Griechenland – Das Weimar 2.0

Anmerkung …. @Cicero: dieser Blogeintrag stammt von Co-Blogger Andena und nicht vom Blogbetreiber.

Man kann sich nur mehr wundern: Auf der Politbühne wird ein astreines Remake aufgeführt und die politischen Laien-Darsteller merken es noch nicht einmal, dass sie Teil eines Dramas sind, das die moderne Weimarkrise widerspiegelt.

Aber fangen wir mal locker an und schauen uns das weimarer Problem näher an. Nach dem verlorenen 1.Weltkrieg wurden dem Deutschen Reich Reparationszahlungen in Höhe von 132 Mrd Goldmark auferlegt (später „nur“ noch 114 Mrd RM). Gemessen am Staatshaushalt 1929, der gerade mal 10,1 Mrd RM (siehe dort Seite 42) betrug, lag allein die kriegsbedingte Staatsverschuldung bei irrwitzigen 1100% des Etats bzw bei knapp 167% des Volkseinkommen (bei ca 68 Mrd RM Volkseinkommen). Die jährlichen Reparationsleistungen sollten 2,5 Mrd RM betragen, was knapp 25% des Haushaltsetats ausgemacht hätte.

Um diese Zahlungen aufbringen zu können – bzw um den Siegermächten zu beweisen, dass sie nicht aufgebracht werden können und somit eine Revision des Reparationsdiktats zu erzwingen – startete der vom Reichspräsidenten eingesetzte Reichskanzler Brüning sein Krisenbewältigungsprogramm an dessen Ende ein Absinken des Volkseinkommens von 68.524 Mio RM im Jahr 1930 auf nur noch 45.175 Mio RM im Jahr 1932  und somit einer Reduktion von 35% stand incl aller negativen Begleiterscheinungen wie Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, Verelendung breiter Bevölkerungsschichten und einer politischen Radikalisierung.

Soweit kurz und knapp die geschichtliche Vorlage aus der Weimarer Republik für das heutige griechische Drama.

Die Rahmenbedingungen ähneln sich interessanterweise (auch wenn natürlich jeder Vergleich immer ein bisserl hinkt😉 ) – hohe Auslandsstaatsverschuldung in Höhe von 170% des Volkseinkommens / bzw 160% des BSP – Einsetzung eines technokratischen Ministerpräsidenten / Reichskanzlers, der mittels Sparmaßnahmen / Deflationspolitik die Auflagen des Reparationsdiktats / Fiskalpakts zu erfüllen können glaubt und infolgedessen die heimische Wirtschaftsleistungen erodiert und eine Welle der sozialen und dann schließlich politischen Kälte heraufbeschwört.

Auch in Weimar hatte eine irgendwie immer wieder zusammengeschusterte „große Koalition“ aus Konservativen, Nationalliberalen und Sozialdemokraten die von außen durch den Reparationsrat auferlegte Politik willig im Inland auf Kosten der Bevölkerung durchgesetzt – genau so, wie bis jetzt in Griechenland eine letzte „große Koalition“ aus Panhellenisten und Neudemokraten die von außen durch die Troika auferlegte Politik willig im Inland auf Kosten der einfachen Bevölkerung durchgesetzt hat.

Selbst die politische Krise mit Neuwahl und dem Glauben durch erneute Neuwahlen bessere / schönere Wahlergebnisse dem Wahlvolk abzuringen ähnelt dem Prinzip Hoffnung der weimarer Reparations-Blockparteien und selbst die Wahlergebnisse gehen langsam in Richtung Weimarer Verhältnisse.

Weitsichtige und geschichtlich bewanderte Politiker würden diesem weimarer Treiben in Griechenland ein Ende setzen und endlich den notwendigen Schlusspunkt unter das Abenteuer Eurosystem setzen und der Republik Griechenland einen goldenen Handschlag in Form von Investitionszusagen für dessen Austritt aus der Währungsunion anbieten.

Das so langsam Bewegung in die Politikerkaste kommt, lässt zumindestens ein Interview des wahrscheinlich zukünftigen „Chefs der Eurogruppe“ Wolfgang Schäuble erhoffen, der schon mal offen über den Austritt Griechenlands aus dem politisch motivierten Eurosystem spricht.

