Rentensystematik – schnell etwas erklärt – Umlage, Kapitalgedeckt, Riester, Betrieb

Ich möchte insbesondere für sich wenig damit befassende versuchen einen kurzen Überblick zu schaffen worum es bei dem Streit um die Rente geht. Auch weil ich in verschiedenen Beiträgen von Regierung, OECD bis FAZ niemanden von Kritik verschone, aber die Begründungen dafür sich evtl. nicht jedem (und offenbar nicht jedem Journalisten) erschliessen. Es ist also der Versuch einer 08/15-Erklärung mit allgemeinverständlichen Begriffen welche logisch (und nicht formal) korrekt sein sollen. [Ich bin meinerseits für Kritik offen wenn ich irre – bitte und gerne mit Begründung an mich]

 

Zuerst ein paar grundlegende Dinge.

1.)

Prinzipiell, dem System-inneliegend, können die (alle) Bürger in einem Land nur das verbrauchen was sie (alle) an Leistung erbringen [grob: dem BIP]. Ansonsten verschulden sie sich im Ausland.

2.)

Diese Leistung [hier BIP genannt] besteht m.E. aus „Löhnen und Gewinnen“.  Was andere – die nicht arbeitenden – konsumieren ist eben dies. Die Leistung derjenigen welche arbeiten. Es ist nicht mehr konsumierbar, da nicht mehr produziert wird.

3.)

Die Menschheit – nicht nur in Deutschland – wird immer älter. Das Verhältnis von leistenden zu den nicht leistenden (ganz jungen und älteren Bürgern) verändert sich dadurch. Die arbeitenden müssen immer mehr für die nicht arbeitenden mitarbeiten. Das ist unabwendbar und überall auf der Welt so.

a)

Ein „abzapfen“ aus anderen Ländern funktioniert also nicht dauerhaft, ist kein nachhaltiges Modell. Zum einen weil die anderen Ländern auch „vergreisen“ zum anderen weil alle „vergreisten“ Länder es ebenso versuchen zu optimieren.

b)

Für wie viele „nicht arbeitenden“ ein „arbeitender“ letztlich arbeitet ist also festgelegt durch die Bevölkerungsstruktur. Die total-Abgabenlast im Sinne von „Leistung abgeben“ muss steigen. Das ist unabwendbar. Wenn beispielsweise anstelle von 5 aus 10 Personen nur noch 3 von 10 Personen arbeiten können dann müssen diese 3 natürlich mehr abgeben und produktiver sein. Das ändert sich nicht indem man die Art der Altersversorgung (Umlage oder Kapital) ändert und ist insbesondere auch nicht Schuld beispielsweise der Umlagerente oder deren spezielles Merkmal. Ein 20jähriger kann sich dem ganzen nicht entziehen und auch ein jetzt auf die Welt kommender Erdenbürger nicht [ob er in China auf die Welt kommt oder bei uns]. Auch dann nicht wenn 1000 Journalisten oder Politiker und eine Horde an Ökonomen mit Hinweis auf die „Belastung der Jugend“ z.T. das Gegenteil weismachen möchten. Da geht es entweder um schlichte Unkenntnis oder darum geschickt ein Ziel zu erreichen. Im Falle der Ökonomen ist es so, das diese durch ihre bekannte Prägung die Umlagen und Steuern schon immer ein Dorn im Auge waren und diese prinzipiell Finanzanlagen vorziehen. Diesen Anschein zu erwecken hat dementsprechend auch keinen primär ökonomischen Hintergrund sondern einen ideologischen. [Ein Resultat m.E. aus der Ablehnung des Staates mancher ökonomischen Ausrichtungen.]

4.)

Umlagen (wie die Rentenumlage) und Steuerfinanzierte Pensionen oder Rentenzuschüsse bedienen also ein „Umlageprinzip“ welches aus aktueller Leistungserbringung abgeleitet Geld (= gedacht „Leistungsgegenwert“) an diejenigen verteilt welche sich damit (diese) Leistung erkaufen können.

