Opportuninätskosten und Sozialversicherung in der Asylfrage

Zynisch mag es anmuten – aber befassen wir uns einmal mit der Frage was mehr kostet… Einwanderer aufnehmen oder ablehnen? Schon alleine deswegen weil dies oft ein politischer Streitpunkt ist. Im Blog-Beitrag zuvor hatte ich kurz die Rente und die Demographie angesprochen. Nun im Zusammenhang mit der Zuwanderung noch einmal ein Streifflug durch die Statistik der Einwanderungen. Ein paar Daten anstelle von reinen Annahmen.

 

Es sieht kurz zusammengefasst monetär so aus: es ist gleichgültig, wenn man die Auswirkungen einer auf m.E. etwa 69mio Einwohner schrumpfenden Bevölkerung bis ins Jahr 2060 ausser acht lässt.  Einwanderung bringt einen späteren Vorteil welcher jedoch im „Renteneffekt“ nicht so groß ausfallen dürfte das es ins Gewicht fällt, jedoch „Startkosten“ z.B. der Integration mehr als wettmacht.

Wir werden ab 2030 strukturelle Probleme bei Umfinanzierungen erhalten. Und das nicht primär in der Rentenkasse als solchem wie man in der eher kurzsichtigen Presse oder der Politik fälschlicherweise kolportiert. „Die Rente“ ist immer so  sicher wie die Basis an Arbeitskräften welche arbeitet im Verhältnis zu denen steht, die nicht arbeiten. Und dieses Verhältnis ändert sich laufend. Wie man „die Rente“ oder genauer gesagt all das finanziert was alle nicht arbeitenden verbrauchen, ist relevant. Dabei geht es jedoch nicht um Kapital- oder Umlagerente, sondern mehr um eine Steuerfinanzierung. Geld muss von den Arbeitenden zu den nicht arbeitenden. Wenn eine bisherige SV-pflicht weite Teile der Basis der Einkommen nicht erfasst, sich jedoch die Empfänger ausweiten muss man ein anderes Regelwerk finden. Eine Umlage ist es dennoch. Das ganze über Assets zu führen ist kurzsichtig.

Eine Verhältniszahl zu Beginn. In 2013 waren es 81mio Bürger zu 49mio Personen welche zwischen 20 und 65 Jahren alt waren, das sind rd. 60%. Das ist ein Anhaltspunkt für die Anzahl derer welche effektiv arbeiten.  Die 13. Vorausberechnung hat bei einer Zuwanderung (netto) von +100.000 für das Jahr 2030 nur noch 79,2mio Bürger zu 43,6mio Bürger zwischen 20 und 65 Jahren errechnet. Das sind nur noch 55,05% der Bevölkerung. Bei einem Zuzug selbst von rd. +200.000 im Schnitt liegt es bei 80,9mio zu 44,8 mio,  das sind 55,37%. Von da ab geht es weiter „bergab“ (aber angemerkt bei weitem nicht mehr so steil(!)), 2060 werden es nur noch 50,7% (bei +100.000 Migraten)  bzw. 51,8% (+200.000 Migranten) sein.   Die Nettozuwanderung zwischen 1995 und 2010 hat sogar nur einen Schnitt von +92.000 pro Jahr an Zuzug (netto) aus dem Ausland erbracht…. inkl. der bis 2004 noch ankommenden Spätaussiedler und Asylsuchenden u.a. aus Ex-Jugoslawien.

Sieht dramatisch aus, „alte“ blogleser wissen jedoch aus dem früheren Beitrag das die daraus resultierende Hysterie wertlos und zielgerichtet (oder schlicht dumm) ist, da wir diese 50% Anteil der Personen zwischen 20 und 65 Jahren bereits im Jahr 1970 hatten. Das Ende der Welt ist damals nicht eingetreten, dabei lag damals die Erwerbstätigenquote extrem niedrig bei unter 43% (heute eher 50%)! Erkennbar ist, das eine höhere Zuwanderungsrate das Verhältnis leicht verbessert. Aber bei 0,32% Änderung bis 2030 erscheint das aus dem Rentenaspekt heraus nicht relevant.  Ach…. und zum „Tempoeffekt“ und der daraus resultierenden wertlosigkeit o.a. Werte und der kompletten Rentenpanik später noch etwas.

Betrachten wir Schaubilder zu vorhandenen Aussagen welche ähnlich der Rentendiskussionen recht uninformiert daherkommen. Zuerst einmal die „Vergangenheit“ der 16mio Einwohner Deutschlands welche etwa hälftig Ausländer oder Deutsche mit Migrationshintergrund sind [Anm.: es sind weitaus mehr wenn man eine Generation weiter rechnet – ich meine die Zahl läge über der 30mio Marke]. Deutschland hatte bereits in der Vergangenheit Einwanderung. Aus diesen Erfahrungswerten kann man versuchen auf zukünftiges zu schliessen.