Comments
26 Responses to “Griechenland – Das Weimar 2.0”
  1. aloa5 sagt:

    Die Frage wäre ob man nicht mittels Investitionsprogramm die Lage retten könnte. Einen Außenhandels-Stabilitätspakt muss man so oder so schon wegen der anderen PIGS-Länder einführen. Also – theoretisch (ob Politiker das nun einsehen oder nicht…).

    Mit Stabilitätspakt und Investitionsprogramm könnte man m.E. aus der Lage herauskommen, da sich das BIP und die Beschäftigung wieder erholen könnten.
    Mit einem Austritt Griechenlands ohne Stabilitätsprogramm hat man den Griechen womöglich geholfen – dem Euro aber auch nur einen weiteren Aufschub bis zu einem eskalieren bei weiteren Kandidaten verholfen. Es wäre also auch nur eine Teillösung (eben für die Griechen).

    Grüße
    ALOA

    • blakdrag sagt:

      ich stimme aloa weitgehend zu. Aber vorallem… wer sagt denn, dass wenn die Griechen aus dem Euro sind, es dort nicht munter so weitergeht, wie in Weimar? Dass der Staat dann in die Pleite geht wird die sozialen Kälte sicher nicht wieder erwärmen. Ich glaube Griechenland im Euro zu belassen und dort massiv die Wirtschaft aufzubauen würde Griechenland und dem Euro (und damit letzztlich auch uns) immens mehr helfen und wäre wahrscheinlich auch billiger. Denn wenn man dort unten dann nicht ausreichend helfen wird, dann werden die Radikalen Kräfte übernhemen.. eben ganz wie in Weimar. Und wir wissen ja worin das schließlich mündete.

      • aloa5 sagt:

        Verteilungskämpfe sind selten unschädlich. Einen leichten Weg aus der Krise wird es für die Griechen nicht geben.

        Das Problem kann am Ende auch sein das -egal ob mit oder ohne Euro – die Wirtschaft(tm) keine Lust mehr hat in dem Land zu investieren. Und wenn das Geld noch stärker fehlt reichen Investitionsprogramme womöglich auch nicht mehr für eine Erholung aus welche schnell genug greift.

      • andena17 sagt:

        Das grundlegende Problem Griechenlands innerhalb des Eurosystems und des Eurosystems selbst ist, dass über die festen Wechselkurse kein automatischer Ausgleich der unterschiedlichen Wirtschaftsleistung der einzelnen Staaten möglich ist und gleichzeitig ein automatisches Finanzausgleichssystem fehlt. Deshalb hat Griechenland wie alle PIIGS-Staaten mit negativer Leistungsbilanz, nur die Möglichkeit diese über Neuverschuldung auszugleichen oder eine deflationäre Politik mit Eingriff in das Lohngefüge vorzunehmen.

        So gesehen ist ein Verbleib Griechenlands und der anderen Wackelkandidaten im Eurosystem gleichbedeutend mit einem fortschreitenden wirtschaftlichen Selbstmord und eine Gesundung innerhalb der Währungsunion nicht mehr leistbar. Die letzten Schätzungen des Abwertungsdrucks der griechischen Währung beläuft sich auf mittlerweise eine notwendige Währungsabwertung in Höhe von 70%. Das heißt, dass der griechische Euro nur mehr 30ct wert ist. Ohne eine solche Abwertung ist die griechische Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig bzw muss insgesamt an einen Subventionstropf (sprich dauernde Alimentierung) gehängt werden.

        • aloa5 sagt:

          Der Abwertungsdruck entsteht aus Wirtschaftsschwäche. Die Steigerung haben die bisherigen „Hilfsaktionen“ mit Schrumpfungspolitik verursacht.

          Man hätte über echte Hilfsprogramme m.E. den gegenteiligen Effekt erzeugen können. Die Auflagen welche die Ausgabenstruktur des Staates betreffen oder die mangelnden Einnahmen hätte man trotzdem erlassen können. So lange per Saldo das gleiche geflossen wäre, jedoch mit dem Fokus auf die Wirtschaftskraft und die Struktur hätte man mit gleichen Mitteln mehr erreicht.

          So fährt man sich bergab immer schneller gegen die Wand am unteren Ende – mit einem kaputten „Fahrzeug“, nämlich der griechischen Wirtschaft.

          Jedoch: den Deutsches ist das egal. Die schweben nach den Steuerschätzungen auf Wolke sieben und streiten um die Verteilung der Gewinne…. who cares.

  2. der andere Andreas sagt:

    ist das problem von investitionsprogrammen nicht immer, dass man irgendwann entscheiden muss in was man genau investiert?

    das hat ja so toll im osten deutschlands auch nicht funktioniert.

    großes problem des euroaustritts ist halt noch die politische wirkung auf die stabilität der union – damit ist dann erstmal ne menge politisches kapital weg. zu recht oder nicht ist fast zweitrangig andere projekte dieser größenordnung werden jedenfalls ein schweres erbe haben.
    zumal mit der netten retorik die gerade auch in deutschen medien verwandt wurde…

  3. cangrande sagt:

    Nein, Griechenland ist nicht Weimar. Ich gehe mal davon aus, dass Deutschland seinerzeit kein Zahlungsbilanzdefizit hatte, bzw. zumindest ohne die Reparationen keins gehabt hätte. Dass heißt die Deutschen haben – mehr oder weniger – das verzehrt, was sie produziert haben.
    Die Griechen haben lange lustig auf anderer Leute Kosten gelebt, indem sie sich sog. „Kredite“ geholt haben – die sie jetzt nicht bezahlen wollen. Was eigentlich niemanden überraschen sollte, denn was für die griechische Regierung als Kredite reingeholt hat, hat sie dem Volk als Wohltaten weitergereicht. An Rückzahlung war da von vornherein nicht gedacht.
    Und wieso sollen wir bitte den Griechen den überhöhten Lebensstandard finanzieren, den sie sich jahrelang im Wege des Kreditbetruges erschlichen haben? (Ohnehin würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn jetzt die reichen Steuerhinterzieher auch die Strippenzieher hinter den radikalen „Linken“ wären: keine Schuldentilgung = weiterhin schlamperter Steuereinzug!)

    Was die Investitionsprogramme angeht („Marshallplan“) setzt das voraus, dass man
    a) überhaupt eine Firma aufmachen kann in Griechenland, was anscheinend immer noch kompliziert ist,
    b) Grund und Boden für die Fa. kaufen kann, was am fehlenden Kataster scheitern kann und
    c) dann auch rentabel produzieren und die Waren an den Markt bringen kann.
    Dazu braucht man
    a) die für die jeweilige Produktion qualifizierten Arbeitnehmer (die auch ausreichend schaffensfroh sein müssen)
    b) einen Absatzmarkt
    c) ein kostengünstig arbeitendes Transportwesen (haben die Griechen inzwischen die Lizenzbeschränkungen für das Transportgewerbe abgeschafft? Soweit ich das zuletzt mitbekommen habe, bislang noch nicht; dadurch sind Transporte exorbitant teuer)
    d) eine effiziente Bürokratie, wenn es um Genehmigungen usw. geht.

    Fragen Sie sich selbst, was Griechenland davon (nicht) hat.
    Und im übrigen wäre es nur ein weiterer Sargnagel für die europäische Wirtschaftsleistung insgesamt, wenn irgendein Volk in Europa die Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen den anderen aufhalsen könnte. Letztendlich läuft das dann nämlich nicht auf Produktionssteigerung hinaus, sondern auf parsitäres Verprassen der Hilfsgelder – wie in Griechenland mit den EU-Milliarden gehabt.

    Also raus mit Leuten, die nicht fähig oder willens sind, die ökonomische Verantwortung für sich selbst übernehmen, und die glauben, sie hätten Anspruch darauf, den hart erarbeiteten Wohlstand anderer Völker für sich abzugreifen!

    • aloa5 sagt:

      Fragen Sie sich selbst, was Griechenland davon (nicht) hat.

      Ich frage mich m.E. eher aus welchen Gründen man nicht so etwas zur Bedingung gestellt hat wenn das die Probleme dort sind. Ansonsten stimme ich der pauschalen Verurteilung insofern nicht zu als das BIP in Griechenland seit dem Jahr 2000 bis 2008 doch schon sichtbar zugenommen hatte.

      Und – um das weiterzuführen – in anderen betroffenen Ländern wie Spanien und Portugal sind diese strukturellen Misstände nicht in dieser Form vorhanden, auch nicht was die Qualifikation der Bürger angeht. Auch aus diesem Grunde lehne ich eine einseitige Verurteilung ab. Es war von vornherein klar das die Südländer wirtschaftlich schwächer sind und dies natürlich ein Stück weit auf Rückständigkeit zurückzuführen ist (weniger Kapital).

      Daher war auch von Beginn an die eigentliche Frage ob man gewillt ist die Lücke zu schließen. Im Nachhinein hinzugehen und zu erklären das die nicht mit unserer Wirtschaftskraft mithalten können und deshalb(!) ausscheiden müssten ist m.E. nicht sonderlich schlüssig.

      Grüße
      ALOA

      • cangrande sagt:

        Versehe ich Sie richtig, dass Sie die Griechen nicht verurteilen wollen, weil Spanien und Portugal nicht im gleichen Maße strukturelle Mängel haben? („Auch aus diesem Grunde lehne ich eine einseitige Verurteilung ab.“).
        Im Übrigen wirken zwar die Reformwiderstände in Spanien und Portugal weniger heftig, aber insbesondere in Portugal muss es schon ziemliche Misstände gegeben haben, über die man hier wenig erfährt, weil die Griechen mit ihrer einzigartigen Renitenzbegabung in den Medien die Eurettungsbühnen beherrschen.

        Mag schon sein, dass das griechische BIP zugenommen hat: Wenn die (letztlich) auf Pump unsere Autos kaufen, brauchen sie ja auch Autohäuser, Werkstätten usw. Aber diese „Blüte“ basiert eben darauf, dass man ausländische Produkte gegen (letztlich) Kredit importiert. (Das ist ja teilweise sogar auch in den USA so.)

        Was die Lückenschließung angeht, sind ja eine Menge EU-Gelder – vergebens – geflossen. Ich halte es nicht für sonderlich schlüssig, diesen weitere Gelder nachzuwerfen.

        Aus dem Umstand, dass unsere Politik damals möglicher Weise Bedingungen nicht gestellt hat, die sie hätte stellen sollen, vermag ich keinen Haftungsanspruch der Südländer gegen die deutschen Steuerzahler abzuleiten.
        Sorry, aber als erwachsene Menschen müssen (auch) die Südeuropäer sich schon selber um ihre politisch-ökonomischen Verhältnisse kümmern! Es ist illusorisch zu glauben, die würden sich einen Ruck geben, wenn wir denen nur genügend Geld geben: die legen sich in die Hängematte (was dann ja auch nur rational wäre). Die Griechen sind nur die Spitze des Eisbergs; auch in den anderen Südländern gibt es offenbar wirtschaftlich hemmende Rigiditäten (wie natürlich auch bei uns, nur offenbar in etwas geringerem Maße).

        • aloa5 sagt:

          Sorry, aber als erwachsene Menschen müssen (auch) die Südeuropäer sich schon selber um ihre politisch-ökonomischen Verhältnisse kümmern!

          Das kann jeder sehen wie er möchte. Das Problem ist das diese Sichtweise unvereinbar mit dem Euro ist. Man kann sich einmal NRW oder Berlin ansehen als Bundesländer. Ohne den „Bundesland-ESM“, nämlich die Haftungsunion würden u.a. diese Bundesländer m.E. nicht einen Euro vom Kreditmarkt erhalten.

          Die Probleme sind bekannt. Das bedeutet nicht das man sie innerhalb von ein paar Jahren ausmerzen kann. Und Deutschland hat auch Fehler begangen z.B. mit der MwSt-Erhöhung und anderen Dingen (Riester-Rente etc.) welche ohne eine expansive Fiskalpolitik zu Lasten der anderen Euro-Länder gehen musste.

          So unilateral sind die Probleme nicht. Die Szenarien ist man bewusst als Risiko und Verantwortung eingegangen mit dem Euro. Es ist zu einfach mit dem Finger auf andere zu zeigen.

          • cangrande sagt:

            „Mit dem Finger auf andere zeigen“ ist ein Vorwurf, mit dem die Eurofetischisten den Deutschen eine totale Haftungsunion unterjubeln wollen.

            Und desgleichen der Verweis auf die Solidarhaftung für die deutschen Bundesländer. Dass hier vieles im Argen liegt, rechtfertigt es bei rationaler Betrachtung ja wohl nicht, derartige Mängel nunmehr in noch größerem Maßstab gesamteuropäisch zu institutionalisieren.

            Wenn es Ihnen um rationale Argumentation ginge, müssten Sie im Gegenteil sagen: Schaut her, schon bei uns ruhen sich die Schuldenländer auf den Ausgleichszahlungen der anderen aus – und solche Missstände sollen nun – auf unsere Kosten – auch noch für die ganze Eurozone dauerhaft institutionalisiert werden?

            Es geht bei allen Fingerzeigen immer nur um eines: sind die Deutschen dumm genug, sich für die gesamte Eurozone in die Haftung locken oder prügeln zu lassen, oder hat dieses Volk noch einen kleinen Funken politisch-ökonomischen Verstand?

            Wenn der Euro nur mit einer Haftungsunion zu haben ist (wie Sie ja offenbar, und vielleicht zutreffend, meinen): Dann aber nichts wie raus aus dieser Riesen-Titanic, bevor sie uns vollends in den Abgrund zieht!

            • aloa5 sagt:

              Dass hier vieles im Argen liegt, rechtfertigt es bei rationaler Betrachtung ja wohl nicht, derartige Mängel nunmehr in noch größerem Maßstab gesamteuropäisch zu institutionalisieren.

              Es können nicht alle gleich erfolgreich sein. Das unterliegt starken Marktverzerrungen welche i.d.R. zugunsten derer ausgehen deren Bedingungen besser sind. Siehe dazu auch diesen Blogbeitrag:
              https://logicorum.wordpress.com/2011/11/24/die-schroder-therapie-kantoos-fazit-und-die-eu-goes-mexico/

              Das gilt zwischen München-Stadt und Bayrisches Umland wie zwischen Bayern und ehem. Ruhrpott wie auch zwischen Staaten. Ohne einen Lastenausgleich ist ein zusammenwachsen wie auch zusammenhalten des Wohlstandes unmöglich. Dazu muss sicher auch jeder etwas beitragen – das ist unbenommen und es gibt eine ganze Reihe von Versäumnissen in Südeuropa. Das ist aber nur ein Teil des Ganzen,

              • „Es können nicht alle gleich erfolgreich sein.“
                Und wieso nicht? Der Außenhandel findet bekanntlich größtenteils zwischen den entwickelten Ländern statt, nicht zwischen den reichen und den armen (wie auch: die Armen können ja nichts kaufen).

                „Ohne einen Lastenausgleich ist ein Zusammenwachsen wie auch Zusammenhalten des Wohlstandes unmöglich.“
                Ach so: „Schenk dich reich“? Das ist eine wenig überzeugende Begründung für den im Ergebnis geforderten großdimensionierten Diebstahl an den steuerehrlichen Deutschen zum Wohle der griechischen Steuerhinterzieher (wie natürlich auch der Finanzmärkte und der Dollar-Währungskonkurrenz)!
                Und außerdem: Wie soll auf diese Weise etwas zusammenwachsen, wenn doch Ihrer Meinung nach sowieso nicht alle gleich erfolgreich sein können?

                Und schließlich dürften wir, wenn wir nur so unseren Wohlstand sichern könnten, unsere Generosität nicht auf die Eurozone beschränken:
                Vielmehr müssten wir mit deutschen Steuergeldern dann gleich die ganze Welt beschenken!
                (Pech, dass die arabischen Ölförderländer nicht genauso über die Weltwirtschaft denken!)

                Dass nicht alle Nationen gleichzeitig Exporterfolge haben können, liegt auf der Hand.
                Aber das ist kein Grund, unseren hart erarbeiteten Wohlstand ans Ausland zu verschenken! Wenn Sie staatliche Umverteilung für erforderlich halten, könnten wir, was man uns für andere abfordert, ebenso gut im eigenen Land verteilen. Und dadurch die bei uns produzierten Güter und Dienstleistungen voll zur Steigerung unseres eigenen Wohlstands verwenden.

                Dem Münchener Umland geht es gut, und den dortigen Wohlstand hat sicherlich nicht eine staatliche Umverteilung seitens der bayerischen Staatsregierung erzeugt.
                Wenn es dem Ruhrgebiet schlecht geht, müssen notfalls die Menschen von dort weg und in eine Gegend ziehen, wo es Arbeit gibt: Das mussten sie in der Ex-DDR schließlich auch, das ist in den USA selbstverständlich und für die chinesischen Wanderarbeiter ebenfalls!
                Und wenn man glaubt, den Griechen das nicht zumuten zu können, negiert man damit implizit die Möglichkeit eines (ökonomisch sinnvoll definierten) Zusammenwachsens.
                Mobilität schafft Zusammenhalt, Dauer-Parasitismus einzelner Staaten oder Gebietskörperschaften beschädigt bzw. zerstört ihn!

                • aloa5 sagt:

                  “Ohne einen Lastenausgleich ist ein Zusammenwachsen wie auch Zusammenhalten des Wohlstandes unmöglich.”
                  Ach so: “Schenk dich reich”? Das ist eine wenig überzeugende Begründung

                  Das ist aber so. Das ist nicht nur Teil des Leistungsprinzipes welches unseren Steuergesetzen zugrunde liegt sondern auch ein ökonomischer Zwang.

                  Deine Annahme würde bedeuten das jeder 1mio Einkommen haben könnte bei 50% Sparquote und jeder andere lediglich unfähig oder unwillig ist. Das ist ökonomisch nicht zu halten. Wenn man einen Marktvorsprung hat wie z.B. ein Land mit Bester Infrastruktur und Produktionsausrüstung im Mrd-Bereich sowie Patentpools und Top-Universitäten dann ist es natürlich (zwingend) in der besseren Lage.

                  Du sagst wenn jemand 1Mrd Vermögen und einen Maschinenpark besitzt und jemand anderes 10 Euro und seine Beiden Hände dann ist kein Lastenausgleich notwendig um

                  A) Gleichstand bei den wirtschaftlichen Möglichkeiten zu besitzen und
                  B) um einen Wirtschaftskreislauf am laufen zu halten

                  Das wurde m.E. eben durch die Krise widerlegt und auch m.E. durch Keynes bereits. Das verbirgt sich bei Keynes u.a. unter den Begriffen „Investitionsfalle“ und „Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung“. Dazu gehören aber auch andere Mechanismen welche ich bereits im Blog hier angesprochen habe.

                  • cangrande sagt:

                    Ich bin gewiss der Letzte, dem die Problematik der Kapitalkonzentration nicht bewusst wäre (vgl. meinen Blog-Eintrag „Die Ökonomie der Artos-Phagen: Warum eine eigentumsbasierte Geldwirtschaft (im Basismodell) nicht dauerhaft funktionieren kann“ – http://beltwild.blogspot.de/2010/01/die-okonomie-der-artos-phagen-warum.html).

                    Aber du hast ja offensichtlich Wirtschaftswissenschaft studiert und gehörst damit höchstwahrscheinlich auch zu jenen, die ihre Position gegen das (scheinbar) naive Denken der ökonomischen Laien damit begründen, dass auf der volkswirtschaftlichen Ebene angeblich alles völlig anders funktioniere, als auf der individuellen (oder auch betriebswirtschaftlichen) Mikro-Ebene.

                    Dem würde ich, konkret in einer Kritik deines Beispiels, jedenfalls insoweit zustimmen, als sich aus der Betrachtung der individuellen Vermögensunterschiede nicht zwangsläufig Einsichten über die (Beseitigung der) unterschiedlichen Kapitalausstattungen von Volkswirtschaften gewinnen lassen.

