Mindestlöhne erhöhen die Produktivität – das Alter auch

Mindestlöhne kosten Arbeitsplätze. Hat jeder Leser schon einmal gehört. Empirisch ist das so nicht wirklich direkt nachzuweisen. Große Diskussion auch in den USA darüber – mit einem Planziel von 15US$ bis 2022 mancherorts [hier Stand 2015/2016].

 

Es gibt jedoch andere Ansatzpunkte für ein beleuchten. Diese halte ich für valider. Einer davon ist, das Mindestlöhne nicht Arbeitsplätze sondern Arbeit kostet. Das würde bedeuten, das schleichend bei Mindestlöhnen sagen wir ein Schuhputzer oder ein Stadtpark-Müllaufleser-Arbeitsplatz wegfällt und der entsprechende (unterstellt niedrig qualifizierte) Arbeiter nicht mehr oder/und jedenfalls nicht mehr dieses arbeitet.

(1) Gerne nimmt man an, das Automatisierungen sich bei Mindestlöhnen mehr lohnen und dadurch ein anderer (und m.E. höher qualifizierter) Arbeitsplatz entsteht. Beispielsweise bei der Produktion eines Müllsammel-Automaten. Auch das ist sicherlich korrekt.

(2) Manches lässt sich nicht „wegfallen“ wie beispielsweise das Haareschneiden. Dort ist die Nachfrage sehr stabil.

(3) Anderes möchte man behalten – wie die Landwirtschaft. Dort fliessen dann Subventionen.

(4) Noch anderes wird verlagert in das billigere Ausland – und es fällt weg (s.o.).

(5) Es findet m.E. eine stärkere Selektion bei den Arbeitskräften statt – tendenziell finden wenig qualifizierte keine Arbeit mehr.

 

Das sind mindestens schon 5 potentielle Folgen. Von diesen teilen 3 eine Eigenschaft, sie erhöhen nämlich die durchschnittliche Produktivität pro arbeitender Person. Nicht nur das. Extrapoliert in die Zukunft führt sowohl das auslagern als auch das automatisieren als auch das nicht beschäftigen geringqualifizierter zu einem höheren jährlichen Produktivitätszuwachs.  Man kann sich das mit 2 arbeitenden vorstellen. Ein Programmierer und ein Schuhputzer. Wenn Beide arbeiten wird die durchschnittliche Produktivität ebenso wie der jährliche Produktivitätszuwachs geringer sein als wenn man dem Schuhputzer erklärt er solle einfach aufhören zu arbeiten (dann ist nur der Produktivitätszuwachs des Programmierers relevant) oder auf Landmaschinenmechaniker umschulen. Das BIP pro geleisteter Arbeitsstunde [sog. Arbeitsproduktivität] ist enorm „gestiegen“ in diesem 2-Personen-Land einfach dadurch das der Schuhputzer den Lappen hat fallen lassen. Sozial evtl. ein Problem wenn der Programmierer keinen Arbeitslosen durchfüttern möchte und führt zu einem staatlich gefordertem 1-Euro-Job bei obigem Müllaufsammeln im Park. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Was bedeutet das?

Das würde zunächst einmal bedeuten das man auch Produktivitätszuwächse verschiedener Länder evtl. näher beleuchten und Anzahl wie auch Struktur der Arbeitslosen mit einrechnen muss.

Die Produktivität in Deutschland ist denn gemessen an Ländern mit hohen Mindestlöhnen eher „niedrig“. Beispiele sind Belgien, Frankreich, Dänemark – obwohl es diesen Ländern nicht wirklich besser geht. Die Entwicklung in Grossbritannien seit Einführung des Mindestlohnes 1999 im Verhältnis zu Deutschland ist auch bemnerkenswert, da sie aufgeholt hatten. Siehe Grafik hier. Titel des Mamanger-Magazins „Franzosen sind produktiver als Deutsche“. Je nun – wie viel ist nun den dortigen Arbeitslosen geschuldet? Eine Grafik „GDP per head of population“ [etwa : BIP pro Kopf anstelle BIP pro Arbeitsstunde] sieht dementsprechend ganz anders aus – dort liegen Deutsche weiter vorn. Ebenso in Relation zu Belgien.

Eine qualitative Aussage über einen Mindestlohn ist damit noch nicht getroffen. Selbige hängt (das hatten wir bereits vor Jahren besprochen) in der Wirkung wie in der Sicht von der Höhe eines Mindestlohnes ab und auch von dem gewünschten Ergebnis.

 

Wo kommen Alter bzw. die Demographie ins Spiel? Nun – allgemein wird angenommen wenn die Gesellschaft altert kippt „die Rente“. Das dies so einfach nicht geschehen wird, davon wurde zuletzt berichtet. André Kühnelenz hat eben auch (ganz in diesem Sinne) getwittert:

 

Deutsche Aktien (Altersvorsorge) können Rente, die sich an Löhnen orientiert, nicht schlagen!

Das würde (s.o. Blogposting) ja auch nur dann gehen wenn Gewinne zzgl. Wertzuwächsen mehr als Löhne zzgl. Lohnzuwächsen betragen würden. Das würde also eine prinzipielle Verschiebung von Löhnen zu Gewinnen bedingen.

Das ist jetzt aktuell undenkbar. Nicht auf ewig würde man meinen wenn man sich die üblichen OECD etc. Voraussagen die Demographie betreffend ansieht. Es werden ja immer weniger arbeitende und immer mehr Rentner (im Verhältnis). Das jedoch überall auf der Welt. Wenn man sich das durchdenkt kommen dann auf eine arbeitende Person immer mehr Nachfrager. Die arbeitenden müssen zwangsläufig immer produktiver werden – ansonsten droht Unterversorgung. Wobei man jedoch sagen muss, das die Zukunft keinen derart dramatischen Wechsel beinhaltet wie manche Ökonomen und die Presse dies einem glaubhaft macht. Den reinen Zahlen hält Panikmache nicht stand.

Dennoch wird es tendenziell auch später so sein, das Produktivität und Löhne unter dem Druck der Nachfrage der nicht mehr arbeitenden ansteigen. Damit bliebe letztlich das „Primat der Löhne“ erhalten. Eine Finanzierung auf anderer Basis ist letzenendes mehr eine ideo-logische Frage – keine der Logik.

 

 

 

 

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