Üble Wirtschaftsjourna… blogger aber auch

Was mag G.Braunberger im FAZIT-Blog der FAZ wohl angetrieben haben diesen Artikel zu schreiben. Die Hauptaussage ist, das bloggende Ökonomen es entweder wie Paul Krugman nicht mehr nötig haben, aber dafür veraltete Ansichten vertreten – oder – das sie Unterklasse-Ökonomen sind und deswegen bloggen. Richtige Ökonomen mit Reputation und Nennungen in „an Publikationen in Fachzeitschriften ausgerichteten Ranglisten“ seien nicht zu finden. Blogger erhalten keine Nobelpreise und hätten nichts zu sagen.

Ich lasse jetzt einmal naheliegende Mutmaßungen über den Antrieb von Braunberger. Zum Inhalt ist zu sagen das womöglich Recht hat mit dem was ich oben als Zusammenfassung seines mit allerlei blumigen Beispielen ausgeschmückten Textes skizziert habe. Trotzdem liegt er inhaltlich falsch, und das gleich an mehreren Stellen. Ich gehe das ganz kurz und schmerzlos durch.

Zuerst einmal zur bloggenden „Tätigkeit“ selbst, denn das ist nächstliegend. Bloggen ist m.E. eine journalistische Tätigkeit, keine akademische. Der Versuch Beziehungen zwischen dem einen und dem anderen herzustellen ist nicht zielführend.

Nächster Punkt ist die „Rangliste“ anhand welcher man nobelpreisverdächtige (Meinungs)Qualität sehen kann. Sehen wir uns einmal eine an. Vollkommen spontan kommt mir da eine der FAZ in den Sinn welche noch warm von der Druckerpresse ist.  Neben dem unvermeidlichen HW Sinn sehehn wir u.a. den Kronberger Kreis versammelt.  Das sagt manchen Lesern vielleicht nichts. Ich biete einmal zwei Links dazu an. Der erste wäre eine kurze Besprechung wert, da aktuell. Die Renaissance der Angebotspolitik (2013). Der zweite ist aus 2009 mit der Empfehlung das ALGII-Empfänger freiwillig und falls unwillig auch verpflichtend z.T. kostenlos Arbeit aufnehmen sollten (Arbeitspflicht). [Bitte selbst lesen – eine Besprechung dessen ist wohl eher nicht notwendig, da selbsterklärend.]

Wenn der bestehende Reformbedarf nicht ernst genommen wird, kann Deutschland sehr schnell wieder zum „kranken Mann Europas“ werden.Der Kronberger Kreis empfiehlt der neuen Bundesregierung, sich auf die Angebotspolitik zu konzentrieren und so die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Um zur Ranglisten-Wertung zurückzukommen. Es ist offensichtlich kein abschließendes Merkmal für Qualität, sondern eher für manch akademische Aufmerksamkeit. Das lasse ich damit so nicht gelten. [Papiere wie die obigen zerlegt man m.E. auch ohne großen Aufwand. Sei es makroökonomisch die Aufforderung höhere Überschüsse zu erwirtschaften oder mikroökonomisch die Erklärung das man Arbeitslosen ja nur den „Marktpreis“ zahle und damit kein negativer, sondern nur ein rein natürlicher Effekt der Lohnsenkung entstehen könne. Das hat m.E. auch wenig mit akademischen Hintergründen zu tun.] Blogger konkurrieren ebenfalls mit AUfmerksamkeit – und das z.T. erfolgreich und mit nicht weniger Qualität.

Damit haben wir auch schon den Dritten Punkt mit abgehakt.

Wobei hierbei noch etwas fehlt. Wenn ein Finanzprofessor in Chicago (Notenbank Indien) sich über Krugmans/Rogoffs Stil im Blog als „Ökonomische Debatte“ beklagt dann ist es wohl doch nicht nur Journalismus. Zu „alternden Lehren“ wie IS/LM und als Gegenpol (lt. G.B.) genannt eben neue Lehren sei noch gesagt, das etliche gerade der herrschenden Lehrmeinung und im täglichen Econ- wie Politikbetrieb äußerst alten „Lehren“ (so überhaupt) folgen. Meinungen wandeln sich nicht oder wenn, dann nur sehr langsam (je älter desto schwieriger). Zudem sagt G.B. dann auch noch selbst das gute ökonomische Ideen kein Verfallsdatum hätten. An dieser Stelle sei also gesagt: schlechte leider auch nicht. Und so werden neuere Erkenntnisse (sagen wir lieber „Ideen“) wohl eher nicht von Politikern oder Anhängern älterer Ideen gelesen.

Bloggen hat einen sehr guten Platz zwischen den Stühlen. Ich schließe mich da einmal mit ein. Blogger erklären und berichten nicht auf akademische Art und Weise aber sehr wohl mit akademischen Hintergründen. Breiter, genauer, länger, tiefer als das Journalisten in üblichen Print-Medien können. Ranglisten haben nur einen – mit Verlaub – akademischen Wert. Das ist keine Geringschätzung des akademischen Wissens oder der akademischen Arbeit gegenüber. Wirtschaftswissenschaften sind jedoch keine Naturwissenschaften. Zum einen bedürfen „echte“ Erkenntnisse des Transportes, zum anderen unterligen diese Ideen auch einer Einordnung und Bewertung und eines Vergleiches innerhalb der realen Welt. So wie auch G.B. versucht Blogs einzuordnen. Leider etwas sehr akademisch geraten. Auch Elfenbeintürme sind nicht mehr das was sie früher einmal waren. Ich erinnere mich an „State of macro is good“ von Blanchard, dem IWF-Oberen. Ein gutes Beispiel für einen Vergleich. „State“ ist und war nicht „good“. Da sind Econ-Blogger das richtige Korrektiv.  Zeitungen oder TV können das inhaltlich nicht mehr leisten.

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