Exportmodell: Wo das DIW und die USA recht haben (und wo nicht)

Die Deutschen sind zu exportorientiert, so die USA. Marcel Fratzscher, der Chef des DIW Berlin antwortet die Deutschen seien einfach gut. Export wäre in dieser Höhe in Ordnung. Der Euro-Wechselkurs sei nicht Schuld daran, denn dessen Schwankungen hätten den Eport nicht beeinflusst, wir(tm) würden jedoch zu wenig im Inland investieren. Die Importe seien durch die Investitionslücke zu niedrig und nur diese für das ganze verantwortlich. Zudem seien wir keine Konkurrenzen für Rest-Europa (nur 2% Exportüberschuss), schon gar nicht für Griechen und andere Krisenländer.

Na. Dann wollen wir einmal. Das ist ja nicht der „Spiegel“ hier.

– Die Euro-Kursschwankungen sind nicht Schuld. Natürlich nicht. Trotzdem ist der Euro der Hauptschuldige. Hätten wir die DM sähe das ganze vollkommen anders aus. Da geht es dann nicht um ein paar kleine Kursschwankungen. Wir reden von Korrekturen welche sich im Bereich des schweizer Franken bewegen. Das sind dann je nach Vergleichs-Währung (Drachme, US$ o.ä.) Kurskorrekturen zwischen 10% und mehr als 50% Auf- bzw. Abwertung fällig. Und das dies Auswirkungen auf den Absatz hat möchte man wohl nicht bestreiten wollen. Der Euro hat diese Aufwertung einer (gedachten) Deutschen Währung verhindert was überhaupt erst zu dieser exponierten Export-Stellung geführt hat. Also Herr Fratzscher hat recht. Der Wechselkurs des Euro ist nicht dafür verantwortlich. Der Euro ist es.

– Die Griechen. Wer den Blog längere Zeit verfolgt hat letztes Jahr einen Blogbeitrag mit deren Entwicklung lesen können. So wie den Deutschen die fehlende Aufwertung geholfen hat, hat den Griechen die fehlende Abwertung geschadet. Industrien wie Telefone und Textilien sowie der Tourismus sind zusammengebrochen. Nein, wir konkurrieren nicht mit den Griechen um Strand am Mittelmeer und die T-shirt-Produktion. Das ist dabei aber auch nicht die Fragestellung. Der Effekt kommt über die Bande gespielt.

– Die Investitionen. Der positive Außenhandelssaldo beträgt rd. 190Mrd Euro (2012). Wir hatten letztens einen Beitrag dazu. Nun. Bruttoanlageinvestitionen des Staates 2012 betrugen 41Mrd Euro. Die nichtstaatlichen Sektoren lagen bei 429Mrd Euro. Zusammen immerhin 470 Mrd Euro. Eine Steigerung um 190 Mrd würde eine Steigerung um 40% bedeuten und sich auf 660Mrd Euro aufsummieren. Das wäre dann eine Quote von 25% des BIP (2,66Billionen). Das gab es schon einmal in den Jahren 1970-1972. [Jetzt einmal nur unter uns: 2013 ist nicht wirklich mit 1970 zu vergleichen; wir hatten das schon einmal beim IFO-Wunderland der Investitionen; das ist eine kleine liberale fairy-tale, eine Geschichte ].

Des geht so gar nicht, zumal ja 190Mrd an Importen fehlen würden, nicht an Investitionen (und die sind nur zum Teil aus importen bestehend). Investitionsquoten von 30-40% des BIP (das müssten dann sicherlich mehr als 800Mrd Euro sein) kann man m.E. als utopisch bezeichnen.
Richtig ist daher etwas anderes und leicht anhand des obigen nachzuvollziehen. Wir könnten mehr investieren, müssten jedoch insbesondere das machen was die Südländer nicht durften vor der Krise (aber getan haben), nämlich mehr konsumieren. Dafür fehlen die Voraussetzungen. Man hätte das was bereits etliche (auch in den USA) herausgefunden haben verinnerlichen müssen, nämlich das die Trade-surplus/Gewinne nur bei einigen ankommt, aber nicht weitergereicht werden.

One of the interesting things that the paper makes clear is that the normal compensation for losses from trade mechanisms – especially the Trade Adjustment Assistance Act – are rounding errors. The real mechanisms for redistribution from trade are workers going on disability and health insurance compensation. Food stamps play a major role, and the growth of food stamps over the past two decades should be thought of as as part of trade policy in addition to welfare policy.

Diese Verteilung – vertikal – kann nicht über Löhne hergestellt werden. Einzug und Verteilung müsste letztlich anders erfolgen. Beispielsweise über die Sozialsysteme.

Aber das möchten viele so nicht wahr haben. Das verweisen auf „fehlende Investitionen“, meist auch noch gepaart mit irgendwelche dubiosen (aber schlicht falschen) Erklärungen weshalb in Deutschland nicht investiert würde (siehe Blogbeitrag vom 17.10.) ist mehr ein hilfloses zucken. Der Markt funktioniert nicht so wie sich mache welche an selbigen „glauben“ sich das vorstellen.

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