Wanderungssaldo Ausländer inkl Einbürgerungen

Bemerkenswert dabei, das bis 2010 die Anzahl derjenigen welche sich einbürgern lassen jew. den aktuellen Einwanderungssaldo übersteigen. Diese Bürger entstammen also aus den Einwanderungsjahren davor. Gedanklich kann man sich die +200.000 Einwohner-Marke einziehen welche bei den Vorausberechnungen die beim statistischen Bundesamt gefunden werden können gerne genommen wird.

 

Der „Zuzug“ in die Sozialversicherung welcher oft angenommen wird sieht so aus:

Ausländer - Anteile nach Beschäftigungsart 2014 511

Von 8mio Ausländern haben also 2,5mio eine SV-pflichtige Beschäftigung, 500.000 geringfügig, ebensoviele arbeitslos. Das ist jedoch nur eine Erstrundenbetrachtung. Erst wenn wir wenigstens die nächste Stufe, die der Einwohner mit Migrationshintergrund (sowohl mit deutscher Staatsbürgerschaft als auch Ausländer), betrachten wird das Bild etwas verwertbarer.

Bevölkerung Migrationshintergrund Erwerbspersonen

Es gibt wie man sieht keinen großen Unterschied anhand dessen man anhand der Vergangenheit einen übergroßen Zuzug in die SV festmachen könnte.

 

Die Statistiker und „Bevölkerungsvorausberechner“ sind sich ansonsten recht uneinig. Sehr uneinig. Bei destatis getätigte Aussagen widersprechen sich m.E. teilweise gegenseitig. Wie obig skizziert fällt ein Unterschied von +100.000 auf +200.000 zusätzlichen Migranten pro Jahr nicht weiter ins Gewicht. Ein Grund dafür ist, das sich Migranten in der 2. Generation im Geburtsverhalten den Deutschen anpassen. Die Geburtenraten sind jedoch auch nicht so wie es die Statistiker früher angenommen haben. Durch den sog. „Tempo“-Effekt liegen wir vermutlich eher bei 1,6 denn bei 1,4 Geburten pro Frau [Milewski 2010] . Das haben die Forscher jedoch noch nicht verinnerlicht… schon schwierig zu verdauen das Frauen nicht weniger Kinder bekommen nur weil sie diese später erhalten und die Statistik-Methodik .evtl. Mist war welche man zur Panikmache genutzt hat und in jedem Schulbuch  seit Jahren lehrbuchmäßig 1,4 steht. Immerhin. Rechnet man die Variante 1,6 Kinder pro Frau und einer Einwanderung von +200.000 Personen sieht es lt. Statistikern im Jahr 2060 so aus: 76,9mio Einwohner, 41,5mio Ew zwischen 20 und 67 Jahren und damit einer Quote von 54% – bei fast gleicher Bevölkerungszahl wie heute! Die Urban Legend ist jedoch in der Welt. No way out.

 

Und nun – ganz am Ende des Artikels – noch einmal zum Titel und den Kosten. Es ist nicht so einfach wie mancher das darstellt . Würde man das Geld beispielsweise an Steuern zurückgeben bzw. Steuern senken hätte man ein noch schlechteres Ergebnis als bei „Helikopter-Geld“. Ausgegebenes Geld ist ausgegeben und sofort konsumwirksam. Steuergeschenke gehen lediglich in geringerem Umfang (1-x)  in den Konsum. Welchen Wert der Erhalt der Bevölkerungsdichte hat, ob nicht sogar ein schrumpfen ökonomischer wäre kann wohl keiner werthaltig sagen. Ich habe da ganz persönlich einen pragmatischen Standpunkt. Letztlich mehrt sich volkswirtschaftlich der Wohlstand wenn die Anzahl der Abnehmer und Produzenten wächst. Es ist müssig – und nicht ungefährlich – sich den Absatzmarkt bzw. diese Art Wachstum nur ausserhalb zu suchen. Die Weltwirtschaft hat dies gelehrt. Es mag sozial und auch ökonomisch sinnvoller erscheinen sich das Wachstum gewissermaßen ins Land zu holen und zu „verdeutschen“. Es mag Stabilität bringen und bildlich volkswirtschaftlich treffsicherer erscheinen 5 Griechen ins Land zu holen und auszubilden als Geld nach Griechenland zu schicken – vor allem wenn es ausserhalb bröckelt . Das volkswirtschaftliche Plus an Wohlstand (BIP) ist hier kontrollierbarer, während auf anderem Wege ggfs. lediglich ein wertloses Schuldverhältnis begründet wird.

Opportunitätskosten. Lässt man keine Einwanderer ein sinkt die Bevölkerungszahl. Wenn die Demographie einigermaßen in Ordnung ist, hat man noch strukturelle Probleme mit der Bevölkerungsverteilung. Und man hat durch das schrumpfen der Bevölkerung theoretisch Probleme das BIP entsprechend zu steigern, was insb. bei Verschuldungsquoten interessant wäre. Das monetär umzurechnen ist nahezu unmöglich. Der Vergleich eines aktuell gewinnbringend erscheinenderen Einsatzes von 10Mrd Euro mit sehr langfristigen Überlegungen gegenzurechnen deren Wert u.a. aus Stabilität und Standortvorteilen besteht ist schwierig. Es hat Beides etwas für sich. Monetär gesehen. Ich denke jedoch das man anhand meines Beitrages hier durchaus nachvollziehen kann das vieles von dem was man gemeinhin annimmt durchaus als falsch durchgeht.

Augen auf – wie immer. Jeder Zeitungsartikel ist potenziell ein Märchen.

Comments
4 Responses to “Opportuninätskosten und Sozialversicherung in der Asylfrage”
  1. Neben deiner interessanten Prognose, dass die Zahl der Kinder pro Frau in den nächsten Jahren leicht steigen wird, sehe ich vor allen Dingen, dass die Beschäftigungsquote auch bisher bei Ausländern geringer ist als in der Gesamtbevölkerung und sich erst in der zweiten Generation einigermaßen angleicht. Bei der Produktivität der Stellen, die von Ausländern bzw. Deutschen besetzt werden, sind die Unterschiede wahrscheinlich noch größer.

    • aloa5 sagt:

      Das ist weniger meine Prognose als der Stand der Dinge. Zum einen gehen sie bereits nach oben:

      https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/_Grafik/Fokus_Lebendgeborene.png?__blob=normal

      Wir waren bereits bei rd. 670Tsd Geburten/Jahr und sind nun bei rd. 720Tsd.

      Zum anderen hat man bisher mit falschen Prognosemethoden gearbeitet. Die TFR (total fertility rate) hat eine Nachbesserung erfahren mit TFR* (einem Stern dahinter). Hintergrund ist die Berechnungsmethode welche offenbar das nach hinten verlegen der Geburten nicht berücksichtigt hat. Sprich, wenn früher im Schnitt mit 24 Jahren das erste Kind kam und (einmal angenommen) schlagartig erst mit 35 Jahren, dann würde der alte TFR erklären es gäbe viel weniger Geburten pro Frau – obwohl die Zahl am Ende gleich sein kann. Einfach dadurch das eine Verschiebung um 11 Jahre für diesen Zeitraum auch eine niedrigere Geburtenzahl erbringt.

      Der „TFR“ hat beispielsweise angezeigt das die Geburtenziffer in Ostdeutschland zwischen 1990 und 1995 von 1,5 auf etwa 0,75 gesunken war. TFR* war vermutlich nie weit unter 1,5 (wenn überhaupt).

      http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo1201.pdf

      Bei der Beschäftigungsquote irrst Du Dich. Die Erwerbstätigenquote 2011 in der Gesamtbevölkerung lag 2011 bei 48,8%. Bei den 7,2mio Ausländern lag diese bei 49,6%. Das liegt entgegen der Erwerbslosenquote (welche mit 11,2% höher als die 5,9% der Gesamtbevölkerung lag) an den 55,8% Erwerbspersonen welche bei der Gesamtbevökerung nur 51,8% liegt. [Und anhand selbiger wird die Erwerbslosenquote gemessen]

  2. Was die Beschäftigung von Ausländern angeht, hattest du oben doch schon neuere Zahlen. Ich habe mich nur auf deine Zahlen berufen.

    • aloa5 sagt:

      Da gibt es Verwerfungen. Von 2011 an kommen erheblich mehr Ausländer hinein (300.000 in 2011 – 580.000 in 2014) als es Zulassungen zum Arbeitsmarkt gibt (rd. 100.000 pro Jahr). Im Jahr 2008 gabe es demgegenüber nur 10.000 Einwanderer Netto bei 170.000 Zulassungen zum Arbeitsmarkt.

      Oder anders: es sind von 2011-2014 ca. 1,7mio Einwanderer (netto) zugezogen bei etwa 400.000 Zulassungen zum Arbeitsmarkt. Daher ist die Erwerbsquote nicht korrekt, da m.E. auch nur diejenigen welche Arbeiten dürfen gezählt werden.

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