Andere wurden auch entlassen und kann man nur schlecht umschulen. Gleich ob Verkäufer bei Schlecker oder Werftarbeiter in Bremen. Das sind dann stukturelle Probleme und Wechsel welche auch den Arbeitsmarkt weniger qualifizierter beeinflussen. Gleich ob nicht qualifiziert oder falsch qualifiziert – es landen am Ende alle z.B. beim Paketdienst.

Wie komme ich auf Paketdienst? Nun – der letzte Zusteller der Post hat gekündigt. Eigentlich war er ja auch Tontechniker. Der jetzige fährt gerade Pakete aus – mit dem Privatwagen, denn die Post hat keinen freien Wagen mehr für ihn. Die Briefkästen werden z.T. auch schon von Subunternehmen geleert. Tippe darauf das dies demnächst Rentner machen…. oder eben Werftarbeiter, oder auch arbeitslose Künstler und Diplom-Philosophen.

Dabei muss man immer im Hinterkopf haben warum das so gemacht wird. Weil man es kann. Und da spielt die Anzahl und die Art der zu besetzenden Stellen und das was ein Markt an Geld-Volumen her gibt eine Rolle. Und… am Ende ist vielen womöglich ein IPod auch monetär etwas wichtiger als eine tolle Frisur. Das ist auch relevant bei der Preisfindung (und damit den angehängten Löhnen).

Das gilt explizit auch für ungelernte, nicht verlagerbare Arbeitsplätze. Die können fast qua Definition nicht bei Produktivitätssteigerungen mithalten, da „Handarbeit“. Da greifen „Linke“ Theorien der Koppelung an die Lohnstückkosten auch nicht, ebensowenig wie andere Theorien wie der Samuelson-Effekt (eine liberale/klassische Theorie) :


Samuelsons Überlegung fußt auf Balassas Annahme einer niedrigeren Arbeitsproduktivität der Entwicklungsländer im Sektor handelbarer Güter. Er geht daher davon aus, dass stark wachsende Schwellenländer vor allem im Tradeables-Sektor starke Produktivitätszuwächse verzeichnen. Dies führt (bei angenommener Grenzproduktivitätsentlohnung) zu höheren Lohnwachstumsraten.

Im Sektor handelbarer Güter dürften die Preise folglich kaum steigen, da die Lohnsteigerungen ja durch das Produktivitätswachstum ausgeglichen werden. Die höheren Löhne werden aber auch im Sektor nicht-handelbarer Güter gezahlt, da sonst alle Arbeitnehmer dieses Sektors in den handelbaren Sektor wechseln würden. Im Sektor nicht-handelbarer Güter herrscht jedoch kein vergleichbares Produktivitätswachstum, sodass die steigenden Kosten über Güter-Preissteigerungen kompensiert werden. Demnach ist eine insgesamt höhere Inflationsrate wahrscheinlich.

Das fett markierte ist ganz „interessant“…. zu damaligem Zeitpunkt aus Samuelsons Sicht vielleicht zutreffend. Doch… wie wollen aktuell gering qualifizierte in den Sektor der handelbaren Güter wechseln? Diese Arbeitsplätze wurden doch verlagert (Heckscher-Ohlin-Effekt).

Das funktioniert also so eben nicht. „Trickle down“ von den aufgrund Export (Handelbare Güter mit Produktivitätssteigerung) besser verdienenden zu den bleibenden gering qualifizierten Friseuren und Straßenkehrern ist außerhalb der Vollbeschäftigung nicht gegeben.

Es bleiben damit nur unterschiedliche Wege von welchen der Mindestlohn der zweitschlechteste ist.

A) man versucht Vollbeschäftigung zu erreichen. Das geht – die Frage bleibt wie genau; Qualifikation und Kaufkraftsteigerungen bei der Masse können das bewirken, auch im Binnenmarkt, weniger jedoch via Exportbranche. Dazu kommt noch Staatsnachfrage (z.B. Infrastruktur, Bildung). Zudem hängt es mit den Lohnabzügen (B) und auch den Lohnkosten im unteren Lohnsektor ab die nicht steigen sollten um die Kaufkraft/Nachfrage dafür zu erhalten, was durch D)(Mindestlöhne) konterkariert würde.

B) man versucht z.B. über eine Entlastung der Lohnabzüge im unteren Lohnsektor die Nettolöhne zu erhöhen (geht auch, am ehesten/schnellsten zu erreichen)

C) Kombilöhne (Lohnaufstockung durch den Staat; das macht u.a. ein BGE oder auch HartzIV wenn man Zuverdienste erhöht was der Wirtschaftsliberalweise Franz auch schon empfohlen hat)

D) Mindestlöhne für Friseure und Co. unter Erhalt des Status quo

Die Präferenzen einer konstruktiven Lösung liegen daher in der Reihenfolge der Dauerhaftigkeit und Marktverträglichkeit in dieser Reihenfolge:

B – A – D – C
———–>

Wenn das Ihre Reihenfolge war kommen Sie auf den Stuhl…. nur nicht in der Mainstream-Ökonomie oder Mainstream-Politik.

Leider.

[P.S. – Kleiner Zusatz:
Vollbeschäftigung ist eine sehr definitionsbedingte Vokabel. Wir hatten in den 70ern Vollbeschäftigung bei 43% Beschäftigten – haben heute Arbeitslosigkeit bei rd. 50% Beschäftigten (jew. bezogen auf die Bevölkerung).

Es geht. Das hängt von Qualifikation, Kaufkraft und Lohnhöhen ab. Haben viele mehr Kaufkraft sind mehr beschäftigt, haben dann mehr Beschäftigte einen sehr guten Lohn können sich andere zurückziehen vom Arbeitsmarkt. Dann herrscht „Vollbeschäftigung“.

Oder anders: Vollbeschäftigung bedeutet nicht das jeder arbeitet der arbeiten könnte.]

Comments
2 Responses to “Wer wird Millionär – Lohnpolitik-Edition”
  1. Jochen "blackdrag" Theodorou sagt:

    Wie reduziert man Lohnabzüge im unteren Lohnsektor? Da kaum oder keine Steuern gezahlt werden (wegen Freibetrag), wohl nicht über die Steuer. Bleiben nur noch Sozialabgaben. Ein Freibetrag für Sozialabgaben ist aber umstritten

    • aloa5 sagt:

      Beispiele:
      – (z.B. Einkommen-)steuerfinanzierte Grundrente. Das senkt die Sozialabgaben bis zur Beitragsbemessungsgrenze, ist also nicht für obere Einkommen wirksam.

      – andere Einkommen an der Krankenversicherung beteiligen oder dort die Bemessungsgrenze anheben

      Das senkt sowohl die Abzüge als auch die Lohnkosten für Arbeitgeber.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: