„Das Vertrauen in eine Währung kann nicht durch Parlamentsbeschlüsse hergestellt werden.“

Gibt man diese Überschrift bei Google ein gibt es nur sehr wenig Treffer. Es sind sieben. Eigentlich nur 2, nämlich die ZEIT und den Spiegel. Jeweils Ausgaben zwischen 1951 und 1952. Es ist ein Zitat von Robert Peel, dem Macher der britischen Bankgesetze von 1844.

In der Print-Ausgabe des Spiegels vom 30.01.1952 kann man schmökern und etwas in der Währungsgeschichte der DM lesen. Herrlich!

Im Vordergrund der Geschichte der Kampf gegen die Inflation. Hier ein paar Auszüge:

…..

[zu viel Geld vorhanden]

Folge: Die Preise stiegen Ende 1948 himmelwärts.

* Die Mindestreserven der westdeutschen Geschäftsbanken mußten ab sofort von 10 auf 15 Prozent erhöht werden.

….

[Koreakrieg ausgerufen]

Die kollektive Kaufpanik der Hausfrauen und Geschäftsleute, die mit allem verfügbaren Geld und Kredit sofort „kaufend zu Markte drängten“, wie es in der Volkswirtschaftslehre heißt, der rasant steigende Import und der beginnende Entsparungsprozeß

…..

das alles zwang die D-Mark-Seelsorger, fast den ganzen Katechismus der Notenbank durchzuexerzieren.

* Am 1. Oktober 1950 wurden die Mindestreserven noch einmal um durchschnittlich 50 Prozent heraufgesetzt.

* Am 13. Oktober wurde die Rediskontierbarkeit (d. h. das Zu-Geld-Machen) von Bankwechseln bei den Landeszentralbanken auf solche Geldinstitute beschränkt, die ihr Wechselkreditvolumen nicht über den Stand des Vortages erhöhten.

* Am 26. Oktober folgte in Anwesenheit Konrad Adenauers eine Erhöhung des Diskontsatzes von 4 auf 6 Prozent, also eine Verteuerung des Wechselkredites, die sparsamere Kreditausnutzung gebot. Gegen die Meinung der Bundesregierung.

März 1951 brachte dann noch einen schmerzhaften Eingriff: Die Bank deutscher Länder beschloß, das gesamte kurzfristige Kreditvolumen der Banken und Sparkassen um mindestens 1 Mrd. zurückzuführen. Für die einzelnen Landeszentralbankbezirke wurden Globalsummen festgesetzt, die binnen bestimmter Frist zurückgeführt werden mußten.

Gegen den Importstrom richteten sich in Zusammenarbeit mit den Ministerien administrative Maßnahmen. Lizenzen wurden für ungültig erklärt und den Importeuren ein schwerer Klotz ans Bein gebunden: das Bardepot. 50 Prozent der für das Einfuhrgeschäft benötigten Devisen mußten in D-Mark hinterlegt werden.

…..

Die Maßnahmen des Zentralbankrats schlugen nicht immer gleich an. Bei großer Preishausse beispielsweise nutzte auch die

Verteuerung des Wechselkredits durch die Diskontheraufsetzung um 2 Prozent nicht viel……Aber nach dem ersten Ansturm und im Zusammenwirken mit den anderen Restriktionen bremste (schon psychologisch) auch die Diskonterhöhung…..

Interessant was es damals für Möglichkeiten gegeben hat.  Aber weshalb lege ich hier diesen Leckerbissen vor?

 

Es gibt vielerorts die Kippschalter-Argumentation. Entweder Euro oder eine Transferunion mit gemeinsamer Wirtschafts- und Sozialpolitik. Ich mache hier einmal den Fall eines gangbaren Weges auf. Vielleicht sollte man einmal im Hinterkopf behalten das es nach der Wiedervereinigung mehrfach Diskussionen über eine Sonderwirtschaftszone Ost gegeben hat mit eben nicht den gleichen Bedingungen. Die Instrumente für andere Wirtschaftszonen, nämlich Lohn-, Sozial- und Steuerpolitik, liegen im Gegensatz zu den neuen Bundesländern bei separat geführten Ländern vor.

Was lernt uns die Historie also? Man kann prinzipiell verschiedene Instrumente in die Hand nehmen um den Außenhandel und Kreditaufnahmen zu beeinflussen. Auch wenn natürlich das ein- oder andere in einer Zone freien Warenhandels und mit einer gemeinsamen Währung nicht greift.

Sammeln wir einmal mögliche Maßnahmen welche im Zusammenspiel (auch psychologisch) einen Rahmen geben könnten. Dullien/Schwarzer haben folgendes genannt.

1.  Eine 3%ige Grenze für Leistungsbilanz-Ungleichgewichte

Das ganze korrigiert um ausländische Direktinvestitionen. Sanktionen sollen in Form eines Stops von Zahlungen aus dem EU-Budget, zu hinterlegenden zinslosen Darlehen oder Strafzahlungen erfolgen.

