Denkanstoß Geldmenge, ZB-Zins und Blasen

Dieses working paper aus der Uni Lüneburg von Hr. Huth muss ich den Bloglesern zum lesen geben. in ihm steht m.E. in weiten Teilen was ich hier im Blog seit Jahren referiere. Gleich ob in Gesprächen mit Patrick Bernau (FAZ), dem verblichenen Kantoos, in (Gast)Artikeln von oder über Stephan Schulmeister. Selbstreferenzielle Vermehrung, Quantitätstheorie des Geldes etc. – alles hier im Blog nachlesbar.

Hier ein Ausschnitt aus dem Arbeitspapier:

 

………Eine Tatsache, die auf der Basis keynesianischer Geldtheorie leicht erklärbar ist:
Es ist nicht, jedenfalls nicht in erster Linie – wie EZB und Bundesbank immer wieder beteuern – die „neue Unsicherheit“ an den Finanzmärkten, die hierfür verantwortlich ist. Vielmehr ist es schlicht und ergreifend die in der Tat neue und erst im Gefolge der weltweiten Deregulierung der Finanzmärkte zu beobachtende Hypertrophie der Bestandsmärkte, die wiederum aus dem Bestreben resultiert, hier – d.h. in einem globalen Null-Summen-Spiel – Renditen zu erzielen, die die realwirtschaftliche Wachstums- und Investitionsdynamik nicht mehr hergibt.
Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Zentralbanken sich eines Tages in einer Dilemmasituation wiederfinden, die man als „Asset-Preis-Falle“ beschreiben könnte. Wenn man den in den Bestandsmärkten gebundenen Liquiditätsüberhang für ein – zumindest etwas längerfristig – ernst zu nehmendes Inflationspotential hält, also eine massive Verlagerung der Liquidität aus dem finanziellen in den industriellen Kreislauf als möglich und wahrscheinlich ansieht, wäre eine Neudefinition des – geldpolitisch zu stabilisierenden – Preisniveaus als irgendwie gewichteter Durchschnitt aus Verbraucher- und Assetpreisen eine vermeintlich konsequente Reaktion. Käme es dann zu den gefürchteten Blasenbildungen (asset price bubbles) an den Bestandsmärkten, hätte die Zentralbank mit letztlich immer erfolgreichen Zinserhöhungen zu reagieren, um diese Blasen „aufzustechen“. Damit verbunden wären allerdings unter Umständen drastische Konjunktur- und Wachstumseinbrüche, zumindest aber stagnative Tendenzen im realen Sektor der Volkswirtschaft, ein Dilemma, auf das KEYNES bereits 1930 aufmerksam machte.14
Die heute noch als selbstverständlich hingenommene und praktizierte makroökonomische Steuerung unserer Volkswirtschaften durch den Zins (und nicht durch die Geldmenge!), den Zentralbankzins, würde wohl an ihre Grenzen stoßen und könnte dann ebenso ins Gerede kommen wie die bekanntlich so lange Zeit selbstverständliche Goldwährung, bis sie schließlich als „barbarisches Relikt“ (Keynes) einem anderen Geldsystem weichen musste……

 

Die sich daraus ergebenden geldpolitischen Implikationen daraus – gleich ob Liquiditätsfalle, (kein) Goldgeldstandard, aufbrechen der Geldmengenbestimmung und m.E. Inflations“berechnende“ gebaren der/für Zentralbanken ist enorm. Wir hatten das hier im Blog schon – aber es ist immer wieder interessant wenn jeman anderes darüber referiert. Es wird ja ansonsten nicht wirklich so praktiziert, da außerhalb des Mainstream befindlich so weit ich das erkennen kann.

 

Was ist zu tun? Inflation, (ZB)Zins und Geldmenge sind komplexer miteinander verzahnt, die Liquiditätsfalle kann schleichend daher kommen und häppchenweise Geld aus der Realwirtschaft abziehen. Die Geldmenge kann „folgenlos“ steigen  – wenn eine Menge davon in der Finanzwirtschaft landet. So lange bis sie zurückfließt, und dann hat man evtl. ein Problem. Das kann eventuell gelöst werden oder auch nicht. Das ist ein Diskussionspunkt. Gekennzeichnet ist das ganze unter einem auseinander driften der Vermögenskonzentrationen zwischen arm und reich. Denn auf der einen Seite wird Vermögen immer wertvoller, auf der anderen bleiben die Werte (z.B. Löhne/Kaufkraft) m.E. konstanter. Die Steuerung der EZB und der Staaten (alleine) durch den Zins und nicht (mit) durch die Geldmenge oder durch andere Instrumente (hier nicht genannt) ist vielleicht eben nicht das wahre. Wie kommt das Geld aus den Assets (den Vermögenswerten) wieder heraus?

Das soll uns ein Denkanstoß sein.

 

 

Comments
2 Responses to “Denkanstoß Geldmenge, ZB-Zins und Blasen”
  1. der andere Andreas sagt:

    anscheined hat sich das warten ja gelohnt, schön hier wieder was zu lesen🙂

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