Die Bedenkzeit ist um, Herr Weidmann (Bundesbank)

Es fällt mir nicht immer leicht etwas zu schreiben. Manchesmal überlege ich mir ob es die Mühe Wert ist oder warte ab ob ich mich ein, zwei Tage später immer noch über einen Vorgang ärgere oder wundere.

Ich ärgere mich heute immer noch über die Aussagen des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann vor ein paar Tagen.

„Mehr Vorbildcharakter würde ich mir indes von der aktuellen deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik wünschen“,

Das hat er gesagt und erklärt die Deutschen hätten ja anderen (in Europa) vor 10 Jahren (Hartz-Gesetze)  gezeigt wie man Arbeitsmarkt- und Sozialreformen durchführt. Wie sie sich „auszahlen“. Es ist als ob es die Krise im Euro-Raum nie gegeben hätte.

Zur Rückschau. Deutschland war der Vorreiter, hatte gespart und u.a. Löhne gesenkt, Leistungen an nicht-Arbeitende gekürzt, MwSt erhöht, Geriestert etc.. Das ganze in einer Zeit in welcher kein außenwirtschaftlicher Ausgleich durch DM-Aufwertungen erfolgen konnte. Das Gegenteil eines Euro-Stabilitätspaktes, eine „Schröder-Therapie“ also. Das kam uns als sparenden „Vorreitern“ natürlich zugute, weshalb wir(tm) fein heraus sind. Fein heraus sind nachdem wir die übrige Euro-Zone mit unserem nicht kompensierten Sparpakt mit uns selbst außenwirtschaftlich geschädigt und den Euro mit in die Lage gebracht haben in welcher er sich aktuell befindet. Es ist nicht die alleinige Schuld der Schröder-Therapie aber auch maßgeblich. Denn wie m.E. eigentlich Konsens sein sollte kann man innerhalb einer Währungsunion nicht schalten und walten wie man möchte ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. Und volkswirtschaft – so sollte man meinen – ist es doch ebenso logisch das ein Überschussland innerhalb der Euro-Zone nicht in einen Sparrausch verfallen darf. Das Gegenteil ist vernünftig um das Gefälle zwischen den Ländern zu reduzieren, nämlich das Defizit-Länder sparen und Überschuss-Länder eben nicht.

Und nun kommt der Deutsche Bundesbank-Chef und erzählt das Gegenteil. Wir müssten immer noch einen Tick mehr sparen – immer mehr als andere um diese zum Sparen zu animieren. Da rudert man innerlich fassungslos mit den Armen.

Es wurde nichts, aber auch gar nichts aus der Krise gelernt. Und dann kommt noch die FAZ mit einem ähnlichen Doppelschlag in Form von inhaltlich unsäglichen Artikeln des altbekannten HW Sinn und des alten Bekannten Walter Hamm. Das HW Sinn weiterhin eine Plattform geboten wird seine inhaltlich absurden Thesen zur Krise zu veröffentlichen ist ebenso ein schlechtes Zeichen dafür das sich an der Haltung vieler nichts geändert hat. Man hat weder die Krise verstanden noch handwerklich/logisch das Schuldenproblem der Banken. Wenn man Sinn unterstellt das er es fachlich „kann“, dann nutzt er die Plattform absichtlich um anderen ein Droszenario, so absurd es ist, aufzubauen um sie zu erschrecken und aufzubringen. Und wenn er es fachlich nicht versteht oder nicht verstehen möchte – ja dann was? Mit Billionen herumwerfen obwohl das überhaupt und in keinster Weise der Realität entsprich auf der einen Seite und auf die Euro-Zone bezogen volkswirtschaftlich absurde Forderungen eines Bundesbank-Chefs auf der anderen Seite und auf der Dritten Seite noch Blätter welche das mehr oder minder wohlwollend kommentieren lassen oder noch einen drauflegen. Ganz besonders mag ich Kommentare das man doch in Ländern mit um die 20% Arbeitslosen die Rente später beginnen lassen solle. Da weiß ich als nicht ob ich lachen oder weinen soll.

 

Qualitativ trostloser kann es kaum werden. Also liebe Leser – wer hat noch mehr davon gelesen in den letzten Tagen? Ich bin inzwischen weitgehend schmerzfrei und kann noch ein paar Links zu Artikeln ertragen. Mit etwas schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Zynismus kann ich sogar darüber schmunzeln.

 

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Comments
2 Responses to “Die Bedenkzeit ist um, Herr Weidmann (Bundesbank)”
  1. Stefan Rapp (PotzBlitzDonner) sagt:

    Das ist jetzt ein anderes Thema aber mich hat folgender FAZ Beitrag zu Minijobs am WE iritiert:

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/mehr-minijobs-13038814.html

    eine äußerst abenteuerliche Interpretation von Durchschnittswerten.

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