5.)

„Kapital“ im Sinne von „Anlagen“ dient gewissermaßen als Zwischenspeicher und soll/würde – so die Logik – am Ende das gleiche bewirken. Das bedeutet jedoch zumindest in der Ansparphase bzw. Aufbauphase ein Konsumverzicht bedeuten, ein abwandern von Geld aus der Realwirtschaft in die Finanzwirtschaft.

 

 

Mit diesen Grundlagen nun zu ein paar Argumenten und Folgen, insbesondere auch was das „ansparen“ angeht.

Es kann Gründe geben Umlagen (Rente oder via Steuern) und auch kapitalgedeckte Rentenanteile zu halten. Es gibt Inflation. Es gibt eine realwirschaftliche und eine bei den Anlagen („assets“). Das läuft bei weitem nicht immer parallel. Stefan Schulmeister hat in seiner „langen Herleitung“ der Subprime-Krise [Immobilien/Anlagen] zu Beginn die Hochzinspolitik 70er/80er genannt. Den „langen Atem“ hätte demnach dem ganzen verliehen das die Pensionen in den USA umgestellt wurden und zunehmend Anlagen für privathaushalte interessant wurden. Was geschieht wenn man Geld aus dem Konsum verstärkt in Anlagen investiert ist Inflation – bei den Assets. Diese werden dann ob der höheren Renditen noch interessanter, zumal die Realwirtschaft ja eigentlich „kurzfristig“ leidet weil weniger ausgegeben und mehr gespart wird. Das ergibt dann über einen längeren Zeitraum gute Renditen.

Auszug aus Schulmeister 2009, der langen Herleitung der Subprime-Krise:

 


Der Übergang zu einem positiven Zins-Wachstums-Differential verschob das unternehmerische Gewinnstreben weiter von der Realkapitalbildung zu Finanzveranlagung und –spekulation. Dies wurde durch den seit den 1980er Jahren anhaltenden Boom von Finanzinnovationen (Derivate) gefördert.

Der 1982 einsetzende Aktienboom förderte die Spekulationsfreude, zumal die Umstellung der Pensionssysteme in den USA dem Boom einen „langen Atem“ gab (er dauerte fast 19 Jahre – Abbildungen 1 und 19).

Die wichtigsten Preise wie Wechselkurse, Rohstoffpreise und Aktienkurse wurden destabilisiert, sie schwankten in einer Abfolge von „bull markets“ und „bear markets“ um ihre fundamentalen Gleichgewichtswerte (Abbildungen 16, 17, 19).

Bei zunehmender Unsicherheit realwirtschaftlicher Transaktionen und steigender Gewinnchancen (kurzfristiger) Finanzspekulation verlagerten (Industrie)Unternehmen ihre Aktivitäten von Real- zu Finanzinvestitionen (Abbildung 20).

Dadurch musste das Wirtschaftswachstum nachhaltig sinken, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung nahmen zu (Abbildung 23). Die Sparpolitik der 1990er Jahre dämpfte das Wachstum weiter und reduzierte insbesondere die Pensionsleistungen des Sozialstaats.

Also sollten auch die „Normalbürger“ ihr Geld arbeiten lassen, insbesondere für das Alter. Überdies zeigten die Banken ihren Kunden, wie das Geld auch für die (relativ) „kleinen Leute“ durch allerlei Finanzinvestitionen arbeiten kann, statt auf Sparbüchern zu ruhen.

In den 1990er Jahren ist daher die Renditeansprüchlichkeit enorm gestiegen: Die Realwirtschaft wuchs in Europa kaum noch, aber das Finanzkapital sollte zumindest 10% abwerfen.

 

Es gibt also Differenzen zwischen der Inflation und/bzw. den Wertzuwächsen der Finanzanlagen und denen in der Realwirtschaft. Teilweise selbstreferenziell, da 0,1% höherer Zuwachs bei Finanzanlagen sagen wir (als Anschauungsbeispiel) zu 0,1% weniger realem Wachstum oder Inflation führen kann – und im nächsten Schritt zu mehr Finanzanlagen führt, zu 0,2% Zuwachs Finanzen-> -0,2 Real etc.. Diese Differenzen kann eine „gestreute“ Altersvorsorge mit ausgleichen helfen. Das ist eventuell nicht schlecht.

 

Wie man anhand der Grundlagen erkennen wird ist die Aussage in der FAZ wie folgt nicht weiter sinnvoll:

Die jüngere Generation, rechneten Fachleute vor, werde mit ihren Beitragszahlungen womöglich negative Renditen erzielen – sie werde mehr für die gegenwärtigen Alten einzahlen, als sie selbst später je an Rente herausbekomme. (FAZ)

Nehmen wir ein einfaches Beispiel grob dem jetzigen entsprechend. Wir hätten 40mio arbeitende und 40mio nicht arbeitende. Die 40mio arbeitenden stellen 80 mio Gläser her [=“das BIP“] und geben über eine Umlage das Geld für 40mio Gläser davon ab. Sie haben „1 Glas“ pro arbeitendem „eingezahlt“. Wenn sie selbst(!) sehr viel älter geworden sind (im Schnitt) als die heutige ältere Generation – so die Fachleute – werden sie „weniger“ herausbekommen.

Gehen wir also weiter und sehen wie es „kommen wird“. Später(tm) werden von den 80mio Menschen sagen wir nur noch 35mio arbeiten und 45mio sind Transfer-Leistungs-Empfänger. Wie viele Gläser stellen denn nun diese 35mio arbeitenden Personen her? Wenn sie so viel herstellen wie die 40mio heute – nämlich pro arbeitendem 1 Glas – sind nur 70mio Gläser in einer Zeiteinheit vorhanden. Sind sie produktiver als heute sind es mehr. Das können 75, 80 oder auch 100 Gläser sein. Aber zum einen ist es so, das sie – da sie älter werden – diese Renten auch viel länger „gezahlt“ erhalten. Zum anderen ist die Aussage „negative Rendite“ explizit auf den Output in der Realwirtschaft gemünzt und unterstellt das weniger als 1 Glas pro 55mio Rentner erarbeitet wird… realwirtschaftlich. Und – so impliziert die obige Aussage – diese geringere Wirtschaftsleistung Deutschlands in der Zukunft könne man durch kapitalgedeckte Renten umgehen. Das ist einmal eine Ansage. Wenn man heute in einen Immobilien-Fonds investiert fallen morgen 10 Gläser mehr aus der Produktionsstrasse könnte man meinen. Das geht selbstverständlich nicht. Aus dem Ausland „holen“ kann man es sich auch nicht – s.o.. Bliebe die Variante das „man“ sich Vermögen heutzutage (und immer weiter) konserviert und später einen Vermögensgeleiteten Verteilungskampf gegen die Erwerbstätigen führt – also eine aktive Vermögensspreizung betreibt um sich später „das Glas“ zu sichern. Also das was u.a. in den USA schon seit Jahren läuft. Das kann der Sinn m.E. ebenfalls nicht sein.

Ausserdem – wir sehen das in den USA – gibt es für die Anlagen irgendwo eben doch eine Schleife zurück in die Realität. Wenn Assets dauerhaft und absichtlich immer höhere Zuwächse wie die Realwirtschaft fahren gibt es Bubbles mit Zusammenbruch und damit dem Zusammenbruch der Pensionsfonds [in den USA derzeit etliche mit Problemen] oder zumindest der Erwartungen. Oder es gibt wirklich einen Schwung zurück in die Realwirtschaft [was durch die 0%-Zinsen zuerst befürchtet wurde] – dann hat man aber auch nicht mehr gewonnen als dort. Oder – es gibt eine wachsende Vermögensspreizung, insb. jung<>alt. Oder alles drei geschieht gleichzeitig, was m.E. auch der Fall ist. Mit den 0%-Zins hat man die Banken und die Assets von einem Teil der direkten Auswirkung der Krise gerettet – Geld in die Vermögenswerte gepumpt und den Markt dort zu stützen…. Notwendig weil selbiges eben nicht in die Realwirtschaft (dort wo man es z.T. herausgeholt hatte) zurückgeflossen ist, aber beispielsweise die Basis für Hypothekenkredite (Sicherheiten) und Pensionsfonds-Renditen bildet.

Die Annahme das 35mio beschäftigte realwirtschaftlich nicht so viel erwirtschaften und abgeben werden wie die 40mio zuvor erscheint also trivial. 40mio/40mio sind mehr als 35mio/45mio – Punkt und Aus. Die 35mio müssen „mehr“ arbeiten – das kann korrekt sein. Die Prognose der nicht ausreichend wachsenden Produktivität ist unsicher, die implizite Aussage das man diese Problematik mit kapitalgedeckten Renten umgehen könne ist m.E. falsch.

Altersarmut, Riester, BAV und Anrechnungen

Altersarmut wird diejenigen treffen welche nicht immer beschäftigt waren oder/und  Teilzeitbeschäftigt. Dese können regelmäßig nichts sparen. Schon an dieser ersten Hürde scheitert viel. Die nächste Hürde der Altersarmut ist die, das Alters-Renten unterhalb des Existenzminimums vom Staat unter voller Anrechnung aufgestockt werden. Sprich, wenn man einen Mindestbedarf von angenommen 800 Euro aber nur eine Rente von 600 Euro erhält, zahlt der Staat 200 Euro auf.

Nun gibt es Bestrebungen und Aussagen Freibeträge oder diese gar nur für BAV oder Riester-Renten einzuführen. Siehe auch der letzte Beitrag zu dem vorliegenden bei CDU/CSU für die Wahlen. Würde man grundsätzlich einen Freibetrag von sagen wir 100 EUR einführen einführen hätte das weitreichende Folgen. Für obigen Fall würde das bedeuten das jeder Empfänger der Grundsicherung im Alter welcher mindestens 100 EUR Altersrente bezieht 100 EUR zusätzlich erhält. Faktisch das gleiche als ob das Existenzminimum um 100EUR angehoben worden wäre.

Eine Begrenzung mit einem Freibetrag alleine für Kapitalgedeckte Rentenauszahlungen hingegen kostet den Staat nichts. Das ist der Grund weshalb man es ins Gespräch bringt. Eine Priviligierung wird jedoch schon juristisch scheitern. Der Sinn ist denn auch nicht erkennbar. Es ist zwar ebenfalls nichts anderes als eine de facto Ausweitung der Grundsicherung – aber die Bedingung wäre, das Geringverdiener zusätzlichen Konsum vom Munde gespart hätten während Ihnen die eigentliche Altersrente nicht darüber hinaus angerechnet wird. Das ist perfide und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eben auch nicht rechtens. Ökonomisch ist es unsinnig – wie oben gezeigt – da es gerade bei den Geringverdienern zu 100% den Konsum einschränkt und damit auf die Realwirtschaft schlägt (dauerhaft). Verpflichtungen in anderen Einkommensgruppen treffen zu unterschiedlichen Anteilen bis hin zu 100% die Sparquote und haben ggfs. nicht die gleichen prozentual weitreichenden Wirkungen – wenn auch im Gesamtvolumen evtl. höher.

 

Logische Lösungen für das Problem gäbe es, sind aber, da sie zwangsweise etwas weiter ausholen und nicht auf Silbertabletts serviert werden können (= komplizierter sind) sind diese nicht vermittelbar. Nicht nur Bürger wollen es einfach, sondern auch Politiker und Ökonomen.

 

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One Response to “Rentensystematik – schnell etwas erklärt – Umlage, Kapitalgedeckt, Riester, Betrieb”
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  1. […] weiss. Womöglich aber Realeinkommen stärkend und gegen die Einkommensspreizung wirkend. Und diese Rentendebatten immer. Aber daran sind ja nur die Mathematiklehrer Schuld. Dies ist im übrigen das gleiche […]



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