Im Gegensatz zu den Annahmen einer Union aller Ressorts mit zentralistisch einheitlicher politischen Rahmensetzung betont ein Stabilitätspakt die individuell unterschiedlichen Regelungen. Als Beispiel was man nicht machen „dürfte“ kann man MwSt-Erhöhungen (z.B. auch zur Senkung der Lohnebenkosten) oder „Agenda2000“ eines Überschusslandes wie in Deutschland oder die von Dullien genannte inflationsgekoppelte Mindestlöhne wie in Spanien genannt (welche Boom-/Bust-Zyklen verstärken). Die einseitige oder unüberlegte Verbesserung oder auch Verschlechterung hinsichtlich der Exportfähigkeit oder des Importes von Gütern ist dann nicht mehr ohne ein Abschätzen der innereuropäischen Wirkung möglich.

2.  Rücksichtnahme in länderspezifischer Steuer-, Sozial- und Lon/Arbeitspolitik

Das schränkt natürlich individualinteressen einzelner Gruppen innerhalb eines Landes stark ein. Man darf sich auch keiner Illusion hingeben, das einhalten einer solchen Grenze ist nicht einfach durchzusetzen. Es fordert von den zurückbleibenden Anstrenungen und von den erfolgreichen Rücksichtnahme ein. Beides ist nicht gerne gesehen. Erfolgreiche streben eben nach noch mehr Erfolg (und wollen ihn genießen) und ärmere wollen nicht angetrieben oder gegängelt werden. Das gilt makroökonomisch ebenso wie mikroökonomisch.

3.  Notenbankpolitik

Ein heisses Pflaster. Die ökonomische Debatte (und Lehre) ist äußerst stark monetaristisch geprägt. Wenn etwas schief läuft heben zudem Politiker gerne die Hände nach oben und waren für nichts verantwortlich.  Für alles was geschieht zeichnen „die Finanzmärkte“ oder Notenbanken.  Das ist Politikern recht so, Ökonomen des sog. Mainstream schwören darauf. (Die Punkte 1 und 2 sind m.E. für diese nicht relevant.)

Was also können Notenbanken tun? Ich nenne da

Inflationskriterien in Höhe, Grenze und Berechnungsmethodik.  Wir hatten im Blog mehrfach kontrovers darüber diskutiert ob das eine Problematik ist und wenn, ob man das relevant ändern kann. Ich meine ja.

Mindestreserve. (Unterschiedlich für die Banken einzelner Länder). Auch hierüber gibt es verschiedene Ansichten. Allgemein wird angenommen das es keine Kreditmengenregulierung darstellt. Das halte ich für so nicht feststellbar. Man hat bei signifikant höheren Mindestreserven (nehmen wir ein Extrembeispiel 100%-> Näherungsweise Vollgeld) m.E. mehr Kontrolle.

Zinssätze.

Für all dies gilt wie für den darauf folgenden Punkt das es zu tolerierende Umgehungsstrategien gibt. Auf einzelne Länder beschränkte Sonderregelungen in einem ansonsten von Restriktionen relativ freien Gebiet können recht schnell umgangen werden. Der psychologische Faktor ist jedoch für die Masse erheblich.

4. nationale Regelungen bzgl. Krediten u.a.

Das kann sinnvoll sein. Allerdings ist es m.E. nicht vollständig umsetzbar. Grenzen gelten nicht für Geld. Aber wie bereits früher gilt auch hierbei mit eine psychologische Komponente einzurechnen.

5. Transferleistungen

Ich hatte in einem früheren Beitrag bereits erklärt das dies keine automatischen zig Mrd Euro horizontal- oder vertikal verteilte Gelder sein müssten. Es geht um individuelle Förderung von Projekten zum Aufbau. (Cluster oder Strukturen)

 

Die Liste ist nicht abschließend und soll nur einen Eindruck dessen vermitteln was theoretisch zur Prüfung im Raum stehen kann. Leider wird es weniger an der Umsetzbarkeit als an politischen Gegebenheiten scheitern. Schon bei einzelnen („einfachen“) Dingen wie der Änderung einer inflationsgekoppelten Mindestlohnregelung scheitert ein Projekt schnell an nationalen Politik-Interessen. Da entscheidet im Zweifel auch ein Wähler lieber national den Alleingang. Das gilt analog auch für andere Regelungen. Wer verzichtet schon auf aus seiner Sicht notwendige Subventionierung eines Wirtschaftssektors oder einer Region?

 

Einen Euro gibt es nicht „umsonst“. Das ist hier jedoch nicht monetär gemeint sondern in jeder Hinsicht. Den politischen Willen kann man jedoch nicht erkennen. Nur das wollen – und das ist etwas ganz anderes. Über das Erkennen legen wir einmal den Mantel des Schweigens.

Comments
2 Responses to “„Das Vertrauen in eine Währung kann nicht durch Parlamentsbeschlüsse hergestellt werden.“”
  1. andena17 sagt:

    Erst mal vorneweg zu Punkt 3 „Mindestreserve“.

    Je höher die Mindestreserve gesetzt ist, über desto mehr Zentralbankgeld muss die Bank im Verhältnis zum gehaltenen „Giralgeld“ verfügen. Die Erhöhung der Mindestreserve vermindert somit effektiv den „Geldschöpfungshebel“ und wirkt sowohl in Richtung mehr Kontrolle als auch in Richtung Beeinflussung Geldmenge durch die Zentralbank.

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