Eurokrise – Endspiel um den Euro

So langsam scheint sich bei unseren „Qualitätsmedien“ die Einsicht einzustellen, dass mit dieser fortwährenden Eurorettung und den prächtigsten aller Rettungsschirme und sonstiger monetärpolitischen Schwachsinnigkeiten weder ein griechischer noch sonstwie ein halbwegs stabiler Staat mehr zu machen ist. Und die Hiobsbotschaften reißen einfach nicht ab, nun wird auch Zypern offiziell mittels Schuldenschnitt seine Staatsinsolvenz bekunden während Spanien für seine Bankster 100 Mrd € an neuen Schulden aufnimmt um gleichzeitig vom IWF aufgefordert zu werden, die Löhne und Gehälter um 30% zu senken und die Mehrwertsteuer anzuheben.

Mittlerweise wird es für Normalbürger geradezu kompliziert noch damit hinterherzukommen, welcher Euro-Staat unter welchen dieser angeblichen Rettungsschirme geschlüpft ist und wieviele Milliarden an Steuergeldern gerade jetzt wo genau versumpfen. Mit Irland, Portugal, Spanien, Zypern und Griechenland werden bereits 5 von 17 Euro-Staaten durch Devisentransfers alimentiert und Italien hat bereits die Vorstufe dazu erreicht indem die EZB wohl nach wie vor vertragswidrig italienische Staatsanleihen aufkauft. Es scheint fast so, als ob sich unsere Eurofanatiker in der EU und bei der EZB partout komplett der Wirklichkeit entziehen wollen und sich weigern einzusehen, dass die mit dem IWF geschmiedeten brüningschen Fehlmaßnahmen nurmehr weiter in die Sackgasse von Rezession und Staatsinsolvenz führen.

Aber zum Glück ist das Ende dieser Tragödie abzusehen. Aber wie genau wird der Ausstieg Griechenlands aus dem Eurosystem vonstatten gehen? Ein Rausschmiss aus der Eurozone ist im Moment rechtlich nach den gültigen Verträgen nicht möglich, es sei denn man entzieht Hellas das Stimmrecht. Aber selbst in diesem Falle ist nicht sicher, dass die anderen Wackelkandidaten dem Rausschmiss zustimmen würden, denn sie können ja an einer Hand abzählen, dass sie dann selbst die nächsten Rausschmisskandidaten würden.

Ein freiwilliger Ausstieg ist dagegen natürlich möglich aber nicht sehr wahrscheinlich, da der Euro im griechischen Volk und bei den griechischen Politikern nach wie vor beliebt scheint. Die EU könnte natürlich auch den Griechen einen goldenen Handschlag anbieten nach dem Motto: „Ihr steigt aus und wir finanzieren Euren Umstieg auf die neue nationale Währung inklusive eines massiven Investitionsprogramms.“ Das würde allerdings die Einsicht der Eurokraten voraussetzen, dass ein Ausstieg aus dem Euroraum sinnvoller ist als ein Verbleib innerhalb dieses politischen Projekts, das man nunmehr zurecht als vollkommen gescheitert ansehen muss.

Am wahrscheinlichsten erscheint da, eine ganz andere Variante des Ausstiegs, bei der die Euroblockflöten die Schuld ™ für das Unvermeidliche bequem den Griechen unterschieben können. Das könnte dann ungefähr so oder so ähnlich ablaufen:

Die nächste griechische Regierung wird von der EU eine Neuverhandlung der Bedingungen für die monetäre Alimentierung verlangen – lustigerweise wollen je jetzt nicht nur die pösen Linksradikalen von der Syriza sondern auch die bisher systemtreuen Neudemokraten wesentliche Teile des Sozialraubbaus wieder rückgängig machen. Die Troika wird und muss letztendlich alle Anfragen nach Lockerungen der Daumenschrauben mit Hinweis auf die gültigen Verträge abblocken und daraufhin wird die griechische Regierung unabgestimmt die sogenannten Sparmaßnahmen aufweichen, was für die Troika als Vertragsbruch angesehen werden wird und daraufhin die Auszahlung der nächsten Rate gestoppt wird. Anschließend werden die Griechen in ihrer Geldnot einfach die Notenpresse anwerfen und munter Euros drucken, was dann die EZB unter Hinweis auf die gültigen Verträge verbieten wird. Denn mit dem Anwerfen der Euro-Geld-Druckmaschine würde Griechenland gegen den vereinbarten Banknoten-Verteilungsschlüssel verstoßen. Da die Griechen aber sowieso bereits gegen sämtliche Verträge verstoßen, wird sie das zusätzlich recht wenig kümmern. Als letzten Ausweg der EZB zur Verhinderung einer permanenten griechischen Euro-Schwemme wird diese dann die Akzeptanz der griechischen Münzen und Noten sowie der inländisch-griechischen Bankguthaben widerrufen. Das wäre dann faktisch gleichbedeutend mit einem Rausschmiss Griechenlands durch die Hintertür. [Bevor sich jetzt jemand extra die Mühe macht, zu kommentieren, dass ein solches Verfahren ja juristisch und  technisch nicht ginge, hier nur kurz der Hinweis, dass juristisch die EZB-Verträge relativ zügig änderbar sind und die banktechnische Abwicklung ein Kinderspiel ist. 😉 ]

Eine andere Alternative wäre natürlich auch, dass die Nordeuroländer ihrerseits aus dem Euroraum aussteigen, entweder dann in einem sogenannten Nordeuro vereinigt oder aber jeweils einzeln wieder mit der Einführung von eigenständigen nationalen Währungen. Wie eine Währungsreform ablaufen könnte steht hier.

Aber eines ist sicher. Wie auch immer dieses Drama ausgeht, die BRD wird am Ende für die bislang aufgetürmten 600 Mrd € als der Zahlmeister für dieses politische Abenteuer geradestehen müssen.

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Comments
10 Responses to “Eurokrise – Endspiel um den Euro”
  1. aloa5 sagt:

    Ich denke das siehst Du etwas dramatisch.

    Die MwSt-Anhebung in Spanien ist überfällig, hätte schon lange erfolgen müssen. Das der IWF erst jetzt mit so etwas kommt ist….. bezeichnend. Wir hatten das schon vor Monaten für GR erklärt und festgestellt.

    Es gibt i.d.R. noch Zwischentüren. Und diese wird man nutzen. Man darf gespannt sein inwiefern hier womöglich einmal tatsächlich und wie bei der MwSt erst viel zu spät einmal das getan wird was von Beginn an erforderlich gewesen wäre.

    Grüße
    ALOA

  2. der andere Andreas sagt:

    um mal den homo oeconomicus heraushängen zu lassen: wird es denn dem sozialversicherungspflichtigen arbeiter und angestellten in der brd ohne den euro sprunghaft besser gehen? wird dann die riesterrente wieder abgeschafft? oder bekommt man aufs sparbuch zinsen deutlich über der teuerungsrate? flächendenkende tarifverträge? oder wenigstens nen chef der einen erst nach dem mittag anbrüllt?

    kurzum abschätzungen für die mikroökonomik???

    heißt ja nicht, dass man nochmal 10jahre fünfe gerade sein lassen soll aber warum soll sich der kleine steuerfachangestellte eigentlich noch nen kopf machen…? ;P

    • andena17 sagt:

      Um mal eine realistisch-ernüchternde Antwort zu geben: „Nein, dem kleinen Steuerfachangestellten wird es nach einer Rückkehr zur Deutschen Mark nicht besser gehen.“ Und das aus Gründen.

      Das Eurosystem fußt im Moment darauf, dass auf Deuvel komm raus die zur Verfügung gestellte Geldmenge erhöht wird, um das Platzen der monetären Blase nach Möglichkeit so lange wie möglich herauszuzögern. Im Prinzip finanziert unsere Zentralbank derzeit einen Exportüberschuss, der zu einem Teil von den Empfängerländern nicht mehr bezahlt werden kann – weder heute noch Morgen. Das geht so lange gut, wie sich genug Leute finden, die bereit sind Staatsanleihen der BRD zu zeichnen, sollte es hier einmal einen Einbruch geben, dann fliegt uns das komplette exportorientierte Wachstumsmodell um die ungewaschenen Ohren.

      Bei einer Rückkehr zur DM würde sich die Wirtschaft in der BRD deutlich abkühlen bzw realistischerweise von der derzeitigen Überhitzungsphase wieder auf Normalmaß zurückkommen und damit einhergehend werden notgedrungen Überkapazitäten abgebaut werden und die Arbeitslosenquote steigen müssen.

      Faktisch befinden wir uns gegenwärtig in einer Loose-loose-Situation, in der die BRD und deren Wirtschaft nur verlieren kann, sowohl mit einem festhalten an einem für die bundesdeutsche Volkswirtschaft unterbewerteten Euro als auch mit einem wieder Ausgleichen der Wechselkurse auf einen realistischen realwirtschaftlichen Wert.

      • der andere Andreas sagt:

        na das ist doch wenigstens mal ne aussage! zumindest wohl so differnziert, dass man sie nicht in oben betitelten qualitätsmedien finden wird… 😛

        • aloa5 sagt:

          Deutschland hatte bereits vor dem Euro über 60Mrd an Exportüberschüssen. Grundprobleme welche bereits vor dem Euro bestanden haben werden auch nicht beseitigt sein nur weil der Euro fehlt.

          Grüße
          ALOA

          • andena17 sagt:

            Die Exportüberschüsse sind ja auch nicht das Problem (TM), sondern dass die Importländer am südlichen Rand der Eurozone ihre Importe nicht mehr bezahlen werden können. Die privatrechtlichen Exportkreditversicherung versichern bereits (wegen das Ausfallrisikos) keine Exporte mehr nach Griechenland. An deren Stelle werden staatliche Bürgschaften treten – das Risiko wird so auf den Steuerzahler abgewälzt. Im Prinzip baut die BRD mit dem fortgesetzten Export nach Griechenland munter einen Stapel von zweifelhaften Forderungen auf. Neben den ungedeckten Target2-Salden und den Rettungsschirm-Milliarden ein weiterer Sargnagel für das Eurosystem.

  3. Lieber Otmar,

    ich muss Dir in dieser Sache recht geben und andena17 leider Unrecht.

    Du hast in Deinem Kommentar am 20. Juni festgestellt: „Deutschland hatte bereits vor dem Euro über 60Mrd an Exportüberschüssen. Grundprobleme welche bereits vor dem Euro bestanden haben werden auch nicht beseitigt sein nur weil der Euro fehlt“.

    Das sehe ich auch wie Du, aber nur mit einer anderen Gewichtung. Natürlich hatte Deutschland auch vor der Einführung des Euro schon Exportüberschüsse. Allerdings sind die Gefahren einer aggressiven und rein wettbewerbsorientierten Exportpolitik (und genau die verfolgt Deutschland zunehmend seit Anfang der 90er-Jahre) im Rahmen einer gemeinsamen Währung noch viel gefährlicher.

    Warum? Weil die schwächeren Länder (zur Zeit konkret vor allem die südeuropäischen PIIGS-Staaten oder Peripherieländer) in dieser Situation der export- und wettbewerbstechnischen Unterlegenheit gegenüber Deutschland nicht abwerten können (was die normale finanztechnische Reaktion auf so ein Dilemma wäre).

    Das heisst, wenn in einem gemeinsamen Währungsraum ein Land die schwächeren Länder „niederkonkurriert“, kommen diese schwächeren Länder in eine praktisch auswegslose Lage.
    I
    nsofern hat andena17 Unrecht, wenn er behauptet: „Die Exportüberschüsse sind ja auch nicht das Problem (TM), sondern dass die Importländer am südlichen Rand der Eurozone ihre Importe nicht mehr bezahlen werden können“. Das ist falsch.

    Die Exportüberschüsse Deutschland sind das eigentliche Problem und die zunehmende Zahlungsunfähigkeit der südeuropäischen PIIGS-Staaten oder Peripherieländer die Folge davon.

    Wer das alles sehr schön und öfters erklärt hat, ist Heiner Flassbeck.

    Hier habt ihr als PDF einen Beitrag von Heiner Flassbeck mit dem Titel: „Beitrag von Heiner Flassbeck im Hamburger Abendblatt, 29. November 2011: Wer im Glashaus sitzt…“.
    Diesen Beitrag gibt es als PDF im Netz:

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/111130_wer_im_glashaus_sitzt.pdf

    Und in diesem intelligenten Beitrag stellt Heiner Flassbeck fest: „In den vergangenen Wochen wurde von den meisten deutschen Medien, insbesondere den elektronischen, wieder einmal eine entscheidende Weichenstellung in der Eurokrise weitgehend übersehen. Das war aber nicht weiter schlimm, weil die gleichen Medien auch die ganze Vorgeschichte dem deutschen Publikum schon erspart hatten, und der deutsche Bürger folglich sowieso nicht verstanden hätte, worum es geht. In Brüssel wurde nämlich schon eine Weile nicht nur die Defizite der Staatshaushalte als Problem diskutiert, sondern auch die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen, wobei Deutschland mit seinem extrem hohen Überschuss der Exporte über die Importe eine entscheidende, aber keineswegs positive Rolle spielte.

