Pendlerpauschale – weg damit

Fipsi Rösler legt im Streit um die sogenannte Pendlerpauschale mit der Bundeskanzler A.Merkel nach und setzt sich weiter für eine Erhöhung der Pauschale ein. So will der derzeitige und wahrscheinlich bereits auf Abruf stehende Bundesvorsitzende der Lobbyistentruppe namens F.D.P. die sogenannten „Leistungsträger zielgerecht entlasten“.

Da fragt man sich natürlich gleich, wer oder was diese aus Sicht der ehemaligen Liberalen eigentlich „Leistungsträger“ sind und wie man es denn schaffen will diese „Leistungsträger“ zielgerecht zu entlasten. Deshalb schauen wir uns mal diese Pendlerpauschale etwas genauer an.

Die Entfernungspauschale ist im §9 (1) Nr.4 EStG geregelt. Demzufolge stehen jedem Arbeitnehmer Werbungskosten in Höhe von 0,30 € je ganzem Entfernungskilometer zwischen der Arbeitsstätte und der Wohnung zu, höchstens jedoch 4.500 € im Jahr. Für Autofahrer gibt es aber dennoch die Möglichkeit höhere Werbungskosten über dieser pauschalen Grenze geltend zu machen.

Die Pendlerpauschale wirkt sich a) wie alle Werbungskosten mindernd auf das zu versteuernde Einkommen aus und ist b) durch die Fahrtstrecke in ihrer Höhe begrenzt. Das heißt, die Pauschale von 4.500 € und die daraus resultierende Steuerminderung wird den Arbeitnehmern nicht pauschal bei der Steuerveranlagung gutgeschrieben, sondern individuell berechnet.

Eine hohe Pendlerpauschale kann man deshalb dann ansetzen, wenn der Abstand zwischen der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte sehr groß ist. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr, einer Pauschale von 4.500 €  und einem Satz von derzeit 0,30 € je km beträgt die pauschale Grenze 68km.

Die Pendlerpauschale senkt das zu versteuernde Einkommen, d.h. je höher der individuelle Grenzsteuersatz des Steuerpflichtigen ist und je größer die Entfernung berechnet wurde, desto größer ist diese staatliche Subvention, die der Staat allerdings nicht in seinen Subventionsbericht transparent darstellen mag. Hierzu steht im 22. Subventionsbericht der Bundesregierung:

„Nicht zu den Steuervergünstigungen zählt das IfW insbesondere eine Reihe von Regelungen, die im Zusammenhang mit der Ersparnisbildung bzw. der Altersvorsorge zu sehen sind (z. B. den Sparerfreibetrag). Zu den zusätzlich als Steuervergünstigung aufgeführten Regelungen zählt beispielsweise die Entfernungspauschale. Außer Betracht bleiben, wie auch im Subventionsbericht der Bundesregierung, Abschreibungsregelungen.“

Aber mal zurück zur Pendlerpauschale und wie sie wirkt. Dazu machen wir einfach mal ein paar Berechnungen. 😉

Wir vergleichen einfach mal diese Pendlersubvention bei fünf unterschiedlichen Arbeitnehmern.

Der 1.Pendler hat ein zu versteuerndes Einkommen vor Werbungskostenabzug von 4.500 € im Monat und fährt regelmäßig 120 km mit dem Auto zur Arbeit hin und 120 km  zurück nach Hause.

Der Zweite verdient 1.150 € im Monat und fährt 35 km mit öffenlichen Verkehrsmitteln.

Der Dritte im Bunde erhält wie der Erste 4.500 € und wohnt neben gleich neben der Fabrik.

Der Vierte verdient auch 1.150 € und wohnt im gleichen Haus über seiner Arbeitsstelle.

Und last but not least der Letzte verdient 4.500 € im Monat und fährt im Fahrzeug von Nr.1 als Beifahrer zur Arbeit.

Um die Berechnung unkompliziert und vergleichbar zu gestalten setzen wir jeweils Steuerklasse 1 und 0,0 Kinder an. Wir berechnen das ganze mal in mehreren Schritten. Erstmal schauen wir uns an, wie hoch denn die Steuerlast ist, wenn man die Pendlerpauschale unberücksichtigt lässt.

Bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 4,500 € im Monat (also 54.000 € im Jahr) beträgt die Einkommensteuer 14.508 € und der Solibeitrag 797,94 €. Macht zusammen schlappe 15.305,94 € an Abzügen und bedeutet einen Durchschnittssteuersatz von 28,35 % bei einem Grenzsteuersatz von 42,00 %. Hierzu mal eine passende Graphik, die man sich auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums auch selbst erstellen kann:

Bei einem Einkommen von 1.150 e im Monat sprich 13.800 € im Jhr sieht das Ganze dann entsprechend so aus: Die Einkommensteuer beträgt 1.146 € und der Solidaritätsbeitrag 29 €, der durchschnittssteuersatz liegt bei 8,30 % und der Grenzsteuersatz bei 24,12 %. Das schaut dann bildlich wie folgt aus:

Als erstes Ergebnis haben wir dann bereits die Steuerlast des Dritten und Vierten Beispiel-Pendlers berechnet.

Nun schauen wir mal, wie sich die Pendlerpauschale auf die Steuerlast auswirkt. 😉 Bei dem zweiten Pendler, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Entfernung von 35 km ansetzt und 220 Tage im Jahr arbeeitet summieren sich diese auf 7.700 km im Jahr und mindern das zu versteuernde Einkommen um dann 2.310 € im Jahr. das neue zu versteuernde Einkommen liegt dann also neu bei 11.490 € im Jahr und wird wie folgt besteuert:

Einkommensteuer: 598 €
Solidaritätszuschlag: 0 €
Steuerveranlagung: 598 €
Durchschnittssteuersatz: 5,20 %
Grenzsteuersatz: 20,35 %

Der zweite Pendler spart also gegenüber dem Vierten insgesamt 548 € an Steuern im Jahr, sprich knappe 46 € im Monat. Das deckt zumindestens in Berlin nicht mal die Kosten für eine Monatskarte, die im Tarifbereich AB derzeit bei 74 € im Monat bzw 695 € als Jahresabo liegen. Das heißt im Ergebnis macht der zweite Pendler trotz Pendlerpauschale einen Pendlerverlust (=Summe der Steuerentlastung + geldlicher Fahrtaufwand) in Höhe von mindestens 147 € im Jahr.

Der erste Pendler mit seinen 120 km Entfernung zwischen Arbeitsstätte und Wohnung profitiert von der Ausnahme im EStG und kann, weil er mit einem Kraftfahrzeug unterwegs ist, tatsächlich die volle Kilometeranzahl ansetzen. Sein zu versteuerndes Einkommen mindert sich deshalb um sage und schreibe 7.920 € im Jahr, was sich steuerlich dann so auswirkt:

Einkommensteuer: 11287 €
Solidaritätszuschlag: 620,78 €
Steuerveranlagung: 11.907,78 €
Durchschnittssteuersatz: 25,84 %
Grenzsteuersatz: 38,88 %

Als Graphik sieht das dann wie folgt so aus:

Man sieht hier sehr schön, dass dieser Pendler dank der Pendlerpauschale den Bereich des Spitzensteuersatzes im Gegensatz zu seinem Kollegen Nr. 3 verlassen konnte. Die Ersparnis an Einkommensteuer + Solibeitrag beträgt bei ihm im Jahr knapp stolze 3.400 € bzw 283 € im Monat. Soviel ist dem Staat es also wert, dass Pendler 1 täglich die 120 km zwischen seiner Wohnung und der Arbeit mit einem PkW zurücklegt.

Der Fünfte Pendler kann als Beifahrer natürlich nicht die vollen 120 km ansetzen sondern nur den Grenzwert der Pendlerpauschale in Höhe von 4.500 €. Seine Steuersubvention beträgt dann 1.966,52 € im Jahr, was bei einem sparsamen Dieselfahrzeug vollkommen ausreicht, um sich bei Pendler 1 mit 50% an den Spritkosten zu beteiligen und trotzdem noch ein paar Euro übrig zu behalten.

Nun mal zurück zu diesem anscheinend so beliebten Begriff der „Leistungsträger“. Nach Lesart der Splitterpartei F.D.P. ist also ein „Leistungsträger“, der über ein hohes Gehalt verfügt, einen ineffizient weiten Weg zur Arbeit zurücklegt und dabei entweder mit seinem eigenen PkW Sprit verplempert oder als Beifahrer sich an der Spritverplemperung beteiligt.

Insgesamt kann man sich aber schon fragen, warum denn dieser F.D.P. diese staatliche Subvention so am Herze liegt, denn eigentlich propagiert diese Partei immer gerne, dass sich der Staat nicht in die Belange der Bürger einmischen soll und wehrt sich u.a. beim Thema Mindestlohn immer wieder gegen gesetzlich Regelungen. Wie immer scheint die Antwort ganz einfach zu sein: Die F.D.P. bedient vor allem ihre eigene Klientel und das sind im Selbstverständnis der Partei der Besserverdienenden vor allem diejenigen, die von überkommenen staatlichen Subventionen profitieren.

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Comments
17 Responses to “Pendlerpauschale – weg damit”
  1. StreetDogg sagt:

    Was ist denn das hier für eine Ansammlung von Milchmädchenrechnungen!?

    Wo kommt eigentlich das Gerücht her, die Pendlerpauschale wäre eine Wohltat, die der Staat Autofahrern zur Gaudi gibt? Und wo kommt das Gerücht her, dass dem Pendler damit seine Fahrkosten erstattet werden sollen!?

    Wir haben in unserem Steuerrecht eine Einkommensteuer, da zahlt man einen Teil der Kohle, die man verdient. Was man verdient, ist allerdings nicht das, was sein Arbeitgeber einem an Kohle rüberschiebt. In den meisten Fällen muss man für manche Dinge Geld ausgeben, um sein Gehalt überhaupt erst erwirtschaften zu können. Man hat sozusagen Aufwand und Ertrag, versteuert wird aber die Differenz, nicht einfach der Ertrag!

    Das heißt ein Pendler, der viel Kohle in Sprit oder ähnliches stecken muss, verdient weniger als auf seinem Gehaltszettel steht! Es ist total sinnlos die Steuerbelastung auszurechnen, die er nur mit dem Ertrag hätte, ohne die Aufwändungen. Das ist nicht sein Einkommen. Bei Unternehmen wird doch auch nicht der Umsatz mit Einkommensteuer belastet, sondern der Gewinn.

    Mit der Finanzierung der Anfahrt hat das herzlich wenig zu tun. Und dass sich das bei Gutverdienern stärker auswirkt, liegt einfach an unserem progressiven Steuersatz. Das ist völlig trivial…

    Die Pendlerpauschale finanziert nicht die Anreise, sondern sorgt dafür, dass die Kosten dafür nicht besteuert werden, obwohl der Pendler dieses Geld gar nicht verdient. Dass das je nach individueller Situation den tatsächlichen Aufwand nicht so genau trifft, ist Pauschalenschicksal. Die Alternative wäre eine genaue Berechnung für jeden einzelnen, was aber schon allein für die Nachweise ein übler Bürokratieaufwand werden würde. Also Scheiß drauf, Pauschale und fertig.

    Und nochmal zum Thema ineffizient weiter weg zur Arbeit:
    Arbeitsplätze befinden sich tendenziell meistens in Ballungsgebieten. Auf dem Land leben häufig mehr Leute, als es Arbeitsplätze gibt, in der Stadt gibt es mehr Arbeitsplätze als da Leute leben (Arbeitslosigkeit mal außen vor gelassen). Würde man, wie auch immer, die Arbeitnehmer näher zu ihren Arbeitsplätzen treiben wollen, wäre wahrscheinlich eine Landflucht die Folge, was auf dem Land noch mehr Arbeitsplätze kosten würde, die sich also selbst verstärken würde. In der Stadt hocken dann alle wie in einer Legebatterie aufeinander…

    • andena17 sagt:

      SD schrieb: „Wo kommt eigentlich das Gerücht her, die Pendlerpauschale wäre eine Wohltat, die der Staat Autofahrern zur Gaudi gibt? Und wo kommt das Gerücht her, dass dem Pendler damit seine Fahrkosten erstattet werden sollen!?“

      Einfach mal ins EStG gucken. 😉 Da steht ziemlich genau drin, auf welcher Basis die Pendlerpauschale gewährt wird.