                    Eine hohe Kapitalausstattung ist zwar grundsätzlich eine gute Sache. Andererseits führt sie aber auch zu einer gewissen Sättigung (was z. B. die Verfechter des Kapitaldeckungsverfahrens übersehen; vgl. näher in meinem „Rentenreich“ – http://www.beltwild.de/rentenreich.htm). Dem gegenüber sollten Länder mit einer stark unterentwickelten Realkapitalausstattung eine weitaus stärkere Kapitalabsorptionsfähigkeit aufweisen.
                    Rein hypothetisch könnte man beispielsweise im Kongo an den Inga-Fällen einen Staudamm bauen (Grand-Inga-Staudamm-Projekt) und das ganze Land und weite Teile Afrikas dazu mit Strom versorgen. So SOLLTE ein Ausgleich von Kapitalüberschuss („Sparen“) und Kapitalmangel funktionieren. Warum niemand sein Geld in den Kongo geben will, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Aber ein bisschen Kongo ist halt überall: in Griechenland, den anderen Südländern, Frankreich usw. – und natürlich auch bei uns. Nur ist es hier mehr und dort weniger, und wo es zuviel wird, investiert kein „Privatmann“. Und dass als Investition gedachtes Geld dort nicht investiert wird, haben wir mit hunderten von EU-Milliarden in Griechenland erlebt (und ich kann mir vorstellen, dass Ähnliches mindestens auch in Portugal passiert ist).

                    Wenn diese Länder angemessene Verwertungsvoraussetzungen für das Kapital schaffen, gehen auch die privaten Gelder dahin.
                    Wenn nicht, sind auch unsere aus Steuergelder bezahlten „Investitionshilfen“ rausgeworfenes Geld.

                    • aloa5 sagt:

                      Du interpretierst „Kapital“ etwas zu streng. Der Begriff umfasst nicht nur Geld sondern auch Infrastruktur, Patente, Bildungseinrichtungen und /-niveau, bestehendes Produktivvermögen etc..

                      Wenn Du einen Landstrich nimmst mit vielen Feldarbeitern, selbst aber vor einem Fabrikgebäude von Siemens stehst kannst Du nicht den Euro einführen und erklären die Feldarbeiter hätten die gleichen Voraussetzungen. Es existierten dabei mehrere veritable Dysfunktionen innerhalb des Verteilungsmechanismus.

                    • cangrande sagt:

                      Bei erneuter Durchsicht meines Kommentars stelle ich fest, dass mein Argumentationsfaden etwas vom graden Weg abgekommen ist.

                      Also nochmals kurz: Dein Vergleich einer reichen mit einer armen Person ist für den Vergleich zweier Volkswirtschaften untauglich, weil dort (freier Kapitalverkehr unterstellt) das Überschusskapital aus der saturierten in die unterentwickelte Wirtschaft laufen kann – und bei angemessener Renditeerwartung auch laufen wird.

                      Tatsächlich liegt ja das Problem auch gerade in der Eurozone darin, dass der Süden ZUVIEL an Kapital angezogen hat – das dort nicht investiert, sondern konsumiert wurde (wie ähnlich auch in den USA).

                      Und was die Transferunion angeht, haben wir die ja längst – via Target 2-Salden. Nicht einzusehen, dass wir den dort mutmaßlich verlorenen [d. h. niemals real einlösbaren] hunderten von Milliarden Euro jetzt auch noch Steuergelder in Höhe eines Mehrfachen des deutschen Bundeshaushalts nachwerfen sollen.

  4. cangrande sagt:

    „Wenn Du einen Landstrich nimmst mit vielen Feldarbeitern, selbst aber vor einem Fabrikgebäude von Siemens stehst kannst Du nicht den Euro einführen und erklären die Feldarbeiter hätten die gleichen Voraussetzungen.“
    Völlig richtig.
    Logischer Weise müsstest du dann auch meiner Forderung zustimmen: „Feldarbeiter raus aus der Eurozone!“

    Das Ganze ist also nicht eigentlich Währungspolitik, sondern ein Problem der Entwicklungspolitik. Und die hat bekanntlich nichts anderes bewirkt als „das Geld der Armen aus den reichen Ländern an die Reichen in den armen Ländern“ zu verteilen.
    China hat sich ohne Hilfe industrialisiert; Indien hat sich trotz massiver Hilfen sehr schwer getan mit seiner Entwicklung (und ob der aktuelle Aufschwung dauerhaft ist, bleibt erst noch abzuwarten) und in Afrika (in Schwarzafrika wie im islamischen Norden) scheint sich nur wenig zu bewegen.

    Was meinst du, wie schnell nicht nur die Griechen, sondern, durch deren Elend ermuntert, auch die anderen Südeuropäer ihre Problembereiche bereinigen würden, wenn sie die Folgen ihrer souveränen Entscheidungen vollumfänglich bezahlen müssten?
    Aber warum sollte sich irgend jemand aus seiner bequemen Hängematte herauswälzen, solange er blöde Barbaren findet, die für ihn blechen?

  5. Grybelfix sagt:

    Hmm ich entsinne mich dunkel dass das Defizit der Defizitländer im Vergleich zu den Einfuhr-Ausfuhr Verkehrszahlen gar nicht soooo düster war? Großes Problem wenn Griechenland ausscheidet. Hat jemand die Verkehrszahlen im Kopf?😦

  6. PotzBlitzDonner sagt:

    Ist es den nicht denkbar, das es für Länder wie Deutschland besser ist mehr zu Produzieren als man sich letztendlich zum Konsummieren gönnt weil so die eigenen strukturellen Probleme besser zu bewältigen sind. Arbeitsplätze haben auch einen gewissen selbstzweckanteil. Auf der anderen Seite gibt es Länder wie Griechenland die eben andersherum funktionieren. Solche unterschiedlichen Länder ergänzen sich doch Perfekt, vorausgesetzt man schafft auch einen entsprechenden Transfer bzw. akzeptiert diesen. Es können auch nicht alle Länder ihr Ausenhandelsdefizit reduzieren während ander fleißig an ihrem Überschuss und das auch mit allerlei Subventionen arbeiten.
    Erst sucht man sich einen Dummen dem man den leckeren Kuchen unter die naße hält und gibt ihm dann auch noch das Geld, damit er ihn kaufen kann und später wundert man sich wenn der „Dumme“ dann mit Bauchschmerzen im Bett liegt und nicht mehr im Stande ist das Geld zurück zu bezahlen.
    Unser Konsum war doch das Arbeiten selber, wir brauchen diesen weil unser leidensanspruch an uns selber höher ist als unser Konsumbedürfnis. Wenn wir mehr für unsere Arbeit bekommen würden, wovon natürlich die besser qualifizierten am meisten Profitieren würden, würden diese weniger arbeiten wollen. Logischerweise gäbe es mehr Arbeitlosigkeit weil gering qualifizierte Jobs von hochqualifizierten abhängig sind.

    Arbeiten gehen=Konsum

  7. cangrande sagt:

    Übrigens kann man kaum informiert über die griechische Misere reden, wenn man nicht die schlechthin brillanten Blog-Einträge von Nikos Tsafos‘ (in Washington lebender Grieche) Greek Default Watch gelesen hat (http://www.greekdefaultwatch.com/; momentan springt einem dort ein griechischer Text entgegen, aber keine Angst: das Meiste ist in Englisch).

    Beispielsweise zeigt sein Eintrag „Who Bailed Out Whom in Greece?“ (http://www.greekdefaultwatch.com/2012/04/who-bailed-out-whom-in-greece.html) in welch hohem Maße die Griechen (Regierung für Haushaltsdefizit und inländische Gläubiger) von unseren Transferleistungen (sog. Krediten) profitiert haben.

    Zwar haben die internationalen Gläubiger noch etwas mehr bekommen. Aber die Beruhigung der Finanzmärkte – „Ansteckungsgefahr“ – war ja schließlich auch der ausdrückliche Grund für unsere Zahlungen an G.

  8. PotzBlitzDonner sagt:

    Mich hätte mal interessiert wieviel Geld Bayern durch den Länderfinanzausgleich in Summe bekommen hatte, und wenn es das als Kredit bekommen hätte, ob es den wohl schon durch die Zahlungen die Bayern mittlerweile im Länderfinanzausgleich leistet sich den schon wieder entschuldet hätte….
    Nichts desto trotz ist dieses Bundesland ein gutes Beispiel dafür das Länder sich nicht auf dauer auf ihren Subventionen ausruhen müssen, sondern das es auch anderst geht.

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