    In der Frage, wie man mit solchen Ungleichgewichten umgeht, hat Deutschland Anfang November 2011 nun seine Machtpolitik auf die Spitze getrieben. Nicht nur, dass man in Europa deutsch spricht, am deutschen Wesen soll jetzt ganz Europa genesen. Deutschland verlangt von der EU Kommission allen Ernstes, dass sie bei der Beurteilung von makroökonomischen Ungleichgewichten auf die kritische Evaluierung von Überschussländern verzichtet. Die Begründung dafür ist im Kern die Aussage, es könne ja kein wirtschaftspolitischer Fehler sein, wenn ein Land seine Wettbewerbsfähigkeit verbessere, man habe sich ja schließlich in der sogenannten Lissabon-Strategie darauf geeinigt, die Wettbewerbsfähigkeit ganz Europas zu
    verbessern.

    Das ist der Grundstein zum Grabstein des Euro. Das ist nämlich schon deswegen falsch, weil man die Verhältnisse zwischen Ländern mit eigener Währung nicht einfach auf das Verhältnis von Ländern mit einer gemeinsamen Währung übertragen kann. Es ist aber ganz fundamental falsch, weil Wettbewerbsfähigkeit immer ein relatives Konzept ist. Man kann seine Wettbewerbsfähigkeit immer nur zu Lasten eines anderen verbessern. Dass das stimmt, kann man ganz einfach daran feststellen, dass kein vernunftbegabter Mensch die Aussage für sinnvoll hielte, die Welt müsse ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Folglich ist der
    Gewinn des einen an Wettbewerbsfähigkeit der Verlust eines anderen, und je enger der Verbund der beiden im Handelsaustausch, umso unbestreitbarer ist das.

    Und Heiner Flassbecks Fazit in diesem Beitrag: „Wer einen Wettbewerb gewonnen hat, der unter unklaren und sich widersprechenden Regeln stattfand, sollte mit seinem Freudentaumel und mit Kritik am Gegner vorsichtig sein. Wer aber nach dem Spiel einfach festlegt, der Gewinner habe alles richtig gemacht, weil er ja der Gewinner ist, zerstört die Grundlagen für
    zukünftiges gemeinsames Handeln und des gegenseitigen Handels, weil er das Minimum an Fairness, das edes kooperative Verhalten voraussetzt, mit Füßen tritt. Für Europa kann ein solches Verhalten des größten andes nur zu vollständiger Desintegration führen. Weil man den Verlierern keine Chance gibt, jemals Gewinner zu sein, müssen sie früher oder später aus der Eurozone ausscheiden. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland wiederzugewinnen, werden ihre neuen Währungen drastisch abwerten, und sie werden Überschüsse im Außenhandel erzielen. Deutschland wird dann seine Wettbewerbsfähigkeit und seine Überschüsse über Nacht verlieren – mit fürchterlichen Konsequenzen für seine mittlerweile extrem exportabhängige Wirtschaft. Die vormaligen Verlierer aber werden sagen, das war
    es doch, was du wolltest, nun sind wir wettbewerbsfähig und bauen unsere Verschuldung ab“.

    Tja, ich glaube genau so wird die Sache enden, wenn Deutschland (vor allem Angela Merkel und Wolfgang Schäuble) nicht auf Kooperation und Solidarität umschalten.

    Hier nochmals der Link zu diesem intelligenten Beitrag von Heiner Flassbeck:

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/111130_wer_im_glashaus_sitzt.pdf

    Einen guten Kommentar zu diesem Beitrag von Heiner Flassbeck mit dem Titel „Die Deutschen ticken dramatisch falsch – darauf macht wieder einmal Heiner Flassbeck aufmerksam“
    hat Albrecht Müller am 30. November 2011 verfasst.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=11481

    Mit den „Deutschen“ gemeint ist die Bundesregierung und die dogmatisch neoliberal eingefärbte Mehrheit der Meinungsführer in Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Die Dogmatik dieser Kreise kann ausgesprochen gefährlich für uns werden. Das skizziert Heiner Flassbeck im folgenden Beitrag für das Hamburger Abendblatt [PDF – 69.2 KB]. Der Text ist gut nutzbar zur Verbreitung über Ihren persönlichen Email-Verteiler. Es lohnt sich. Heiner Flassbeck sagte mir gerade am Telefon, seine Leser und Zuhörer würden zunehmend aufgeschlossen, er habe letzthin in Frankfurt einen großen Kreis von Bankern nachdenklich gestimmt. Das ist möglich, weil die herrschende Lehre nur noch Dogmen verbreitet. – Ich ergänze seinen Text, weil er meines Erachtens an einem Punkt unnötig defensiv ist. Er bezeichnet die deutsche Seite als „Gewinner“. Das sind wir schon lange nicht mehr.

    Zunächst noch eine Anmerkung zur Dogmatik:

    Die Vertreter der herrschenden Lehre verhalten sich wie kommunistische Kader

    Sie predigen ihre angelernten Glaubenssätze: Sparen ist gut. Exportüberschüsse sind gut. Die Stagnation der Löhne ist gut. Wir haben es mit einer Staatsschuldenkrise zu tun. Die Schuldnerländer müssen reformieren. Usw.

    Die große Problematik, die daraus folgt, dass sich die Lohnstückkosten in einzelnen Euro Ländern und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit diametral auseinander entwickelt haben, wird nicht gesehen und/oder verschwiegen. Selbst die Wirtschaftsteile großer Blätter wie der Süddeutschen Zeitung verschließen die Augen vor dieser Problematik, obwohl diese ungemein gefährlich werden kann. Sie verschließen auch die Augen vor den Folgen eines Auseinanderbrechens des Euro.

    Woher dieser uneinsichtige Dogmatismus kommt, kann ich nicht verstehen. Sind diese Menschen alle falsch geschult? Sind sie psychisch seltsam veranlagt, fühlen sie sich nur wohl in der Nestwärme eines Kaders? Ist für sie eigenständiges Denken von Natur aus blockiert? Oder steckt hinter der Ignoranz bei manchen das zynische Kalkül, dass die verfolgte Schockstrategie manchem ihrer Freunde wieder ein neues Feld für Spekulationsgeschäfte und den Raub von Vermögen eröffnet? Die Politik und Wissenschaft als Sekundanten internationaler Schnäppchenjäger? Oder handeln sie im Interesse und Auftrag jener, die ein großes Interesse am Scheitern der kontinentaleuropäischen Einigung haben? – Verschwörungstheoretiker! Das Etikett kenne ich und dennoch wird man angesichts der dramatischen Situation alle notwendigen Fragen stellen müssen.

    Nun noch die Ergänzung zu Heiner Flassbecks Anmerkungen über die „Gewinner“ der jetzigen gefährlichen Entwicklung: Er schreibt in seinem Beitrag:„Wer aber nach dem Spiel einfach festlegt, der Gewinner habe alles richtig gemacht, weil er ja der Gewinner ist, zerstört die Grundlagen für zukünftiges gemeinsames Handeln und des gegenseitigen Handels, weil er das Minimum an Fairness, das jedes kooperative Verhalten voraussetzt, mit Füßen tritt.“
    Ich störe mich nur an der darin enthaltenen Wertung, die Deutschen und die deutsche Volkswirtschaft seien die Gewinner der jetzigen Entwicklung mit hohen und andauernden Leistungsbilanzüberschüssen. Wer auf Dauer Leistungsbilanzüberschüsse hat und auf diese Weise Forderungen gegenüber anderen Volkswirtschaften ansammelt ist kein Gewinner.

    Tja, so sehe ich das auch.Gewinner bleibt man mit dieser Strategie langfristig nicht. Denn am Ende krachen der Euro und die Eurozone dann einfach auseinander und Deutschland bleibt auf seinen Forderungen gegenüber den südeuropäischen PIIGS-Staaten einfach sitzen.

    Am Ende hat dann auch Deutschland bei dieser Sache einfach verloren.

    Gut, soweit also zu den Handelsungleichgewichten in der Eurozone, die in erster Linie von Deutschland verursacht werden.

    Siehe zum Thema Handelsungleichgewichte in Europa auch den Beitrag von FTD vom 21. Dezember 2011 mit dem Titel „Europas Unwucht aus Deutschland“:

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:export-europas-unwucht-aus-deutschland/60145777.html

    In diesem Artikel erfahren wir: „Es braucht immer zwei zum Tangotanzen, hat die Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde einmal mit kritischem Blick auf die großen Exportüberschüsse Deutschlands gesagt. Seither sind die europäischen Handelsungleichgewichte ein Dauerstreitthema in Brüssel. Das Ifo-Institut hat exklusiv für die FTD berechnet, wie sich Deutschlands Handelsbilanzen mit den anderen EU-Ländern 2011 entwickelt haben. Das Ergebnis: Vom geforderten Abbau der Ungleichgewichte fehlt jede Spur – wie schon 2010 verbuchen 20 der 27 EU-Länder ein Defizit mit Deutschland.

    Was die einen als Ausdruck der Wirtschaftskraft Deutschlands sehen, ist für die anderen eine zentrale Ursache der Euro-Krise. Denn die großen Überschüsse gehen einher mit hohen Forderungen gegenüber den weniger wettbewerbsfähigen Abnehmerländern. Spiegelbildlich verschlechtern die Defizite der Importeure deren Bonität am Anleihemarkt und erhöhen auf Dauer damit die Gefahr eines Bankrotts. Für Harvard-Ökonom Dani Rodrik sind die Ungleichgewichte sogar die Essenz der Euro-Krise: „Diese Ungleichgewichte sind eine Quelle enormer Instabilität für das europäische Währungssystem.“

    Tja, so sehe ich das auch. Insofern muss ich Dir, lieber Otmar, recht gegen und andena17 scheint das Problem nicht in seiner eigentlichen Tragweite zu verstehen und reduziert das Problem auf das Endergebnis dieser Entwicklung in Sachen Handelsungleichgewichte, die drohende Zahlungsunfähigkeit von Ländern wie Griechenland, die sowieso seit Beginn des Euros und der Eurozone Jahr um Jahr massive Handelsbilanzdefizite aufgebaut haben, bis sie dann von ihrer daraus resultierenden Schuldenproblematik überrollt wurden.

    Schaut Dir mal hierzu in statista.com das Handelsbilanzsaldo von Griechenland von 2001 bis 2011 an. Die Graphik (oder Chart) spricht eine klare Sprache.

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/15615/umfrage/handelsbilanz-von-griechenland/

    Insofern war im Fall von Griechenland seit Beginn des Euro und der Eurozone (1999) klar, wie die Sache enden würde: In einer massiven Verschuldungsproblematik.

    Und die Austeritätspolitik Deutschlands und der Brüsseler Troika war die Antwort auf diese Verschuldungsproblematik und hat Griechenland dann in eine tödliche „Todesspirale“ reingezwungen.

    Siehe hierzu den Beitrag von Nils Kadritzke vom September 2011 in den „Nachdenkseiten“ mit dem Titel „Griechenland in der „Todesspirale““

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10692

    Nils Kadritzke stellt hier fest: „Die Aufregung über die schlechten Nachrichten aus Athen ist verständlich und unverständlich zugleich. Verständlich, weil die Tatsache, dass Griechenland seine Sparziele für 2011 nicht erreichen kann, das von der EU am 21. Juli beschlossene Rettungspaket gefährdet. In der griechischen Staatskasse 2011 dürften Ende des Jahres knapp 4 Milliarden Euro fehlen. Damit droht nicht nur der erste „ungeordnete“ Staatsbankrott eines Eurolandes, sondern auch ein Szenario, das die Fortexistenz der Eurozone in ihrer bisherigen Form gefährdet.

    Unverständlich ist die Aufregung über diese Entwicklung deshalb, weil sie keineswegs überraschend kommt. Dass ein wachstumsfeindliches Programm, das die Massenkaufkraft der Gesellschaft schlagartig um ein Viertel beschneidet, die wirtschaftliche Depression des Landes noch verstärken muss, lag von Anfang an, also seit dem Frühjahr 2010 klar auf der Hand.

    Ebenso klar war, dass ein verschärftes Minuswachstum des BIP die Steuereinnahmen mindern und damit Sparziele selbst unterminieren muss. Niemand sollte sich also über das Scheitern des von Anfang an über-ehrgeizigen und danach noch mehrfach verschärften „Anpassungsprogramms“ wundern – zuallerletzt die „Troika“ (EU-Kommission, EZB und IWF), die Griechenland in dieses „Prokrustes-Bett“ hinein gezwungen hat.

    Überraschend ist allenfalls, dass die griechischen Wirtschaftsdaten für das erste Halbjahr 2011 noch schlechter ausfielen, als selbst realistische Ökonomen angenommen hatten. Das BIP schrumpfte um schockierende 7, 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (im ersten Quartal sogar um 8,1 Prozent). Für das zweite Halbjahr 2011 sind zwar bessere Zahlen zu erwarten – nicht zuletzt wegen der sommerlichen Einnahmen aus dem Tourismus (dazu unten mehr). Aber für das Gesamtjahr 2011 kalkuliert selbst Finanzminister Venizelos offiziell mit einem Minuswachstum von mindestens 5 Prozent“.

    Tja, das waren die Ergebnisse des Schockprogramms, das von der Brüsseler „Troika“ (EU-Kommission, EZB und IWF) den Griechen verordnet wurde.

    Gut, lieber Otmar, Dir noch eine schöne Zeit, Dein

    Klaus Gauger

    • andena17 sagt:

      Hallo Klaus,

      die Bewertung der Exportüberschüsse der BRD müssen wir ein bisserl differenzieren. Aus Sicht einer Exportnation stellen Exporte (die bezahlt werden) grundsätzlich kein Problem dar. Darüber hinaus stellen Exportüberschüsse eines Staates in einem Währungssystem mit variablen Wechselkursen auch kein Problem dar.

      Die Probleme fangen da an, wo ein Staat (hier: die BRD) innerhalb eines Systems fester Wechselkurse oder innerhalb eines gemeinsamen Währungsverbunds permanente Exporüberschüsse erzielt und damit anderen Staaten im Verbund permanent Handelsbilanzdefizite beschert. Mittelfristig führt diese Konstellation zur Überschuldung der Importnation und hierdurch bedigt zu Zahlungsausfällen für die Exportnation.

      Das Hauptproblem ™ liegt hier in der Fixierung von Wechselkursen ohne gleichzeitig ein Tranfersystem zu installieren, was die Geldabflüsse aus der einen Region in eine andere wieder ausgleicht.

      Gruß, Andena

      • Klaus Gauger sagt:

        Lieber Andena17,

        aber genau das, was Du hier sagst, habe ich doch selbst in meinem Beitrag so gesagt und behauptet. Du hast völlig Recht. Die Sache wird dann brenzlig, wenn eine Nation innerhalb eines Systems fester Wechselkurse oder innerhalb eines gemeinsamen Währungsverbunds permanente Exporüberschüsse erzielt. Ich sehe das genau so. Und wenn man nicht gleichzeitig ein Tranfersystem installiert, das die Geldabflüsse aus der einen Region in eine andere wieder ausgleicht, dann sind die importierenden Nationen irgendwann einmal überschuldet (=Staatsschuldenkrise). Genau das ist in der Eurozone passiert. Der „Exportweltmeister“ Deutschland hat exportiert, und die wirtschaftsschwachen südeuropäischen PIIGS-Staaten haben importiert und Jahr um Jahr ein Handelsbilanzdefizit hingelegt. Hätten alle Länder noch ihre eigene Währung (wie vor 1999), dann könnten die südeuropäischen PIIGS-Staaten jederzeit abwerten und würden so wieder konkurrenzfähiger werden. Und die D-Mark würde die reale Stärke Deutschlands widerspiegeln (Der aktuelle Euro spiegelt die gesamte Eurozone wieder. Im Klartext: Für Deutschland ist der Euro eigentlich „unterbewertet“, für die südeuropäischen PIIGS-Staaten ist er „überbewertet“). Kurz: Wir sind beide völlig einer Meinung und das, was Du hier sagst, habe ich etwas aufwendiger und vielleicht auch etwas komplizierter und weniger klar selbst in meinem Beitrag so behauptet. Wir sind uns also völlig einer Meinung.

        Dir noch eine gute Zeit,

        Dein

        Klaus Gauger

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