Der Mindestlohn in Großbritannien wächst zum Problem heran – Schlaglicht Lowpay-Report 2015

Leider vorhersehbar wird der Mindestlohn in England auf Dauer zur Belastung. Es ist schon länger die Rede hier im Blog, das ein „zu hoher“ Mindestlohn insbesondere in schwierigen Gewässern der Wirtschaft bzw. Schwankungen Probleme mit sich bringt bringt. Ein typisches Anzeichen dafür ist, das die Anzahl der vom Mindestlohn erfassten relativ kontinuierlich ansteigt wie im Report der britischen Lowpay-Kommission zu sehen ist.

minimum wages UK long term1

Das geschieht nach und nach. So lange man den Mindestlohn insbesondere im Verhältnis der Kosten zum Ausland steigern kann ist noch einigermaßen gut. Das Ausland ist für GB noch einigermaßen im Griff zu halten, da sie den Euro nicht haben und etwas steuern können. In Frankreich welches den Mindestlohn m.E. schon seit den ´50ern hat liegt der Anteil der durch den SMIC erfassten weit darüber. Der Scheitel dort war im Jahr 2005 mit 16% aller Arbeitnehmer erreicht, wurde dann zum Höhepunkt der Krise 2009 auf 9,3% abgeschmolzen und erfasst seit 2015 11,1% aller Arbeitnehmer sowie darunter 25,6% aller Teilzeitbeschäftigten. Dabei sieht es in Frankreich insgesamt auf die Sektoren Verteilt so aus:

MinimumFR1

 

Darunter auch 34,8% aller Beschäftigen in der Gastronomie, dabei 57% aller Teilzeitbeschäftigten dort und u.a. 65% aller im Fast-Food-Bereich. Ich hatte bereits 2013 im Blog die Kaufkraftparitäten und die Arbeitgeberkosten mit damals noch hypotetischen 8,50EUR Mindestlohn in Deutschland verglichen. Resultat war, das sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber schlechter dastehen.

Nun folgt England also m.E. dem vorgezeichneten Weg. Die 3mio Arbeitnehmer sollen fast 7% derArbeitnehmer entsprechen. Den Wert inkl. der nächsten Erhöhung wurde durch mich gewählt, da einige Arbeitgeber die Erhöhungen vorweg nehmen und immer knapp über dem aktuellen Limit liegen.

Wie in Frankreich steht natürlich auch in GB die Frage im Raum was zuerst war – schlechte Konjunktur, schlechte Rahmengegebenheiten oder der Mindestlohn. Befürworter eines Mindestlohnes finden nichts schlechtes daran, oft gleichgültig welche Höhe dieser hat. Auch Ökonomen ziehen das des öfteren nicht in Betrachtungen mit ein – ein Fehler, exzessiv besprochen auch anhand schlechter Studien dazu [1,2,3].

Der Trend in GB ist klar und wir werden in 5 Jahren einen Wert von um die 10% ff. der Arbeitnehmer dort sehen, welche Löhne innerhalb der nächsten Oktober-Erhöhung erhalten. Die Produktivität wird steigen – diese liegt auch in Frankreich nicht im untersten Bereich – und die Arbeitslosigkeit wird „nicht niedrig“ sein. Obschon natürlich die Briten wie oben erwähnt mit der eigenen Währung einen Trumpf halten. Die Exportindustrie leidet erst ab einem gewissen Punkt. Aber auch die Kosten – das Preisniveau – steigt und eliminiert zumindest echte Geldvorteile der „schlechtesten Verdiener“ durch den Mindestlohn.

Es gibt neuere Untersuchungen zu diesem Thema welche eine 10%ige Erhöhung eines Mindestlohnes mit einem 2%igem Fall an Beschäftigung verbinden. [David Neumark IZA]. Eine verkürzende Pauschalaussage welche ich nicht unterstütze, jedoch kolportiert wird. Richtig ist folgendes aus diesem Papier:

Only 12.7% of workers earning a wage of less than $7.25 an hour were in poor households, while 44.6%—or nearly half, most of whom were probably teenagers or other secondary workers—were in households with incomes three times the poverty line (or approximately $63,000 in 2008 for a family of four) or higher.

Kurz: nur 12,7% aus dem Zielbereich waren „arme“ Haushalte, die Hälfte aller durch den Mindestlohn erfassten Haushalte waren nicht arm (sondern von Jugendlichen bis Zweitverdienern „nicht armer“ Haushalte), was einer Einkommensspreizung also auch noch entgegen kommt – ganz entgegen der Intention mancher dabei. Kurz: Mindestlöhne adressieren keine allgemeine Ungleichheit bei Einkommen sondern Bestenfalls individuelle.

Weshalb ich die o.a. Pauschalaussage der Erhöhung des Mindestlohnes um 10% mit Folge der Jobverluste um 2% nicht unterstütze ist auch schnell erläutert und hat interessanterweise auch etwas mit Immigration gemein. Zum einen vorweg, das eine Untersuchung der Immigration in Dänemark über einen langen Zeitraum hinweg ergeben hat das Immigranten nicht die Löhne der einheimischen im unteren Lohnsektor senken – sondern diese erhöhen. Grund ist m.E. Sprachprobleme und andere Hindernisse insbesondere zu Beginn sowie ungeliebte Arbeiten welche auch bisher nicht von einheimischen erbracht wurden, so die untersuchenden Foget und Peri. Zum anderen wird von manchen Ökonomen [als Begründung aktueller empirischer Daten; ex post] angenommen das bei flacher, unflexibler Nachfragekurve Immigration schlicht „geschluckt“ wird und nicht zu einem starken Ausschlag bei der Beschäftigung führt. Das gleiche kann man m.E. bei Mindestlöhnen unterstellen vor allem wenn Sie sich in der Einführungsphase befinden. Pauschalisieren lässt sich das jedoch nicht! Schon gar nicht wenn es repetitive Erhöhungen sind…. womit der Wert der 10%/2% gegen null tendiert.

Als Nebensatz, weil passend auch zu letzten Blogbeiträgen, noch erwähnt das das britische Office for Budget Responsibility davor gewarnt hat Immigration zu stoppen. Dort geht es anders als bei uns darum Immigration unter die 100.000er Marke zu drücken. Ein Vorgang welches lt. Berechnungen o.a. OBR zu sinkenden Einnahmen führt mit der Begründung das Immigranten über die Lebenszeit gesehen ein Plus erwirtschaften und folgerichtig auf Dauer gesenkte Immigration dieses Plus in der Kasse fehle. So viel auch zum Thema Opportunitätskosten.

 

Fazit: Mindestlöhne sind und bleiben problematisch. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein dauerhaftes funktionieren müssen besonders gut sein. Damit sind die Regeln für Steuer- und Sozialversicherung gemeint. Blogleser aus früherer Zeit wissen wovon ich spreche.

 

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