Was direkte Bankenhilfen durch den ESM für die Staaten bedeutet

Banken sind bekanntlich an allem Schuld, der ESM furchbar etc. pp.. Das allseits bekannte pro/contra lassen wir hier wie üblich beiseite und betrachten uns etwas anderes.

Die FTD schreibt:

Wenn die neue Aufsicht steht, sollen die Aufgaben des ESM erweitert werden. Der Stabilitätsmechanismus darf dann selbst einzelne Banken rekapitalisieren und muss nicht – wie derzeit im Fall der spanischen Banken – über den Staat beziehungsweise einen staatlichen Fonds gehen. Für das betreffende Land hat das den Vorteil, dass die Kredite oder Kapitalspritzen nicht auf die Staatsschuld angerechnet werden.

Das wird nur kurz erwähnt – die Wirkung ist aber wohl nicht zu unterschätzen. Betrachtet man sich die Regeln des Fiskalpaktes bedeutet es zwei Dinge:

A) Es ist eine unheimliche Erleichterung für die Problemstaaten. Die Einhaltung der Kriterien des Fiskalpaktes bezüglich der Schulden-zu-BIP-Relation ist bei schrumpfender Wirtschaft (Reduktion Staatsdefizit) schon so eine schiere Unmöglichkeit. Wenn man auch noch potentiell „systemrelevante Banken“ retten muss (aus welchem Grund auch immer) hat man ein ernsthaftes Problem.

B) Das Volumen der in Anspruch genommenen Gelder wird steigen. Im Regelfall hätten aufgrund der ESM/Fiskalpakt-Regeln Parlamente/Regierungen in Staaten mit Problemen abwägen müssen zwischen Bankenrettung und Haushaltsplanung. Ein Ausweg wären „kreative Ideen“ gewesen. Dadurch das man nicht mehr abwägen muss wen oder was man fallen lässt steigt vermutlich das Volumen abgerufener Gelder im Verhältnis zur Regelung ohne direkte Hilfen an. Die Relevanz, sprich: den Umfang, ist jedoch nicht so einfach abschätzbar.

Für die Regierungen macht es also durchaus Sinn. Allerdings ist die Frage ob die obigen Punkte noch so viel helfen… denn zuerst muss einmal die Aufsicht funktionieren. Das ganze hat natürlich ein paar Haken. So hängen Bankenhilfen jetzt nicht mehr von Regierungen oder Parlamenten ab sondern können durch den „Willen des ESM“ bewilligt werden. Das läuft dann m.E. analog zur EZB welche auch die Bankenaufsicht führen soll.

Bemerkenswert übrigens die Äußerung des Vorsitzenden des Bundesverbandes der Privatbanken Kemmerer zur Aufsicht durch die EZB:

„Interessenkonflikte zwischen Aufsicht und Geldpolitik drohen – die Politik sollte sich selbst nicht in Versuchung führen, aufsichtlich entdeckte Probleme bei Banken zukünftig mit ,der dicken Bertha Geldpolitik‘ lösen zu wollen“

Der Rückschluss würde ja bedeuten das Probleme lieber unentdeckt bleiben und in Addition irgendwie anders (oder gar nicht?) angegangen werden sollen. Wobei ich grundsätzlich die Skepsis bezüglich Politikern Teile. Komplexe Sachverhalte stellen für i.d.R. fachfremde Politiker regelmäßig ein Problem dar. Häufig wird nach schnell wirksamen Einfachlösungen gegriffen.

Ach ja: Schuldenbremsen, ESM und Fiskalpakt sind auch solche „Einfachlösungen“. Man möchte keine Schulden – also führen wir eine Gesetzmäßigkeit ein welche das einhalten vorschreibt. Die heutigen Politiker haben zwar keinen Plan wie sie das selbst einhalten wollen (und in den USA ist die Anzahl der Erhöhungen zweistellig)…. aber es ist ja eine gute Sache. Wenn Ideale und Wunschdenken Einzug in Gesetze erhält ist das regelmäßig ein Fehlgriff. Mit Realpolitik und realistischer Selbsteinschätzung hat das nichts zu tun. Und nicht umsonst sondern aus Erfahrung fühlt sich der Bürger regelmäßig an der Nase herumgeführt.

Advertisements
Comments
6 Responses to “Was direkte Bankenhilfen durch den ESM für die Staaten bedeutet”
  1. LIeber Otmar,

    das siehst Du völlig richtig. Für die betroffenen Länder wie Spanien ist es ein enormer Vorteil, wenn die Summen für die Bankenrettung in ihrem Land nicht auf die Staatsschulden angerechnet werden. Das war in Spanien der ursprüngliche Plan, den Wolfgang Schäuble gegen den Willen des spanischen Wirtschaftsministers Luis de Guindos durchgedrückt hat, der diese Form der Bankenrettung aus gutem Grund unbedingt vermeiden wollte. Schon die reine Ankündigung, die spanische Bankenrettung auf diese Art durchzuführen, hat sich sofort als kontraproduktiv erwiesen. Schon die reine Ankündigung, eine solche Form der Bankenrettung in Spanien durchzuführen, bei der die Gelder aus dem ESM für die spanischen Banken zu den spanischen Staatsschulden hinzugerechnet werden, hat die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen sofort über die kritische Marke von 7% gejagt (und das bedeutet mittelfristig eigentlich bisher im Fall aller PIIGS-Staaten immer, dass das betreffende Land, in diesem Fall Spanien, komplett unter den Euro-Rettungsschirm muss, mit allen Folgen, die das mit sich bringt, denn Spanien ist die viertgrösste Volkswirtschaft in der Euro-Zone und schleift per Contagion-Effekt Italien hinter sich her (Was Mariano Rajoy und Mario Monti längst begriffen haben, deshalb kämpfen sie gemeinsam gegen „madame non“ Angela Merkel).

    Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos wollte das übrigens genau deswegen schlauerweise verhindern und wollte, dass das Geld aus dem EFSF direkt an die Banken fliesst.

    Wer hat also auf diese schädliche und asoziale Form der spanischen Bankenrettung bestanden? Genau, die deutschen Neoliberalen, unter anderem Wolfgang Schäuble. Allerdings: Wolfgang Schäuble fängt langsam, mich zu beeindrucken. Langsam, aber sicher, lernt er dazu, so mein Gefühl, im Gegensatz zu Angela Merkel.

    Joseph Stiglitz hat diese Art der bisher geplanten spanischen Bankenrettung daher am 6.6. in „Catholic Online“ zurecht als „Voodoo-economics“ bezeichnet. Seht hierzu den Artikel mit dem Titel „Joseph Stiglitz: Spain Bank Bailout ‚voodoo economics'“.

    Joseph Stiglitz bemerkt in diesem Artikel:

    „The system … is the Spanish government bails out Spanish banks, and Spanish banks bail out the Spanish government,“ Stiglitz said.

    The current plan is to lend Spain up to 100 billion euros, the equivalent of $125 billion U.S. dollars, agreed on over the weekend by euro zone finance ministers. The amount was far higher than most estimates of the needs of Spanish banks. The nation has seen the bursting of the real estate bubble, recession and mass unemployment.

    The bailout would also add another 10 percent to Spain’s debt-to-gross domestic product ratio, which was already expected to hit nearly 80 percent at the end of 2012. This could make it more difficult and expensive for the government to sell bonds to international investors.

    In Spain, the real risk is that the government may have to ask for help from the same institutions that it is now planning to help.

    „Its voodoo economics,“ Stiglitz said prior to the announcement of the bailout over the weekend. „It is not going to work and it’s not working.“

    Auch der deutsche Wirtschaftweise Peter Bofinger hat vor dieser Art von bisher geplanten Bankenrettung in Spanien deutlich in einem Interview in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mit dem Titel „Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“ gewarnt.

    Peter Bofinger sagt in diesem Interview wörtlich:

    Herr Bofinger, die Euro-Krise ist zurück. Wie konnte es so weit kommen?

    Angela Merkels Politik ist ein Desaster. Wir sehen das in Spanien und Italien: Die Länder haben sich nun wirklich bemüht, ihr Land zu reformieren und die Sparprogramme umzusetzen. Aber das hat sie in die Rezession getrieben. In Griechenland hat darunter sogar das politische System gelitten. Der Versuch, die Eurokrise durch eine eindimensional auf das Sparen ausgerichtete Strategie zu bewältigen, hat zu einem Scherbenhaufen geführt. Ohne einen Strategiewechsel wird der Euro nicht überleben.

    Was ist also zu tun?

    Zunächst sollte man mit zusätzlichen Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen so lange warten, bis sich die Konjunktur gedreht hat. Was beschlossen worden ist, muss erst einmal wirken. Die Gefahr besteht sonst, dass wir mit Spanien oder Italien ein zweites Griechenland bekommen.

    Nun will die Bundesregierung, dass Spanien unter den EFSF schlüpft…

    Das Problem an der Hilfe durch den Rettungsschirm ist, dass damit eine Stigmatisierung verbunden ist. Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren. Darin liegt der Grund für das Zögern Spaniens. Und es zeigt den Konstruktionsfehler der Rettungsschirme: Die Länder erhalten die Hilfe erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

    Man könnte Banken in Not doch auch direkt unterstützen – ohne den Umweg über die Staaten.

    Das wäre sehr hilfreich. Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen. Das macht es für ein Land noch schwieriger, sich am Markt zu refinanzieren.

    Warum sollte der deutsche Steuerzahler für Spaniens Banken eintreten?

    Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die spanischen Banken systemrelevant sind. Die Krise der spanischen Banken kann das gesamte Bankensystem des Euroraums in eine Schieflage bringen. Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute. Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers. Die Hilfen können ja so ausgestaltet werden, dass das, was am Ende an werthaltigen Aktiva bei den spanischen Banken übrig bleibt, an den europäischen Rettungsschirm ESM übergeht.

    Und wer überwacht, was mit dem Geld passiert?

    Wir brauchen eine bessere Aufsicht über Europas Banken. Es kann nicht angehen, dass wir nur Geld hingeben. Da muss auch jemand nach dem Rechten sehen, denn die Spanier selbst scheinen das ja nicht so gut gemacht zu haben. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst schnell eine europäische Bankenaufsicht zu schaffen. Wir werden bei der Bewältigung der Krise aber keinen Erfolg haben, wenn nicht auch die Staaten mehr Souveränität abgeben.

    Tja, genau so wie Stiglitz und Bofinger sehe ich die Sache auch.

    Und Deine letzten Bemerkungen in diesem sehr guten Artikel von Dir, lieber Otmar, kann ich nur unterstreichen. Ich zitiere nochmals aus Deinem Artikel: „Wobei ich grundsätzlich die Skepsis bezüglich Politikern Teile. Komplexe Sachverhalte stellen für i.d.R. fachfremde Politiker regelmäßig ein Problem dar. Häufig wird nach schnell wirksamen Einfachlösungen gegriffen.

    Ach ja: Schuldenbremsen, ESM und Fiskalpakt sind auch solche “Einfachlösungen”. Man möchte keine Schulden – also führen wir eine Gesetzmäßigkeit ein welche das einhalten vorschreibt. Die heutigen Politiker haben zwar keinen Plan wie sie das selbst einhalten wollen (und in den USA ist die Anzahl der Erhöhungen zweistellig)…. aber es ist ja eine gute Sache. Wenn Ideale und Wunschdenken Einzug in Gesetze erhält ist das regelmäßig ein Fehlgriff. Mit Realpolitik und realistischer Selbsteinschätzung hat das nichts zu tun. Und nicht umsonst sondern aus Erfahrung fühlt sich der Bürger regelmäßig an der Nase herumgeführt“.

    Da hast Du völlig Recht, lieber Otmar. Aus Wunschphantasien Gesetze zu machen, ist albern und unehrlich. Und wenn´s dann real wird (und natürlich teurer als in den Wunschphantasien) fühlen sich die Bürger zurecht verarscht.

    Lieber ehrlich sein und realistisch die Kosten einschätzen und dann realistische Gesetze draus machen. Alles andere ist Murks und Verarschung der deutschen Bürger.

    Vielen Dank, lieber Otmar, nochmals für diesen klaren und guten Artikel.

    Bis dann, Dein

    Klaus Gauger

  2. andena17 sagt:

    In der direkten „Kapitalisierung“ der sogenannt systemrelevanten Banken durch diesen ESM sind noch weitergehende Problemfelder versteckt. A. Durch die Ausstattung mit zusätzlichem Geld aus dem Stabilitätsmechanismus wird faktisch eine Teilverstaatlichung / Teil-ESM-isierung vorgenommen, aber wie wir unsere Euroretter kennen endet es mit Sicherheit wieder mal nur in einer Subventionierung von prekären Geschäftspraktiken von insolventen Unternehmen. B. Wenn trotz „Rekapitalisierung“ Bankhäuser pleite gehen, dann haben wir im ESM ungedeckte / uneinholbare Forderung, die dann faktisch zu Lasten der Anteilnehmer am ESM (also der BRD) gehen und eben nicht zu Lasten der Staaten, in dem die insolventen Banken ihren Sitz haben und ihre Steuern / Abgaben entrichten.

    • Lieber Andena17,

      grundsätzlich gebe ich Dir recht. Ich wiederhole hier nochmals aus Deinem Artikel: „In der direkten “Kapitalisierung” der sogenannt systemrelevanten Banken durch diesen ESM sind noch weitergehende Problemfelder versteckt“.

      Du hast Recht, in der direkten Kapitalisierung der sogenannt systemrelevanten Banken durch diesen ESM sind einige Problemfelder versteckt.

      Aber zu Deinen Erwägungen folgendes: Du sagst, diese Banken seien nur „sogenannt“ systemrelevant. Dazu kann ich Dir sagen (ich bin Halbspanier): Einige dieser spanischen Banken gehören zu den grössten der Welt.

      Wir erfahren im Wikipedia-Artikel zum „Banco Santander“: „Die Bank ist eine der 29 Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „systemically important financial institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft wurden. Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital.“

      http://de.wikipedia.org/wiki/Banco_Santander

      Wir erfahren im Wikipedia-Artikel zum „BBVA“: „Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) ist ein Kreditinstitut und ein Unternehmen für Finanzdienstleistungen mit einer mehr als 150-jährigen Geschichte. Es ist die zweitgrößte Bank in Spanien, eine der größten Banken Lateinamerikas, der USA und der Welt und hat ihren rechtlichen Sitz in Bilbao sowie den operativen Sitz in Madrid. Die Bank hat mehr als 110.000 Angestellte und 47 Millionen Kunden in der ganzen Welt“.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Banco_Bilbao_Vizcaya_Argentaria

      Banken in dieser Grössenordnung sind auf jeden Fall systemrelevant. Und auch die „kleineren“ (?!) spanischen Banken sind zum Teil objektiv gesehen relativ gross und vielleicht durchaus auch systemrelevant.

      Über die amerikanische „Pleite-Bank“ „Lehman-Brothers“ erfahren wir im entsprechenden Wikipedia-Artikel: „Die Lehman Brothers Inc. war eine US-amerikanische Investmentbank mit Hauptsitz in New York, die am 15. September 2008 infolge der Finanzkrise die Insolvenz beantragen musste. Im Jahr 2007 beschäftigte die Bank weltweit 28.600 Angestellte. Ihr Umsatz betrug im Jahre 2007 59,003 Mrd. US-Dollar.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers

      Zum Vergleich: Der BBVA hat eine Bilanzsumme 597,7 Mrd. EUR (2011). Der „Banco Santander“ hat eine Bilanzsumme von 913 Milliarden Euro (2011).

      Die Lehman-Brothers-Bank war also gar nicht so besonders riesig.Trotzdem hat der Zusammenbruch dieser Bank für eine schwere internationale Bankenkrise gesorgt, die bis heute nicht wirklich überwunden ist. Und die Realwirtschaft wurde durch den Zusammenbruch dieser amerikanischen Investmentbank damals weltweit schwer beschädigt. Auch Deutschland hat damals einen massiven Einbruch im Exportbereich erlebt. Um dieses „Loch“ zu überwinden, hat Angela Merkel damals die „Abwrackprämie“ in Deutschland eingerichtet, um die deutsche Autoindustrie zu stützen.

      Siehe zu diesem Thema der Lehman-Brothers-Bank den Wikipedia-Artikel „Finanzkrise ab 2007“:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

      Zur Abwrackprämie siehe den Wikipedia-Artikel „Verschrottungsprämie“:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Verschrottungspr%C3%A4mie

      Kurz: Peter Bofinger hat wohl recht. Diese spanischen Banken sind zum grösseren Teil wohl tatsächlich systemrelevant. Und es ist deshalb auch im deutschen Interesse, diese spanischen Banken zu retten. Genau so sagt das ja auch Peter Bofinger, und zwar zurecht.

      Und wenn die deutsche Regierung, auch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, glauben, dass diese spanischen Banken nicht systemrelevant sind, dann sollen sie ihnen eben nicht helfen. Dann wird man sehen, was passiert, wenn eine oder mehrere dieser Banken zusammenkrachen.

      Mir ist das im Grunde egal, ich bin seit vielen Jahren ein arbeitsloser Geisteswissenschaftler, der über keinerlei persönliche Ersparnisse verfügt. Ich würde im Fall einer schweren internationalen Bankenkrise und eines Zusammenbruchs des Euros oder der Eurozone absolut nichts verlieren. Ich verweise hier auf meine Blogartikel:

      http://klausgauger.wordpress.com/2010/11/07/my-cv/ und

      http://klausgauger.wordpress.com/2012/07/01/ich-stelle-meine-blogarbeit-vorerst-ein/

      Mit Deinem Argument „einer Subventionierung von prekären Geschäftspraktiken von insolventen Unternehmen“ gebe ich Dir im Prinzip recht. Aber genau deshalb hat Peter Bofinger vorgeschlagen, dass parallel zur finanziellen Stützung der angeschlagenen spanischen Banken eine europäische Bankenaufsicht geschaffen werden sollte.

      Ich zitiere nochmals aus diesem Interview vom 9. Juni von Peter Bofinger in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir brauchen eine bessere Aufsicht über Europas Banken. Es kann nicht angehen, dass wir nur Geld hingeben. Da muss auch jemand nach dem Rechten sehen, denn die Spanier selbst scheinen das ja nicht so gut gemacht zu haben. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst schnell eine europäische Bankenaufsicht zu schaffen. Wir werden bei der Bewältigung der Krise aber keinen Erfolg haben, wenn nicht auch die Staaten mehr Souveränität abgeben“.

      http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/64545125/hilfe-fuer-spaniens-banken-liegt-im-interesse-deutschlands

      Genau so sehe ich das auch, und genau das sollte Wolfgang Schäuble auch tun. Das heisst, Wolfgang Schäuble sollte den spanischen Banken mit direkten Zahlungen aus dem ESM helfen, aber auch auf eine zukünftige wirksame europäische Bankenaufsicht bestehen, die nicht zuletzt von Deutschland aus kontrolliert werden sollte.

      Weiter argumentierst Du in Deinem Beitrag: „Wenn trotz “Rekapitalisierung” Bankhäuser pleite gehen, dann haben wir im ESM ungedeckte / uneinholbare Forderung, die dann faktisch zu Lasten der Anteilnehmer am ESM (also der BRD) gehen gehen und eben nicht zu Lasten der Staaten, in dem die insolventen Banken ihren Sitz haben und ihre Steuern / Abgaben entrichten“.

      Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass eine Forderung „uneinholbar“ wird. Hier geht es dann also um die Abwägung von Risiken.

      Die spanischen Immobilienkredite sind überall in den europäischen Banken europaweit „verteilt“ worden. Auch die deutschen Banken haben grosse Packen dieser spanischen Immobilienkredite in ihren Portfolien. Gehen wichtige spanischen Banken aufgrund der zunehmenden Ausfälle von solchen Immobilienkrediten zugrunde (das heisst, immer mehr dieser Immobiliennkredite werden „faul“, bis die entsprechende spanische Bank „Pleite“ ist), sind auch die deutschen und französischen und viele andere wichtige europäische Banken von der möglichen Pleite spanischer Banken massiv bedroht.

      Siehe hierzu den sehr guten Artikel des Chef-Reporters von „Welt-Online“ in „Welt Online“ von Ende März mit dem Titel „Euro-Dämmerung:Spanien-Misere lebensgefährlich für Deutschland“.