      Ansonsten besten Dank für die Ansammlung von F.D.P.-Argumenten zur Fortsetzung einer Steuersubvention für Besserverdiener.

      • StreetDogg sagt:

        Auf Basis des Leistungsfähigkeitsprinzips bzw. des objektiven Nettoprinzips. Also genau das, was ich geschrieben habe.

        Bist du sicher, dass Wirtschaft so wirklich dein Gebiet ist!?

        • andena17 sagt:

          „Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die regelmäßige Arbeitsstätte aufsucht, eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt.“

          Sollte eigentliuch selbsterklärend sein. 😉

  2. Anhalter sagt:

    Dann ersetze mal die Pendlerpauschale mit Wareneinkauf. Dann stellst Du fest, dass der Wareneinkauf bei einem Händler mit hohem zu versteuerndem Einkommen mehr subventioniert wird als bei einem Händler mit niedrige, zu versteuernden Einkommen. Das darf doch nicht sein, also sollte man abschaffen, dass ein Händler den Wareneinkauf von seinem Umsatzerlösen absetzen kann, jawohl!
    Selten in einem wirtschaftlichen Blog soviel Blödsinn gelesen.
    Die Pendlerpauschale ist in Bezug auf die Nutzun eines eigenen Fahrzeugs keine Subvention, sondern im Gegenteil, sie begrenzt die Höhe der abzugsfähigen Werbungskosten.
    Der zweite Pendler im Beispiel kann z.B. Das jeweils höhere geltend machen, d.h. Im Beispielsfall die Fahrkarte AB in Berlin. Wenn die billiger ist als die Pauschale, dann kann er die Pauschale ansetzen. Hier liegt in der Tat eine Subvention vor, da mehr Werbungskosten angesetzt werden als tatsächlich anfällen, gleiches gilt für den Mitfahrer. Bei einem PKW Nutzer wird die Pauschale regelmäßig niedriger sein als die tatsächlichen durch das Auto bzw. Die Fahrt verursachten Kosten.

    Man sollte sich auch als volkswirtschaftlich vorgebildeter Blogger nicht ohne Ahnung am Steuerrecht versuchen und wenn dann das Gesetz zumindest bis zu Ende lesen und die Steuersystematik verstanden haben.

    • andena17 sagt:

      Anhalter schrieb: „Die Pendlerpauschale ist in Bezug auf die Nutzun eines eigenen Fahrzeugs keine Subvention, sondern im Gegenteil, sie begrenzt die Höhe der abzugsfähigen Werbungskosten.“

      Lustigerweise sieht das der Subventionsbericht der Bundesregierung komplett anders. Ihm zufolge ist die Pendlerpauschale eine Steuervergünstigung.

  3. Anhalter sagt:

    Lustigerweise schreibt aber die Bundesregierung im Subventionsbericht genau das Gegenteil, weist aber daraufhin, dass das Institut für Weltwirtschaft die Entfernungspauschale als Subention einstuft (ziemlich einsam und verlassen) die Begründung ist ähnlich fern jeder Ahnung von Steuerrechtssystematik und Lebenswirklichkeit wie dieser Blog : „Die so genannte Entfernungspauschale wird ebenfalls als Vergünstigung eingestuft. Man kann zwar einen Abzug entsprechender Beträge für gerechtfertigt erachten, weil die Ausgaben für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte und zurück zur Einkommenserzielung notwendig sind („Nettoprinzip“), aber die Entscheidung für einen Wohnsitz ist nicht ohne weiteres als gegeben zu akzeptieren; sie erfolgt wohl häufig erst nach der Entscheidung für einen Arbeitsplatz, so dass die Fahrtkosten nicht „berufsbedingt“ sind. Überhaupt lässt sich argumentieren, die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz bringe Nutzen mit sich (Wohnen „im Grünen“, niedrige Mieten, niedrige Immobilienpreise) und „die Arbeit beginne am Werktor“. “

    Um in den Beispielen aus dem Blog zu bleiben: Ist doch jeder Arbeiter selber schuld, wenn er nicht auf das Fabrikgelände zieht, sondern frecherweise da wohnen bleibt wo er wohnt.

    • andena17 sagt:

      Dieser Blog hat ja nun nicht den Ansatz, dass Du als fleißiger Leser Dein eigenes Denken ausschaltest, sondern will dazu anregen, selbst zu denken. Auch kann und will ich Dir hier nicht vorschreiben, dass Du eine Pendlerpauschale, die Steuervergünstigungen für Besserverdienende nach sich zieht und durch die Pauschalierung eben gerade nicht dem sogenannten „Netto-Prinzip“ folgt, eindeutig als Steuersubvention einzustufen ist. Diese Erkenntnis muss bei jedem selbst reifen. Den Gedankenanstoß dazu hast Du ja nun. Was Du daraus machst, ist zum Glück Dein Bier. 😉

      • Anhalter sagt:

        Nein, soviel kannst Du gar nicht stoßen, dass ich den Abzug von notwendigen Aufwendungen von den Einnahmen als Subvention „erkenne“.
        Außer du beweist mir, dass es nicht notwendig ist den Weg von der Wohnung zur Arbeit zurückzulegen, um dort seine Einnahmen zu erwirtschaften.
        In einer Situation hast Du Recht, das habe ich schon Eingangs geschrieben und das ist der grünen Politik geschuldete Unsystematik: wenn die Pendlerpauschale von jemanden angesetzt wird, der mit ÖPNV fährt und die Fahrkarte tatsächlich weniger kostet.
        Das gehört rückgängig gemacht. In allen anderen Fällen bitte ich um den (kaum zu erbringenden) Nachweis, dass die tatsächlichen Kosten niedriger wären als die Pauschale. Das ist regelmäßig nicht der Fall, die tatsächlichen Kosten werden immer höher sein, als durch die Pauschale gedeckelt. Und das ist keine Subvention, sondern eine Beschränkung.

        • andena17 sagt:

          Hm. Wenn Mitarbeiter A bequem mit öffentliche4n Verkehrsmitteln die Arbeit erreicht und dafür nur 695 € im Jahr ausgibt, dann gehört diesem Deiner Meinung nach die Pendlerpauschale gekürzt. Und der Mitarbeietr B, der in der gleichen Straße wohnt und im gleichen Betrieb arbeitet wie A aber aus nicht näher zu spezifizierenden Gründen mit dem Auto zur Arbeit fährt, der soll diese Geldverschwendung zusätzlich gegenüber A staatlich subventioniert bekommen.

          Das ist kein wirklich sinnvoller Ansatz.

          Viel erfolgversprechender wäre z.Bsp eine Regelung, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Fahrtkosten für den ÖPNV erstattet oder mit dem örtlichen Verkehrsverbund ein Jobticket vereinbart. Dann kann jeder Mitarbeiter den ÖPNV kostenlos für die Fahrt zur Arbeit nutzen oder aber, sofern er denn will auf eigene Kosten eine teurere Fortbewegung wählen.

          Dann ist der Staat außen vor und wir sind dem schlanken Staat und dem Abbau der Bürokratie ein Stück näher gekommen. 😉

          • Anhalter sagt:

            Wenn A mit dem Bus fährt, dann hat er halt nur 695€ kosten und damit mehr Einnahmen aus seinem Job als B, der aus welchen Gründen mit dem Auto fährt und mehr kosten und folglich weniger verbleibende Einnahmen hat. Wenn du jetzt das mehr oder weniger wirtschaftlich sinnvolle Verhalten monierst, das zu weniger Steuerzahlung führt:
            Nehmen wir mal an, B) fährt Auto weil er halt bequem ist und sich diese Bequemlichkeit Geld kosten lässt. Du meinst also, da soll der Staat nicht drunter leiden und er soll nicht wegen seiner Bequemlichkeit weniger Steuern zahlen? OK, kann man ja so sehen.
            Jetzt erzähle ich Dir aber, dass A) auch bequem ist, er arbeitet nur halbtags, daher halber auch mehr Zeit um den ÖPNV zu nehmen und verdient nur die Hälfte von dem was er verdienen könnte, wenn er vollzeit arbeitet und zahlt auch entsprechend weniger Steuern. Soll er jetzt auch die Steuern für einen Vollzeitjob zahlen, da ja nicht einzusehen ist, dass der Staat seine Faulheit subventioniert?

            die Pauschale wird nicht gekürzt, sondern es sollte nur das zum Abzug zugelassen werden, was tatsächlich an Kosten anfällt. Alles andere wäre in der Tat Subvention. Das der Begriff „notwendige“ Aufwendungen nicht trennscharf ist, ist sicherlich ein grundsätzliches Problem. Das trifft aber alle Betriebsausgaben / Werbungskosten. Beispiel gefällig: was für einen Computer nutzt Du denn für deine Berufstätigkeit? Ginge es nicht auch billiger? Oder wer legt fest, was für eine Fabrikhalle ein Unternehmen benötigt? Stahlbeton oder tut es auch eine Holzfachwerkhalle?

            Wir können jetzt naturlich das Finanzamt entscheiden lassen, ob ein Arbeitnehmer das Auto nehmen darf oder den Bus nehmen muss. Wo sind die Kritierien? ab Fahrzeit > 1 Stunde, 2 Stunden…? Was passiert mit den vielen Leuten, die gar kein ÖPNV nutzen können, da nicht vorhanden?

            Die Pauschale federt übrigens genau dieses Problem mit ab, sie „normiert“ die akzeptierten Aufwendungen, damit niemand z.B. die tatsächlichen Kosten seines Ferraries absetzen kann.

            Aber ansonsten bleibt es im Grundsatz dabei, dass der AN so wie auch der Unternehmer selbst entscheidet was notwendig ist und das FA nur ein Missbrauch aufgreifen kann.
            Unsystematisch ist, dass auch wenn der AN meint, dass ÖPNV ausreicht, er tatsächlich u.U. Mehr absetzen darf, als er an Kosten hat. Das ist eine echte Subvention. allerdings ist der tatsächliche Effekt gering, da gerade die AN, die den ÖPNV nutzen häufig unterhalb der WK-Pauschale liegen und sich die Entfernungspauschale nicht auswirkt.
            Viel Lärm und komplizierte Regelung, nur um den Grünen einen Gefällen zu tun.

  4. isra sagt:

    die Diskussion im Nachgang zum Beitrag ist fast spannender 🙂
    Unabhängig ob Subvention oder nicht sehe ich es objektiv so wie andenai und halte das nicht für unterstützenswert.
    Die relevanten Argumente wie Landflucht und der Vergleich mit den Kosten für den erwirtschafteten Umsatz wurden genannt. Trotzdem denke ich, dass der Staat das „Problem“ langfristig anders lösen sollte. Entweder intelligenter Nahverkehr oder Verdichtung der Städte.

    @ Anhalter: ich kenne einige Gutverdiener die ihre S-Klasse oder a8 mit 0,50 € – 1 € Pendlerpauschale (tatsächliche Kosten) ansetzen.
    Ich sehe den genannten Deckel nicht.
    Kannst du dem zustimmen, dass ein sinnvoller Deckel die vergleichbaren Kosten mit dem ÖPNV wären, was auch die von dir beschriebene Subventionsproblematik in diesem Bereich egalisiert? Nur wenn kein ÖPNV möglich ist dürfen die 0,30 € angesetzt werden. Aber auch niemals mehr.
    (Nur aus der Sicht, einen sinnvollen Anreiz zu schaffen und trotzdem den Arbeitnehmer mit seinen Kosten nicht alleine zu lassen)

  5. Grybelfix sagt:

    Wenn wir hier schon dabei sind real entstehende erlösschmälernde AUSGABEN für die Fahrt zur Dienststelle als „Subventionen“ und „Vergünstigungen“ umzudefinieren, können wir ja auch gleich bei Büroangestellten dann noch die Ausgaben des Abeitgebers für Bürostühle, Heizung und so als untgeltliche Wertabgaben aufs zu versteuernde Einkommen der Angestellten drauf tun. Man könnte sich ja auch Stühle vom Sperrmüll holen oder im stehen arbeiten. Wer sich hingegen an der pauschalen Berechnungsmethode der Pendlerpauschale stört weil man ja damit Gewinn machen könnte wenn man 70km vom Arbeitsplatz entfernt wohnt und per Pedes/Trampen/Schwarzfahren zur Arbeit kommt möge dann bitte auch eine bessere Veranlagungsmethode vorschlagen.

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