Die falschen Lohnerhöhungen

Es gibt sie – zumindest makroökonomisch.

Den Balassa-Samuelson-Effekt kennt keiner. Ist auch nicht weiter schlimm.

Ich zitiere der Einfachheit wegen Wikipedia zur Erklärung:

…..Aufgrund seiner größeren ökonomischen Bedeutung ist nach Ansicht Balassas der Sektor der handelbaren Güter jedoch maßgeblicher für die Höhe der Löhne, die sich somit hauptsächlich nach Maßgabe der Produktivität der Arbeitskräfte im Sektor handelbarer Güter bestimmt und dann aufgrund der Arbeitsmobilität gleichermaßen für den Sektor nicht handelbarer Güter gilt.

Somit können Entwicklungsländer handelbare Güter also zu gleichen Preisen wie Industrieländer produzieren (aufgrund niedrigerer Löhne bei niedrigerer Produktivität). Allerdings sind nach Balassas Theorie die Preise für nicht-handelbare Güter in Entwicklungsländern niedriger (niedrigere Löhne bei gleicher Produktivität) – das heißt, das durchschnittliche Preisniveau der Entwicklungsländer liegt unterhalb dessen der Industrieländer…..
Im Sektor handelbarer Güter dürften die Preise folglich kaum steigen, da die Lohnsteigerungen ja durch das Produktivitätswachstum ausgeglichen werden. Die höheren Löhne werden aber auch im Sektor nicht-handelbarer Güter gezahlt, da sonst alle Arbeitnehmer dieses Sektors in den handelbaren Sektor wechseln würden. Im Sektor nicht-handelbarer Güter herrscht jedoch kein vergleichbares Produktivitätswachstum, sodass die steigenden Kosten über Güter-Preissteigerungen kompensiert werden. Demnach ist eine insgesamt höhere Inflationsrate wahrscheinlich.

So – abgesehen davon das dabei außer acht gelassen wird das der Wechsel zwischen tradables und non-tradables-Sektor bei unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen (insbesondere in Industrieländern) eben nicht ohne weiteres vollzogen werden kann (was bei uns für die Lohnunterschiede verantwortlich ist) möchte ich einmal den umgekehrten Effekt betrachten.

Was geschieht wenn nicht Blassa recht damit hat das der Sektor der Handelswaren die Löhne bestimmt sondern andere Sektoren. Was ist beispielsweise wenn in Ländern wie in Spanien (USA?) Immobilienblasen und staatlicher Beamtenapparat die Zugmaschinen der Konjunktur und der Löhne bilden? Dann geschieht das umgekehrte wie obig postuliert – die Handels-/Leistungsbilanz verschlechtert sich. Das dürfte sogar dann geschehen wenn sich ein Land weniger stark am Export orientiert als andere.

Reichen dann womöglich ein paar Länder wie Deutschland und China um andere herunter zu reißen — wenn sie nicht das verdiente wieder konsumieren und so das Gleichgewicht wieder herstellen? Und – wenn das mit dem „Löhne ausgleichen“ zwischen den Sektoren nicht mehr funktioniert, wie bei uns (hochqualifiziert=Export unqualifiziert Binnenmarkt) ist auch die Funktionalität des Außenhandels gestört.

Der umgekehrte Balassa-Samuelson-Effekt. Ich denke da könnte etwas dran sein.

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Comments
4 Responses to “Die falschen Lohnerhöhungen”
  1. Grybelfix sagt:

    Aber wozu dann diese irreführende Überschrift? Könntest ja auch schreiben „die falschen Lohnsenkungen“ oder sowas…
    Und ja – wir sind im Arsch! Wenn die Klopapierfabrik halt in Deutschland gebaut wurde können die Griechen Ihre Löhne auch halbieren und trotzdem kein Klopapier exportieren. Zumindest nicht kurzfristig.

    • aloa5 sagt:

      Die Überschrift geht in Richtung Lagarde/IWF welche gerade das Lagarde/Flassbeck-Mantra wiederholt das wir die Löhne erhöhen müssten. 😉

      Grüße
      ALOA

      • Grybelfix sagt:

        Was wenn die Löhne vor allem durch politische Gestaltung bestimmt werden? Die Tradables fallen aufgrund der unvorstellbaren zu beobachtenden Kapazität der internationalen Finanzmärkte als Lohnlenker jedenfalls schon mal aus. Siehe USA. Bleiben als mögliche Kandidaten noch die non-Tradables und die Politik. Wo soll da dann der Haken sein wenn Flassbeck lohnerhöhende Politik fordert?

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  1. […] es Schwierigkeiten mit dem Absatz im In- und Ausland. Den zugehörigen Blogbeitrag zu den “falschen Lohnerhöhungen” könnte man also ebensogut mit “falsche Staatsintervention/Invesititionen” […]



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