      In diesem Artikel heisst es: „Wie sehr die spanische Krankheit die anderen Euro-Staaten treffen wird, zeigt ein Blick auf die Liste der Gläubiger. „51 Milliarden Dollar an spanischen Schulden liegen demnach in Großbritannien, 187 Milliarden in den USA, 224 Milliarden in Frankreich und 244 Milliarden Dollar in – surprise, surprise! – Deutschland“, schreibt der „Tagesanzeiger“ und fügt süffisant hinzu: „Ob Frau Merkel sich dessen bewusst ist?“ Sie ist es, denn nur so erklärt sich die Bereitschaft der Kanzlerin zu weiteren Milliardenhilfen. Wenn Spanien kippt, ist das nämlich auch für deutsche Banken lebensgefährlich. Europa ist alles also andere als auf dem Wege der Besserung. Sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Der griechische Virus hat längst Portugal und Spanien befallen und droht sie ebenfalls dahinzuraffen. Andere wie Italien haben sich bereits angesteckt“.

      http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106129958/Spanien-Misere-lebensgefaehrlich-fuer-Deutschland.html

      Tja, die aktuelle „spanische Krankheit“ ist also nicht zuletzt auch für die deutschen Banken lebensgefährlich. Deshalb ist es auch für Deutschland besser, wenn man diesen angeschlagenen spanischen Banken hilft. Das ist zumindest meine Meinung.

      Wenn Angela Merkel und Wolfgang Schäuble das anders sehen, sollen sie es eben sein lassen. Auf meinem Sparkassen-Girokonto liegen bestenfalls ein paar hundert Euro. Wenn die verloren gehen, kann mir das egal sein. Ich riskiere nichts bei dieser Sache.

      Hinzu kommt, dass die deutschen Bundesbank über die EZB und die EZBS und das „Target-2-„System“ schon jetzt riesige Forderungen gegenüber den nationalen Zentralbanken der südeuropäischen PIIGS-Staaten und auch dem „Banco de España“ (spanische nationale Zentralbank) aufgebaut hat.

      Zum Target-2-System siehe den Wikipedia-Artikel dazu:

      http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

      Zum ESZB:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_System_der_Zentralbanken

      Zur EZB:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Zentralbank

      Das heisst, der Zusammenbruch spanischer Banken und womöglich des Euro und der Eurozone in Spanien hätte aberwitzige finanzielle und wirtschaftliche Folgen auch für Deutschland. Siehe hierzu den „Spiegel“ vom vergangenen Montag 26/2012 mit dem Titel „Wenn der Euro zerbricht“ und die entsprechenden Artikel im „Spiegel“ zu diesem Thema.

      Zum Thema der Target-2-Forderungen Deutschlands, beziehungsweise der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Zentralbanken der südeuropäischen PIIGS-Staaten gibt es sehr viele Online-Artikel.

      Hier ist einer aus dem Handelsblatt mit dem Titel „Die Risiken der EZB steigen“ vom 8.6.

      In diesem Artikel heisst es: „Verlässt Griechenland oder ein anderes Krisenland die Währungsunion, ist zudem unklar, was mit den Target-2-Verbindlichkeiten dieses Landes passiert. Target-2-Forderungen und -Verbindlichkeiten sind Buchungspositionen, die in den Zentralbankbilanzen automatisch entstehen, wenn private Akteure Geld von einem Euro-Land in ein anderes überweisen.

      Viele Menschen haben ihr Kapital aus Irland, Griechenland, Spanien und Italien abgezogen und auf Konten in Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden verlagert. Die Krisenländer haben dadurch Target-2-Verbindlichkeiten von über 760 Milliarden Euro gegenüber der EZB aufgehäuft. Deutschland hat dagegen Forderungen gegenüber der EZB in Höhe von mehr als 640 Milliarden Euro. Sollten einzelne Target-2-Verbindlichkeiten platzen, würde der Schaden auf die Notenbanken des Euro-Raums verteilt. Sollte sich die Euro-Zone aber komplett auflösen, müsste die Bundesbank ihre Forderungen wohl abschreiben“.

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/euro-krise-die-target-2-forderungen/6724982-2.html

      Tja, so ist es. Und wenn Angela Merkel das Risiko eingehen und Spanien und Spaniens Banken Pleite gehen lassen wollen, sollen sie das tun. Und wenn die Target-2-Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber dem ESZB und der EZB und gegenüber den nationalen Zentralbanken der südeuropäischen PIIGS-Staaten dann verloren gehen, dann soll es eben so sein. Mir ist es egal. Ich bin wirtschaftlich gesehen ein armer Mensch ohne jede finanziellen Ersparnisse.

      Das heisst, angesichts dieser schon jetzt bestehenden massiven finanziellen Risiken für die anderen Länder der Eurozone und insbesondere auch für Deutschland (und für die Banken dieser Länder) erscheint es angeraten, die spanischen Banken auf eine möglichst wirksame und intelligente Weise zu retten.

      Die wirksamste und intelligenteste Form ist aber die, für die auch Peter Bofinger plädiert: Direkte Zahlungen aus dem ESM an die spanischen Banken. Denn wenn die Hilfe auf die spanische Staatsschulden angerechnet wird und die spanischen Staatsschulden steigen, verlieren die Investoren noch mehr das Vertrauen in Spanien, und dann kann sich Spanien auf Dauer nicht mehr auf bezahlbare Weise refinanzieren, mit allen Folgen, die ich schon erläutert habe.

      Und man darf eines nicht vergessen: Trotz ihrer aktuellen Schwierigkeiten haben viele spanische Banken, gerade auch grosse Banken wie der „Banco Santander“ und der „BBVA“, werthaltige Aktiva. Und die könnte man, genau so, wie Peter Bofinger das sagt, als Garantien auf diese zukünftigen Forderungen des ESM gegenüber den spanischen Banken einverlangen und hinterlegen lassen.

      Und noch etwas: Der durchschnittliche Spanier ist am verantwortlungslosen und geldgierigen Verhalten vieler spanischen Banken während der Phase der spanischen Immobilienblase (von ca.1990 bis zum Jahr 2008, als diese Immobilienblase geplatzt ist) keineswegs schuldig, genauso wenig wie die durchschnittlichen Amerikaner, die ebenfalls das Opfer des verantwortlungslosen und geldgierigen Verhaltens vieler amerikanischer Banken während der amerikanischen Immobilienblase sind, die im Jahre 2007 geplatzt ist. Auch die durchschnittlichen Spanier sind letztendlich das Opfer des verantwortlungslosen und geldgierigen Verhaltens vieler spanischer Banken. Unter anderem haben diese durchschnittlichen Spanier in der Regel – finanziert durch die Kredite dieser spanischen Banken – „auf Pump“ weit überteuerte Immobilien gekauft. Sie haben jetzt oft hohen Schulden wegen dieser blödsinnigen Immobilienkäufe. Und verlieren sie ihren Job, geht auch ihr Haus oder ihre Wohnung verloren (beziehungsweise diese Häuser und Wohnungen gehen zurück an die finanzierende Bank). Das ist in den letzten Jahren vielen Spaniern passiert.

      Für Amerika siehe hierzu den Wikipedia-Artikel „Finanzkrise ab 2007“:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

      Für den Fall Spanien siehe den Wikipedia-Artikel „Burbuja Inmobiliaria en España“.

      http://es.wikipedia.org/wiki/Burbuja_inmobiliaria_en_Espa%C3%B1a

      Siehe hierzu auch das lustige Video von Aleix Saló mit dem Titel „Españistán by Aleix Saló“ (with English subtitles/subtitulado al inglés). Diese Version ist mit englischen Untertiteln.

      In diesem Video wird auf witzige Weise erklärt, was in Spanien passiert ist (Immobilienblase und nachfolgende schwere Wirtschaftskrise)

      Und von den Steuern, die von den spanischen Banken gezahlt werden, haben die durchschnittlichen Spanier nichts. Spanien ist jetzt nicht zuletzt aufgrund der Austeritätspolitik von Angela Merkel in einer massiven Rezession.

      Viele Spanier (ca. 25%) sind arbeitlos, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 50%. Und in Spanien gibt es kein Hartz IV oder irgendein anderes Sozialsystem, mit dem arbeitslose Menschen in Spanien wirksam aufgefangen werden könnten.

      In der Regel müssen dies dann die spanischen Familien machen, die füttern jetzt ihre arbeitslosen Familienmitglieder irgendwie durch (nicht zuletzt ihre arbeitslosen Kinder).

      Die Spanier für das verantwortlungslose und geldgierige Verhalten vieler spanischen Banken während der Phase der spanischen Immobilienblase (Die von ca.1990 bis zum Jahr 2008 andauerte, als diese Immobilienblase geplatzt ist) „bestrafen“ zu wollen, ist Unsinn.

      Sinnvoll ist es, den spanischen Banken und damit auch dem spanischen Staat und dem spanischen Bürger auf eine vernünftige Weise zu helfen. Peter Bofinger hat ganz klar in seinem Interview gesagt, wie das auf eine vernünftige Weise machbar ist.

      Ich verweise nochmals auf dieses sehr intelligente Interview von Peter Bofinger in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom 9. Juni mit dem Titel „Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“.

      http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/64545125/hilfe-fuer-spaniens-banken-liegt-im-interesse-deutschlands

      Und warum der „bail-out“ der spanischen Banken in seiner bisher geplanten Form auf keinen Fall funktionieren kann, das hat Joseph Stiglitz in seinem Artikel in „Catholic Online“ mit dem Titel „Joseph Stiglitz: Spain Bank Bailout ‚voodoo economics'“ klar erläutert. Joseph Stiglitz sagt hier: „The system … is the Spanish government bails out Spanish banks, and Spanish banks bail out the Spanish government,“ Stiglitz said.

      The current plan is to lend Spain up to 100 billion euros, the equivalent of $125 billion U.S. dollars, agreed on over the weekend by euro zone finance ministers. The amount was far higher than most estimates of the needs of Spanish banks. The nation has seen the bursting of the real estate bubble, recession and mass unemployment.

      The bailout would also add another 10 percent to Spain’s debt-to-gross domestic product ratio, which was already expected to hit nearly 80 percent at the end of 2012. This could make it more difficult and expensive for the government to sell bonds to international investors.

      In Spain, the real risk is that the government may have to ask for help from the same institutions that it is now planning to help.

      „Its voodoo economics,“ Stiglitz said prior to the announcement of the bailout over the weekend. „It is not going to work and it’s not working.“

      http://www.catholic.org/business/story.php?id=46586

      Allerdings. In der bisher geplanten Form wird der „bail out“ der spanischen Banken auf keinen Fall funktionieren, so sehe ich das auch.

      Ich verweise im Zusammenhang mit dieser ganzen Thematik nochmals auf folgende Blogartikel von mir:

      http://klausgauger.wordpress.com/2012/05/09/trotz-des-eitlen-selbstlobs-von-wolfgang-schauble-die-euro-krise-ist-massiv-zuruckgekehrt-1/

      http://klausgauger.wordpress.com/2012/04/11/der-deutsche-sparwahn-dumm-und-verlogen/

      http://klausgauger.wordpress.com/2012/02/15/angela-merkels-irrglaube-an-die-wirksamkeit-ihrer-kruden-sparrezepte-in-sudeuropa-1/

      Zu den Ursachen und Folgen der spanischen Immobilienblase habe ich schon vor einigen Monaten einen Blogartikel geschrieben, in dem ich auch mit den spanischen und Madrider „Pseudoeliten“ hart ins Gericht gehe:

      http://klausgauger.wordpress.com/2012/03/23/madrid-heute-abschied-von-der-meiner-madrider-vergangenheit/

      Dir noch eine gute Zeit, lieber Andena17. Ich hoffe, ich habe Dir auf eine vernünftige Weise erklären können, warum ich die Sache anders sehe als Du, auch wenn Deine Argumente sicher nicht dumm oder schlicht falsch sind.

      Bis dann, Dein

      Klaus Gauger

      • Uli sagt:

        Wer soll das denn alles lesen?
        Kommentare sind Kommentare. Sind sie zu lang, funktioniert die Diskussion meist nicht oder nur mit sehr wenigen. Wenn du bloggen willst, blog! 🙂

        • Lieber Uli,

          ich blogge schon seit zwei Jahren: http://klausgauger.wordpress.com/

          Aber da Otmar einen interessanten und guten Blog hat und ich ihn persönlich in Freiburg auf einer Veranstaltung der „Freiburger Piraten“ kennengelernt habe und ich Otmar nett und kompetent finde, gebe ich mir bei seinem Blog besonders viel Mühe. Außerdem schreiben Otmar und Ich über ähnliche Themen, zumindest im Bereich der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik. Unsere Blogs ergänzen sich da ziemlich gut.

          Bis dann,

          Klaus Gauger

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] libri logicorum: Was direkte Bankenhilfen durch den ESM für die Staaten bedeutet […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: