Ach diese Franzosen mit ihrem Mindestlohn – und die Koalition

Die Franzosen können nicht mithalten wenn es um Lohnpolitik geht. Weder qualitativ noch im Ergebnis für alle beteiligten. Man sollte sie nicht als Vorbild nehmen (mit oder ohne Mindestlohn). Weshalb zeige ich gleich.

Mindestlohn Frankreich sind 1430,22 Euro. Das sind (so die SZ) 1120,43 Euro Nettolohn und bedeuten 9,43 Euro Brutto/h. Der SMIC ist gedeckelt und wird nur bei 35h/Woche ausgezahlt, man darf nicht mehr verdienen. Es erhalten ihn 13% aller Arbeitnehmer in Frankreich.

Nun klingen 1120,43 Euro netto und 9,43 Euro Brutto nach sehr viel. Ich habe aber schon insoweit relativiert das dieser Betrag für nur 35 Wochenstunden gilt und ein Zuverdienst untersagt ist. Das ist die maximale Verteilung der billigen Arbeitsplätze/Arbeitsstunden auf möglichst viele Arbeitnehmer (französisches SGB gewissermaßen).  Die nächste Einschränkung folgt denn auch via stat. Bundesamt:

parität2009

Die Kaufkraft eines Euro liegt in Frankreich bei 0,87 „Berliner“ Euro. Es gibt verschiedene Tabelle für Umrechnungen, es ist jedoch häufig auch innerdeutsch ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen (München ist nicht Brandenburg). Grundsätzlich ist Frankreich jedoch teuerer. Nehmen wir einmal obigen Nettolohn und multiplizieren ihn mit 0,87 Euro. Also 1120,43*0,87=974,77 Euro Kaufkraft (in Berlin).

Nun rechnen wir rückwärts. 974,77 Euro Netto sind rd. 1293,– Euro Bruttolohn in Deutschland. Das sind im übrigen auf 35h gerechnet in etwas diese ominösen 8,50 Euro/h aus der Koalitionsverhandlung. Vielleicht ausgerechnet (wohl eher nicht). Das sind jedoch schon einmal 1 Euro weniger als in Frankreich. Der französische Arbeitgeber hat aber auch noch erhebliche Arbeitgeberbeiträge zu zahlen. Im Endeffekt kommt er so weit ich das erkennen kann grob auf 1700 Euro Kosten. Das sind so etwa 10% höhere Kosten als ein vergleichbarer Deutscher Arbeitnehmer. Zudem kann der Deutsche mehr als 35h/Woche arbeiten, was ihm auch einen um 10-20% höheren Verdienst ermöglicht.

Fazit: Deutschland hat win/win — selbst bei 8,50 Euro Mindestlohn in Deutschland würden in Frankreich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber immer noch schlechter weg kommen. Im Wettbewerb ist das französische Modell unterlegen und das hat seine Gründe.

Richtig wäre es – ich wiederhole mich – in Deutschland den Nettolohn zu erhöhen bzw. die Sozialabgaben im relevanten Bereich zu senken (nicht im untersten Lohnbereich, sondern knapp darüber). Und dann kann man sinnvoll einen komparativen Mindestlohn setzen. Der läge nach Lage der Dinge dann unter 8,00 Euro, wobei der Arbeitnehmer dann immer noch mehr Kaufkraft als der Französische Kollege hätte.  Die Kosten der Arbeitgeber würden nicht wesentlich steigen und zusätzliche Arbeit nicht erschweren.

–> Es sei noch erwähnt das im Verlaufe gerade der letzten Jahre etliche (auch zusammenfassende) Studien zum Thema veröffentlicht wurden. Der Tenor ist m.E. einigermaßen eindeutig, wenn auch stark interpretationsbedürftig:

Mindestlöhne

–  kosten wenig, und wenn dann „nur“ im Bereich der Jugend/Frauen/Minderheiten Arbeitsplätze (siehe auch Artikel in der SZ; Gegengengesteuert wird mit 75% bezuschussten… also 1-Euro-Jobs)

schaffen keine Arbeitsplätze (erschweren im Gegenteil regelmäßig selbiges, da falsch angewendet)

verteilen nicht von unten nach oben sondern nur die Einkommen innerhalb der unteren Einkommensbezieher wenn man sich Familieneinkommen betrachtet (das ist signifikant, auch in Frankreich zu sehen und explizit auch ein Ziel des SMIC)

Das mag man für erstrebenswert halten. Ich halte es für das übliche – eine politische Lösung für ein ökonomisches Problem welches die Entscheidungsträger nicht verstehen oder/und nicht anders als mit dem Holzhammer zu lösen in der Lage sind. Im übrigen darf man sich überlegen wie bei 13% welche in Frankreich den Mindestlohn bei 35 Wochenstunden beziehen die Arbeitslosenquote ohne diese Deckelung aussehen würde. Und was die nächste Forderung in Deutschland sein könnte.

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2 Responses to “Ach diese Franzosen mit ihrem Mindestlohn – und die Koalition”
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  1. […] ja gut. Die französischen Mindestlohn-Verteilungs-Regeln funktionieren ebenfalls so. Auch das hatten wir bereits. Dort erhalten 13% aller Beschäftigten den Mindestlohn – gedeckelt gerade knapp oberhalb der […]

  2. […] und die Arbeitgeberkosten mit damals noch hypotetischen 8,50EUR Mindestlohn in Deutschland verglichen. Resultat war, das sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber schlechter […]



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