EZB, Monetaristen und Schäuble schenken sich nichts

Schäuble – wie die CDU/CSU im Land der Sparer als solches –  ist der Ansicht die EZB müsse die Zinsen anheben. Das Politiker im allgemeinen Ökonomie-Unkundig sind ist ein offenes Geheimnis. Der Angriff auf die EZB geht denn noch weiter und zielt auf die Unabhängigkeit ab – in Form einer Prüfung ob denn die EZB all das dürfe was sie macht oder noch potenziell vor hat. Wobei dies inwzischen ja dementiert wurde. Der Zusammenhang war das Helicopter-Geld welches im Gespräch war. Das Beides mehr oder minder gleichzeitig aus der Diskussion verschwindet dürfte kein Zufall sein.

 

Die EZB und mehrere (sieben) Ökonomen wie u.a. Fratscher (DIW) und Odendahl (CER)  haben eine Lanze für die EZB gebrochen und Deutschland, auch in der Gestalt der Kritiker wie Schäuble, kritisiert.  Das wird noch deutlicher in anderen Beiträgen wie in der ZEIT und im Makronomen-Blog. Kurz für das Verständnis ein paar Dinge angesprochen anhand welcher sich die Linien dabei ziehen.

 

Zu Schäuble:

Schäuble muss aus seiner Sicht proaktiv nichts tun. Finanzen in Ordnung, Wirtschaft brummt, Arbeitslosigkeit so niedrig wie schon lange nicht. Die Geschichte mit den niedrigen Zinsen ist lediglich innenpolitisch lästig – mehr nicht. Das ist „Wohlfühl-Politik“ welche er betreibt, es sind Luxus-Probleme welche er anspricht.

Zur EZB und zu den Ökonomen:

Es sind hauptsächlich Monetaristen und „Mainstreamer“. Interessanterweise finden sich da die Keynesianer m.E. wohl auch wieder. Natürlich muss die EZB ihren Auftrag erfüllen. Sie macht das m.E. nicht wirklich verkehrt. Richtig ist auch das der Spielball eigentlich im fiskalischen liegt. Denn – wohl m.E. „erstmalig“ oder „ganz neu“ – haben manche Monetaristen erkannt das sie nicht alles mit ein paar Zinsänderungen u.a. alleine regeln können. Die Forderung ist ganz simpel: Deutschland soll Geld ausgeben. Konjunkturzyklen in der Abwärtsspirale sehen ähnlich aus wie diese Krise und sollen nach Keynes letztlich auch so überbrückt werden – der Staat soll Geld in die Hand nehmen damit die Aufwärtsspirale beginnen kann. Nachfrage wird dadurch belebt, Investitionen folgen, Neukredite der Privatwirtschaft und der Privathaushalte werden aufgenommen, die Beschäftigung und die Löhne steigen.

„Hat Deutschland nicht einen gewaltigen Nachholbedarf an öffentlichen Investitionen?“ (Herdentrieb)

Diese „Erkenntnis“ teilen jedoch nicht alle Ökonomen. Insbesondere über den Teich nach Amerika geschielt scheinen viele dort sehr zufrieden alleine mit den Erfolgen der Geldpolitik der Banken.

Wer hat „mehr“ Recht? Keiner? Alle?

Um es hart auszusprechen: Sie liegen alle nicht ganz richtig, Schäuble jedoch besonders daneben. Monetarismus hat Grenzen. Es sind Grenzen der Machbarkeit und Grenzen bei der Sinnhaftigkeit. Man kann nicht alles über reine Geldpolitik steuern. Darüber hinaus ist nicht alles Machbare empfehlenswert im Sinne von Effektivität. Man nimmt bei einem Feuer in einem Tisch-Aschenbecher keinen C-Schlauch der Feuerwehr, denn es verursacht grössere Schäden als das Feuer selbst und es gibt mindere und effektivere Mittel den Brand zu bekämpfen. So sieht es aus für das „Helikopter-Geld“. Schäuble/Deutschland sitzt jedoch am gedachten Aschenbecher und verbietet der EZB den Einsatz seiner Mittel – ohne seinerseits etwas zu tun. Er sieht nur seinen bequemen Sessel – der Brand scheint klein und der Rest der EU ist weit weg.

Die notwendige ökonomische Weitsicht fehlt im Finanzministerium als Komplex. Wobei ich noch einschränkend sagen möchte das mir Aktionismus und Panikmache auch nicht hilfreich erscheint. Manche – nicht alle – Dinge entschärfen sich nach gewisser Zeit etwas. Wie oft der Euro schon totgesagt wurde und alle Mittel welche natürlich (u.a. durch die EZB) angewendet wurden nicht greifen sollten kann niemand mehr zählen. So einfach kommt nichts, geht aber auch nichts.  Interessanterweise kann man im übrigen die Flüchtlingskrise insbesondere auf Kosten derselben innerhalb Deutschlands durchaus für einen Teil der guten wirtschaftlichen Lage hierzulande verantwortlich machen. Wofür – ob in Strassenbau oder in Flüchtlinge – Geld ausgegeben wird ist in der ersten Runde völlig einerlei. Das andere Ökonomen – aus dem Ifo-Institut – 10Mrd an Kosten für die Flüchtlingskrise errechnen und bemängeln geht also an die uneinheitliche Adresse „der“ Ökonomen zurück. Auch das Helicopter-Geld hat mehr als einen Pferdefuß, wird u.a. doch bemängelt das gerade bei selbigem vieles wieder in den Sparstrumpf gesteckt wird und damit verpufft und ineffektiv ist (und steigene Ungleichheit bewirkt).

Weiterhin hat die EZB als solches korrekt gehandelt mit den Niedrig-Zinsen. Ich kreide jedoch u.a. den oben genannten 7 Ökonomen etwas an.

„Gleichzeitig müssen viele europäische Länder – übrigens auch Deutschland – ihre Sozialversicherungssysteme reformieren, die wegen des demographischen Wandels und des geringen Potentialwachstums unter Druck stehen. Hierbei sollte es um langfristige Maßnahmen gehen, um die aktuelle Nachfrageschwäche nicht zu verschärfen.“

 

Diese Aussage ist korrekt, das Fazit ein Stück weit entlarvend. Die Rede ist von der Einführung einer kapitalgedeckten Rente bzw. einer höheren (privater) Sparquote (welche durch das zitierte adressiert wird). Richtig wird geschlussfolgert, das wenn man Geld vom Konsum weg auf die Bank und in „Investitionen“ (ja – wohin nur? Assets, Finanzanlagen) trägt dies das exakte Gegenteil dessen ist was man in derzeitiger Situation benötigt und was von Schäuble ansonsten gefordert wird.

Das wird nicht zuende gedacht und auch nicht schlüssig bearbeitet. So wie das abführen in die Sparquote negative Erfolge zeitigen würde führt es vice versa auch zu einem anheizen des Konsumes. Anders im übrigen als Helicopter-Geld oder Schuldenaufnahmen des Bundes nicht einmalig sondern dauerhaft. Da haben jedoch Beide ein noch grösseres Problem damit, und zwar ideologische. Dabei wäre die Eingriffstiefe nicht einmal sonderlich groß, da laufende Geldströme bei weitem nicht die Höhe einmaliger Aktionen erreichen müssen und dürfen. Zudem würde man damit die Ungleichheit – ein großes Thema aktuell in den USA – adressieren sowie längerfristig stabilisierend wirken.

 

Aber daran wagt sich keiner. Für Ökonomen ist das eine heilige Kuh und ein Politiker würde m.E. eher den Euro opfern als sagen wir +20Mrd p.a. steuerlich umzulenken. Ökonomen haben Recht damit die Fiskalpolitik ins Rampenlicht zu rücken und Erklärungsversuche zu starten wie Geldpolitik funktioniert und was man damit erreichen kann – oder was nicht. Aber „Recht“ haben sie in vollem Umfang eben auch nicht. Diese Kritik müssen sie sich gefallen lassen. Die Hausaufgaben sind nicht nur in Berlin zu machen.

Comments
4 Responses to “EZB, Monetaristen und Schäuble schenken sich nichts”
  1. Stefan Rapp sagt:

    „Einführung einer kapitalgedeckten Rente erhöht den Konsum“ ?

    Ja und Nein, die frage ist ja für was man das Geld ausgibt, würde man beispielsweiße damit Zuwanderung früh fördern, beispielsweiße in der weiße wie die SOS-Kinderdörfer würde dann diesen Kindern aber noch die deutsche Sprache vermittelt und vieles mehr so das sie in Aussicht gestellt bekommen bei gutem Schulabschluss nach Deutschland zu kommen, würde sich das durch deren zukünftig zu erwartenden Beiträgen armortisieren.

    • aloa5 sagt:

      Die kapitalgedeckte Rente vermindert(!) den Konsum.

      Das mit den Kinderdörfern ist ineffektiv. Gelder würden letztlich an die Staaten fliessen und versickern. Andere Staatem wären über Deutschunterricht etc. sicher nicht erfreut (wer lässt das schon zu? ). Das Geld wäre also „weg“ – ausser Landes. Ich hatte das ein paar Blogeinträge davor angesprochen mit den „Kosten“ der Flüchtlinge. Hat man diese im eigenen Land, dann gibt man das Geld für die Ausbildung auch hier bei uns aus – mit unseren Standards, mit „eigenem“ BIP als Resultat. Allerdings muss man das dann auch machen – und das ist m.E. ein Problem, wenn nämlich exakt an dieser Stelle gespart wird.

      • Stefan Rapp sagt:

        Letztendlich hängt es davon ab wie gut es realisiert wird, das Geld sollte natürlich an eine oder mehrere private Organisationen fließen und nicht direkt an einen zweifelhaften Staatsapparat. Wenn der Deutschlandfond beispielsweise 5 Milliarden einsammelt dann können die SOS Kinderdörfer damit circa 14 Millionen Kinder fördern. Klar diese bekommen noch kein Deutschunterricht und die Ausbildung mag noch nicht an unseren Standards heranreichen aber wir müssten keine 14 Millionen Kinder fördern. Schaffen wir beispielsweise damit 5 Millionen wäre das pro Jahrgang wenn man von 18 ausgeht grob 300 000. Dabei sollten natürlich gerade auch Menschen aus unserem Kulturkreis die Förderung der Kinder vor Ort mitgestalten. Wenn davon dann nur jedes 3. zu uns kommt bleiben bei dem betroffenen Staat immer noch 200 000 die eine gute Schulbildung erhalten haben, 100 000 kommen zu uns und schicken auch noch Geld in ihre Heimat wenn sie arbeiten, also es gäbe genug Gründe für so einen Staat sich auf so was einzulassen. Das Geld was man dort ausgibt, führt ja zumindest in der Theorie über Umwege oder teilweise auch direkt (Deutschlehrer von hier) letztendlich wieder zu einer Nachfrage bei uns, mehr Export, was sich eben doch im BIP niederschlägt. Wenn wir dann von 5 auf 15 Milliarden aufstocken, 0,5% unseres BIP dann würde damit eine Zuwanderung von 300000 jungen gut ausgebildeten Menschen jährlich gefördert das würden unsere Nachwuchssorgen ausreichend kompensieren.

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