Eurokrise – Bankenrettung durch Enteignung?

Großes Thema heute – Zypern erhebt eine Zwangabgabe auf Bankeinlagen.

Allerdings kann man bei dieser Zwangsabgabe nicht wirklich von dem Ziel der „Bankenrettung“ reden, denn die Banken haben davon überhaupt nichts. Die Abgabe kommt in erster Linie dem zypriotischen Staat zu Gute – technisch wird ein Teil der Kundeneinlagen auf das neue Einlagenkonto „staatliche Zwangsabgabe“ als Passivtausch in der Bankbilanz umgebucht. Sowohl die Bilanzsumme als auch die bankseitige Höhe der Verbindlichkeiten bleiben gleich hoch.

Interessant wird es, wenn man sich überlegt, was wohl nach der rein technischen Umsetzung passieren wird. Einerseits wird ein Teil der Bankkunden wohl wegen der schlechten Erfahrung, die sie und ihr Geld machten, ihre Bankeinlagen reduzieren bzw auflösen und andererseits der Staat Zypern seine neuen Einlagen zur Absicherung des Staatshaushalts abziehen.

Beide Einlagenreduktionen stellen für die Banken ein erhebliches Risiko dar, denn es droht eine Insolvenz durch den Abzug von massenhaft kurzfristig verfügbarem Kapital. Dieses kann nur durch zusätzliche Verbindlichkeiten ggü der Zentralbank erzielt werden.

Im Ergebnis haben wir dann eine größere Abhängigkeit der Geschäftsbank von der Zentralbank und eben weder eine Beruhigung des Marktes noch eine „Bankenrettung“.

Die Stellungsnahme der zypriotischen Staatspräsidenten zeigt ein gravierendes Bild der derzeitigen Lage Zyperns. Dem Vernehmen nach wird ohne zusätzliche staatliche Stützungsmaßnahmen des zypriotischen Staates für eine der maroden Banken die Europäische Zentralbank die Kreditlinie dieser Bank streichen und damit die Insolvenz herbeiführen. Wegen der geschäftlichen Verflechtung der Banken untereinander würden auch weitere Banken insolvent und die staatliche Einlagensicherung in Anspruch genommen werden müssen. Jedoch sieht sich der zypriotische Staat außerstande, die Einlagensicherung in voller Höhe zu garantieren, es drohe ein Einlagenverlust von 60%, wodurch das gesamte Bankensystem kollabieren würde und darauffolgend massenhaft Unternehmen in den Ruin getrieben würden.

Wie es scheint, ist die derzeitige Lage auf Zypern weitaus dramatischer, als es bisher in den Medien publiziert wurde und man wahrnehmen konnte.

Die spannende Frage jedoch bleibt, inwieweit diese Zwangsabgabe geeignet ist, die strukturellen Probleme Zyperns zu beseitigen / zu mindern, damit dieses Miniland endlich wieder wettbewerbsfähig wird. Vielmehr steht zu befürchten, dass aufgrund der Zwangsabgabe sämtliches Auslandkapital abgezogen werden wird und somit erst recht der Kollaps herbeigeführt wird.

Die strukturellen Ursachen für die Eurokrise sind in der Eurokrise-Reihe u.a. in den Blogartikel Politik in der Sackgasse oder Ursachenfindung und Lösungsweg beschrieben.

Es könnte gut sein, dass nicht Griechenland das erste Euroland sein wird, dass aus dem Euroverbund austritt, sondern Zypern. Wie das vonstatten gehen könnte steht in Artikel Währungsreform

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