Dann wäre der Spekulationszauber vorbei (wirklich?)

Wenn man wie ich über ein halbes Jahr Blog-Pause hinter sich hat gibt es einiges zum nachlesen und zu kommentieren. Das „gute“ an der derzeitigen Lage ist, das sich eigentlich nicht so wirklich viel getan hat. Es ist immer noch alles aktuell.

Worum geht es. Stephan Schulmeister den ich schätze hat hier im Blog schon einmal einen Gastbeitrag veröffetlicht. Er hat vor einiger Zeit einmal eine These aufgestellt welche ich hinterfragen möchte.

Kurz zusammengefasst: fixe Zinssätze, nahezu feste Wechselkurse, Eurobonds als einheitliche Finanzierung für alle Euro-Länder, EWF setzt danach die Zinsen/Kurse
Weshalb empfielt er dies – weil es Spekulationen eindämmen soll. Und die These lautet letzlich auch so:

Und woran sollten sich die Zielgrößen von Zins und Wechselkurs orientieren? Natürlich an den Fundamentalwerten der Gleichgewichtstheorie (Zins = Wachstumsrate, Wechselkurs = Kaufkraftparität). Nicht die Lösungen der Theorie sind das Problem, sondern dass „die Märkte“ sie systematisch verfehlen.

Erstens hat nach ihm also die Theorie Recht und zweitens stört dabei offenbar nur die Realität. Oh weh.

Dazu gibt es einiges zu sagen. Erstens ist das Euro-gebiet alles andere als wirtschaftlich homogen. Es müssten nicht nur zwischen z.B. den USA und Europa sondern auch innerhalb Europas große stabilitätspolitische Maßnahmen ergriffen werden. Bretton-Woods ist ja auch nicht an der Theorie zerbrochen sondern an Realitäten. Da bräuchten alle – inkl. Griechen, Spanier und die USA – eine Art funktionierendem Fiskalpakt. Abgesehen davon sind Ausweichhandlungen wenn die Zinsen zu hoch, zu niedrig oder einfach unpassend erscheinen vorprogrammiert. Das Zinssätze gerade auch in den unterschiedlichen Ländern des Euro-Raumes unterschiedlich sein müssten und ein gesetzter Zinssatz damit praktisch immer zu hoch oder zu niedrig ist sollte einleuchten. Das wird zwar einmal in mehr und einmal in weniger Ländern der Fall sein – aber der Euro-Raum ist bei weitem nicht die Bundesrepublik.

Abgesehen davon scheint mir Schulmeisters Empfehlungen gegen seine an anderer Stelle getätigten Äußerungen zu gehen:

……Jedes Finanzvermögen (von Bankguthaben bis zu Anleihen oder Aktien) stellt „Potentialgeld“ dar, es kann jederzeit und (zumeist bzw. nahezu) kostenlos für Transaktionszwecke verwendet werden. Die Geldmenge ist daher nicht bestimmbar, Geld wird vielmehr vom Besitzer eines „financial asset“ für jenen Moment geschaffen, in dem er dieses als Geld verwendet.Für die Geldpolitik ist das Verständnis von Finanzkapital als „Potentialgeld“ höchst relevant……
Wenn alles Finanzvermögen potentielles Geld ist, dann gibt es kein Geld als (separiertes) Transaktionsmittel. Die Orientierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Geldmenge im Sinne von Milton Friedman’s Monetarismus ist illusionär……

Wenn die Geldmenge nicht (mehr wirklich) so bestimmbar ist (wie noch vor 100 Jahren), dann sollten daraus abgeleitete Werte wie Wechselkurse und Zinssätze es auch nicht sein. Ausweichhandlungen werden wie bisher über das Potentialgeld(vermögen) geführt. Und was die Regularien eines Stabilitätspaktes angeht so ist er ja gegen den Fiskalpakt. Welche Maßnahmen denkt er an?

Fazit:
Wir haben primär realwirtschaftliche Probleme und Verwerfungen. Diese werden durch Spekulationen lediglich verstärkt – nicht generiert. Versuche mit erheblichen Eingriffen welche m.E. von vornherein zum Scheitern verurteilt sind die Verstärkung einzudämmen halte ich für keinen sinnvollen Weg. M.E. ist es vermutlich auch so, das die Vorbedingungen für o.g. Szenario – nämlich die innereuropäische Stabilität im Außenhandel, der Inflation und bei der Verschuldung – bereits wesentlich wirksamer gegen Spekulationen wirken würde. Wäre dem nicht so – gut, dann wäre ich im Unrecht und dann kann man versuchen(!) Zinssätze und Wechselkurse festzuzurren. Ich glaube jedoch nicht daran. 

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