Exportstabilität, Griechen und Deutsche im Verlaufe des globalen Wettbewerbs

Wenn darüber gesprochen wird das die GIPS-Staaten nicht mehr „wettbewerbsfähig“ sind wird pauschaliert. Letztens auf einem öffentlich-rechtlichen Sender eine Sendung gesehen wo erklärt wurde die Griechen müssten abwerten um mit den Preisen der konkurrierenden Urlaubsregion Türkei mithalten zu können. Abwerten bedeutet in diesem Falle einfach weniger verlangen. Da kommt die Frage auf welche Länder (oder Deutsche Urlaubsregionen?) dann abwerten müssten um mit den chinesischen Löhnen mithalten zu können — und wie das die Antwort auf unsere Probleme darstellen soll. Es wird ja am Ende darum gehen einheitlichere Einkommens- und Lebensverhältnisse zu schaffen wenn man sich innerhalb eines Währungsraumes befindet. Eine mögliche Lösung für das Problem der Kosten für den Tourismus in Griechenland können Steuerbefreiungen oder Zuschüsse sein welche man wiederum an Kontrollen und damit eine fiskalische Komponente binden könnte.

Ich habe mir aber dessen ungeachtet die Veränderung der Verhältnisse bei den Exportwaren angesehen. Einmal für Griechenland und einmal für Deutschland. In der nachfolgenden Aufstellung sind die ersten rd. 20-30 Positionen nach Exportanteil aufgelistet im Vergleich zwischen den Jahren 2000 und 2010. Große Veränderungen sind grün (bei neg. Entwicklung) oder rot (neg. Entwicklung) markiert. Solche Veränderungen, wenn sie zahlreich auftreten, bedeuten das sich Strukturen und/oder die Bedingungen erheblich geändert haben.

Bemerkenswert ist dabei weniger das grün dargestellte als das was nicht mehr exportiert wird (rot). Neben Telefonen betrifft das die Textilindustrie. Von einem Wert von fast 1,2 Mrd (USD 2000) auf rd. 0,5Mrd (USD 2010) – von 10% Exportanteil auf nur noch 2% geschrumpft stellt einen Einschnitt dar. Als Grund wird man m.E. leicht beim Euro und Chinas konkurrenzlos günstiger Textilindustrie fündig werden. Der Hauptabnehmer z.B. bei den T-Shirts war im übrigen jew. Deutschland mit rd. 40%. Anhand der Entwicklung bei einem Gut, den T-shirts, kann man auch sehen das es keine rein krisenbedingte Entwicklung war. Von 420mio (2000) über 404mio (2005) und dann im Jahr 2006 345mio. Übrig sind davon 2010 gerade einmal 188mio.

Man könnte konstantieren das die griechische Wirtschaft nicht auf die „plötzliche Globalisierung“ eingestellt war. In Deutschland war das ein schleichender Prozess über viele Jahre verteilt, wobei wir schon länger nicht mehr diese Waren produzieren bzw. auch nicht zu diesen Anteilen produziert haben. Inwiefern Deutschlands Exportindustrie insofern stabiler ist sieht man anhand der Daten für diese Beiden Jahre im Vergleich:

Erstaunliche (durchgehende) Steigerungen was die Werte angeht und deutlich sichtbar die Übereinstimmungenauf bei den Warengruppen. In Deutschland ist keine tragende Säule weggefallen.

Die Frage stellt sich wie in anderen Ländern auch: was sollen die Griechen herstellen. Ohne Abwertung kann es weder mit der Chinesischen Textilproduktion noch mit Türkischen Urlauberpreisen mithalten…. und ohne erheblich mehr Produktiv-Kapitalausstattung und Abnehmern ist Produktion von Waren ähnlich Deutschland nicht zu denken. Ich hatte schon anhand Spaniens erklärt das andere Länder gewissermaßen zwischen China und Deutschland zerrieben werden. So lange diese Länder die extremen Optimierungen in der Fertigung darstellen (Kapitalintensiv oder Arbeitsintensiv) und gewissermaßen den Ertrag nicht ausreichend ausgeben sondern via Handelsüberschuss bei sich behalten wird es aller Voraussicht nach nicht ohne weiteres möglich sein das aufzulösen. Dann bleibt nämlich anstelle von Auftrieb durch Konsum nur das Schulden machen.

Also stelle ich (anderen) die Frage ob denn Griechen und Spanier die Chinesen geben sollen als „Lösung“ des Produktions-Dilemmas… wenn es denn nicht der Konsum richten soll.

Quelle der Tabellen/Daten:

The Observatory of Economic complexity (Alexander Simoes) / CC BY-SA 3.0

Advertisements
Comments
6 Responses to “Exportstabilität, Griechen und Deutsche im Verlaufe des globalen Wettbewerbs”
  1. PotzBlitzDonner sagt:

    Ich hab die Frage nicht verstanden ich hätte aber auch eine, was wäre den von einem wie folgt erklärten zusätzlichem Instrument zu halten: die EU Länder erheben eine Exportsteuer auf Güter die nach Griechenland exportiert werden. Diese Einnahmen könnte man dann Grichenland zu Verfügung stellen um z.B. deren Schulden zu bedienen ?

    • aloa5 sagt:

      Das würde bedeuten den freien Warenverkehr wieder einzuschränken und Grenzen wieder zu bewachen. Wenn wäre es so oder so nur sinnvoll eine Importsteuer in Griechenland einzuführen (sonst würden ja Drittländer begünstigt).

  2. Lieber Otmar,

    auch diesen Artikel fand ich übrigens hervorragend. Du hast Recht: Die Südeuropäer können natürlich nicht mit Deutschland mithalten, können aber ihre Löhne natürlich nicht auf das Niveau Chinas absenken, das wäre absurd. Insofern werden die südeuropäischen Länder, genau wie Du sagst, zwischen Deutschland und China „zerrieben“, beides übrigens Länder, die mit zweifelhaften Methoden eine aggressive Exportpolitik betreiben, die zu massiven Handelsungleichgewichten führt.

    Ich zitiere nochmals Deine Kerneinsicht in die Problematik:

    „Die Frage stellt sich wie in anderen Ländern auch: was sollen die Griechen herstellen. Ohne Abwertung kann es weder mit der Chinesischen Textilproduktion noch mit Türkischen Urlauberpreisen mithalten…. und ohne erheblich mehr Produktiv-Kapitalausstattung und Abnehmern ist Produktion von Waren ähnlich Deutschland nicht zu denken. Ich hatte schon anhand Spaniens erklärt das andere Länder gewissermaßen zwischen China und Deutschland zerrieben werden. So lange diese Länder die extremen Optimierungen in der Fertigung darstellen (Kapitalintensiv oder Arbeitsintensiv) und gewissermaßen den Ertrag nicht ausreichend ausgeben sondern via Handelsüberschuss bei sich behalten wird es aller Voraussicht nach nicht ohne weiteres möglich sein das aufzulösen. Dann bleibt nämlich anstelle von Auftrieb durch Konsum nur das Schulden machen“.

    Und Du hast völlig Recht, abwerten können diese südeuropäischen Länder nicht, was die einzige „finanztechnische Möglichkeit“ wäre, wieder für etwas mehr Chancengleichheit zwischen den südeuropäischen Ländern und Deutschland zu sorgen.

    Zu den Handelsungleichgewichten im Fall von Deutschland und China siehe nicht zuletzt den Artikel von Paul Krugman: Dealing with Chermany (China + Germany)

    http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/06/11/dealing-with-chermany/

    Also wieder ein sehr guter Artikel von Dir. Sieh zu, dass Du an die „Spitze“ der Piratenpartei kommst. Die brauchen Dich. Wenn Leute wie Du an die Spitze der Piratenpartei kommen, hat diese Partei grosse Chancen. Das Internet ist definitiv die mediale Zukunft.

    Bis dann, Dein

    Klaus

  3. PotzBlitzDonner sagt:

    Warum ist zum Beispiel nicht dieser Weg denkbar, die griechische Regierung lässt an einem bestimmten Tag verlauten, das bis auf weiteres erstmal keine Preiserhöhungen mehr gemacht werden dürfen. Dann wird zu einem etwas späteren Stichtag festgelegt das alle Gehälter, Wahren Dienstleitungen, Grundstücke, Mieten usw. praktisch zur Hälfte (ist nur ein Beispiel kann auch ein anderer Wert sein) reduziert wird. Mit Ausnahme der Güter die Importiert werden oder einen Importierten Anteil haben. Beispiel werden Bananen zu 50 Cent importiert und für 1 Euro verkauft, dann ist der neue Verkaufspreis 75 Cent. Weil der Importpreis erstmal nicht reduziert werden kann. Nach einer gewissen Zeit wird die Preisbindung wieder aufgehoben. Natürlich musste das mit einem weiteren Schuldenerlass einher gehen weil diese sonst gar nicht mehr bezahlt werden könnten.
    Aber Griechenland wäre mit einem Schlag wieder Wettbewerbsfähiger, es würden eher inländische Produkte nachgefragt werden und Griechenland könnte günstiger Exportieren.

    Ich überlege mir ob man vielleicht so weit gehen könnte oder sogar muß gleichzeitig noch Bargeldabhebungen von den Banken auf ein minimum zu reduzieren und dann entsprechend auch die Geldmenge auf den Banken zu halbieren, einschliesslich der Schulden (Hypotheken usw. keine Auslandsschulden). Wenn die Forderungen geringer sind als die Guthaben, dann kann auch die resultierende Geldmenge der Griechischen Regierung zum Abbau ihrer Schulden zur Verfügung gestellt werden. Für Auslandsvermögen wird eine einmalige Sondersteuer erhoben wenn dies rechtlich möglich ist.

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] libri logicorum: Exportstabilität, Griechen und Deutsche im Verlaufe des globalen Wettbewerbs […]

  2. […] Wer den Blog längere Zeit verfolgt hat letztes Jahr einen Blogbeitrag mit deren Entwicklung lesen können. So wie den Deutschen die fehlende Aufwertung geholfen hat, hat den Griechen die fehlende […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: