Randnotiz: USA verbraucht inzwischen mehr Mais für Treibstoff als für Nahrungsmittelproduktion

Eine Randnotiz. Aber bitte. Im Blog schon behandelt unter E10 und Mais-Nahrungsmittelpreisen.

Die Grafik spricht fast für sich. Wurden 1980 noch etwa 80% des Ertrages des Mais-Exporteurs Nr. 1 als Nahrungsmittel verwendet sind es nurmehr etwa 1/3. Ertragssteigerungen kamen  in der Hauptsache durch effektivere Nutzung der gleichen Fläche (+50% seit 1980) und ansonsten aus Umwidmungen u.a. von Sojabohnen oder Baumwolle.

cornuse

Strong demand for ethanol production has resulted in higher corn prices and has provided incentives to increase corn acreage.

Inzwischen könnte man mit dem in den USA zu Ethanol vergorenen Mais etwa 400mio Menschen ernähren. Ich bin mir da jetzt nicht so sicher wie man sich dabei fühlen sollte wenn man weiß das manche auf „die Märkte“ schimpfen wenn es um die Preise für die weltweite Nahrungsmittelversorgung  (hier: Nahrungsmittel Nr.1) geht. Man hatte bewusst Ackerfläche als Alternative für Benzin gefordert, monetär gefördert und damit den Preis und die Letztverwendung gesetzt. Das Resultat musste jedem bekannt sein. Ich bin jedenfalls nicht so wirklich glücklich darüber. Obschon man willküren kann das ansonsten das Öl weniger lang ausreichen würde und ggfs. teurer wäre. Der Preis ist jedenfalls auch so sehr hoch – und wird nicht durch uns bezahlt.

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Comments
5 Responses to “Randnotiz: USA verbraucht inzwischen mehr Mais für Treibstoff als für Nahrungsmittelproduktion”
  1. Wie kommst Du auf 80% und ein Drittel? Aus der Graphik geht das nicht hervor.

    Die Fuel gegen Food Story finde ich zu einfach gestrickt. Zum einen müssen Produktionsreserven da sein, wenn große Preisvolatilität vermieden werden soll und zum anderen gibt es auch beim Ackerbau Lerneffekte und dafür muss Absatz da sein zu einem vernünftigen Preis. Das ist natürlich nicht ganz so wie bei PV, aber das immer auf Knappheit zu reduzieren, halte ich auch für zu kurz gegriffen.

  2. Du liest die Grafik als feed and residual use = Nahrungsmittel und food, seed and industrial use und alcohol = nicht Nahrungsmittel???

    Feed ist Futter für Tiere, food ist Futter für Menschen, residual use ist ? Und industrial use?

    Vermuten würde ich, dass ohne Tierfutter 1980 15% für Nahrungsmittel war und es heute ähnlich viel ist. Mit Tierfutter 1980 über 95% und heute etwa 60%.

    Das mit den höheren Preisen, wenn da kein Puffer ist und keine Subventionen gehen in guten Jahren die Preise baden, das ist kurzfristig gut für die Hungernden, die ohne Subventionen dem Weltmarktpreis ausgesetzt sind. Nur, da gehen dann Bauern Pleite, Ackerland wird aus der Produktion genommen und in einem schlechten Jahr explodieren die Preise und gebrannte Bauern lassen sich nicht für unsichere Einkünfte wieder zurück locken.

    Zur Sicherstellung eines Puffers brauchen wir Überproduktion und dafür einen Markt, teils ist das Tierfutter, aber auch Ethanol passt da rein. Und mit dem Markt lohnt sich auch Technologieentwicklung, was langfristig durchaus trotz begrenztem Ackerland zu sinkenden Preisen führen kann.

    Auch bei PV geht der Preis bei mehr Nachfrage zunächst nach oben, bis halt neue Kapazitäten dazu gebaut worden sind. Lerneffekte sind bei PV zur Zeit stärker als bei Mais, und scarcity effects weniger offensichtlich, aber ganz ausblenden sollte man Lerneffekte bitte auch nicht, und das reduzieren auf böse Subventionen für Ethanol und reiche Farmer, die zu Lasten der armen, ausgebeuteten Afrikaner gehen. Gerade Afrika könnte sich sehr gut selbst versorgen, wenn da die Erträge ähnlich hoch gingen wie in den USA (so ein Faktor zehn müsste da schon drin sein, wenn man den Durchschnitt für Mais in Afrika mit best of the class Erträgen in den USA vergleicht.

    • aloa5 sagt:

      Du liest die Grafik als feed and residual use = Nahrungsmittel und food, seed and industrial use und alcohol = nicht Nahrungsmittel???

      Nein, ich ziehe feed und food als Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelherstellung zusammen. Den genauen %-Satz kann man nicht ablesen (da das in blau und rot enthalten ist) aber mit 80% für 1980 bin ich m.E. auf der sicheren Seite.

      Vermuten würde ich, dass ohne Tierfutter 1980 15% für Nahrungsmittel war und es heute ähnlich viel ist. Mit Tierfutter 1980 über 95% und heute etwa 60%.

      Ich bin mir nicht sicher was Du meinst. 1980 wurden 5Mrd bushel Mais produziert, praktisch komplett blau/rot. Im Jahr 2012/13 sind es knapp 12Mrd bushel, davon etwa 5Mrd für die Ethanolproduktion, das sind rd. 40%. Es bleiben insgesamt etwa 60% (rd. 7Mrd bushel) für alles andere.

      In absoluten Zahlen scheint es etwas gleich geblieben zu sein. Wobei auch das ein interessanter Punkt ist. Die Bevölkerung der USA lag 1980 bei 226,5mio Menschen, aktuell sind es 313,9mio.

      Zur Sicherstellung eines Puffers brauchen wir Überproduktion und dafür einen Markt, teils ist das Tierfutter, aber auch Ethanol passt da rein.

      Ich gönne den Landwirten das Geld. Ethanol bringt insgesamt den Landwirten gutes Geld. Aber es ist schon so, das dies eben den Preis bestimmt. Und so auch den niedrigen Preis aktuell. Der Grund steht hier:

      Aus der Verantwortungs-Nummer kommt man nicht heraus. Man kann sagen das ist gut für die Farmer, man kann sagen das ist gut für die Ökologie, aber man kann nicht die Verantwortung für die hohen Weltmarktpreise für Mais und die von Mais verdrängten Nahrungsmittelpflanzen abwälzen.

  3. Na ja, die 80% und 1/3 halte ich für niedrig, ich denke, dass außer für Ethanol wahrscheinlich fast alles irgendwie mit Essen zu tun hat. Auch ist der Unterschied zwischen food und feed durchaus wichtig, da ein kg Mais direkt 3 mal so viele Menschen ernährt wie über den Umweg Hühner und zehnmal so viel wie bei Rindern (oder so ähnlich, genaue Zahlen will ich jetzt nicht nachsehen).

    Was für Bauern gut ist, ist teils auch für Afrika gut. Schließlich kann nicht nur Mais exportiert werden, sondern auch Wissen. Wie heißt es so schön: gib mir einen Fisch und ich habe heute zu essen, lehre mich das Fischen und ich habe immer etwas zu essen.

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