Der Aufstand der ewig geduldigen

Ihr wundert Euch wohl immer noch darüber weshalb über Euch hergezogen wird, Ihr Politiker, Journalisten und Ökonomen. Unverständlich ist es, weshalb man Euch von heute auf Morgen nicht mehr mag. Da wird vom Jahrhundert des Scheiterns der Ökonomen berichtet, kommt ein dahergelaufener „Trump“ mit halbgaren Wahrheiten und eine Partei deren Führungsrige die Schweiz für Inland hält. Währenddessen oszillieren die Franzosen im Westen zwischen Linken welche wegen der überbordenden eigenen Ineffizienz gar nicht mehr links sein mögen und einer ganz Rechten LePen, Niederländer pflegen ihren Wilders, Polen ihren Kaczynski, Griechen Ihren ebenfalls irgendwo im „Aussen“ verorteten Tsipras.

Was ist nur los?

 

Ich verrate das Geheimnis: Ihr habt es schlicht und ergreifend verbockt!

Die Menschen lieben Europa, das habt Ihr so gewollt und es war auch selten anders. Den Euro haben wir alle geliebt. Sogar mehr als manchen gut getan hat. Man hat zusammen gelebt, Grenzen abgebaut, miteinander gehandelt und voneinander gelernt. Es war so schön das man manchmal freiwillig, manchmal zähneknirschend EInschnitte hingenommen hat. Es wurde verzichtet, gespart, geriestert, man hat glühende Birnen und krumme Grünwaren verdammt auf Eure Empfehlungen hin. Das Sozialsystem wurde auf das Notwendige reduziert  – alles zu unserem Besten. Die Weltwirtschaft und unser Platz in diesem Gefüge wird es uns danken. Das habt Ihr uns versprochen.

 

Aber oh weh, ach Wunder, oh unglückliches Schicksal. Befeuert durch allerlei überraschende Entwicklungen hat Euch das Glück verlassen. Eine Krise, schier aus dem Nichts hat Euch rücklings überfallen. Sowohl in den USA als auch in Europa sind die Versprechungen geplatzt. Die Menschen sind sauer. Sie sind ungehalten weil Ihr das Versprechen das alles so zu sein habe um gut zu bleiben oder besser zu werden nicht eingehalten habt. Der Verzicht und das achten auf Bananenkrümmung und die Obstversorgung der Kinder hat nicht geholfen. Auch Euer aufwerten der Arbeit nicht, weder in England noch in Frankreich – gleich welcher Mindestlohn gilt. Die Einkommens-Spreizung geht immer weiter – irritierender Weise. Die Ökonomen unter Euch trauen Euch ja selbst auch nicht mehr in der Frage der Geldpolitik (nicht einmal dort). Gut – von Politikern erwartet man ja auch nichts in dieser Richtung.

Ihr hättet ja wenigstens einmal das mit den Häusern und deren Preise ansehen können. Also – den  wenigen Häusern, insbesondere in Beziehung auf den sozialen Wohnungsbau. Verpönt, ich weiss. Womöglich aber Realeinkommen stärkend und gegen die Einkommensspreizung wirkend. Und diese Rentendebatten immer. Aber daran sind ja nur die Mathematiklehrer Schuld. Dies ist im übrigen das gleiche Phänomen wie die Arbeitslosigkeit und die niedrigen Löhne. Beides liegt ja für Euch offensichtlich am niedrigen Bildungsstand der Putzfrauen, also an dieser Susanne Neumann. Das lässt sich sicher und ganz einfach mit einem SPD-Parteibuch beheben.

 

Wir mögen es ebenfalls einfach. Versteht Ihr das? Das wird weltweit Euch beizubringen versucht. Wer jahrelang predigt und Gefolgschaft einfordert, am Ende aber keinen Erfolg sondern eine Bauchlandung liefert erhält das Vertrauen entzogen. Man kann z.B. nicht unwidersprochen weiterhin erklären man dürfe Überschüsse fahren mit der Begründung der Demographie wenn selbst bei den Chinesen der Uropa droht.

Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, aber fürchte dich vor dem Stehenbleiben (chinesische Weisheit)

Auch das befeuern der Riester-Renten hat sich irgendwann abgearbeitet im Verlaufe der Zeit. Das proklamieren die EZB sei zu mächtig erscheint wie eine sarkastische Note. Bewegt Euch, denn irgendwann holen einen nicht nur bei Flüchtlingen und durch Erdogan gezogene sowie mit Schusswaffen und Justiz bewachte Grenzen ein. Würde ein ALGII-Empfänger Eure Passivität an den Tag legen wären schon die Zusagen gekürzt – bis auf einen Widerspruch, so noch möglich. Bei der Agressivität Eurer Klagen über den Unwillen der Realität sich Euch anzupassen wären Schulungsmaßnahmen vielleicht nicht unangebracht.

 

Es gibt ausreichend Material um ohne Haruspicium betreiben zu müssen bessere Lösungen zu finden. Wenn Ihr das nicht hinbekommt werdet Ihr eingeholt.

„Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort.“ [Michail Gorbatschow vor dem SED Politbüro 1989]

Das geht in zivilisierten Demokratien anders vor sich als früher einmal. Nichtsdestotrotz ist es kein Grund dafür weiterzumachen als ob nichts geschehen wäre. Die penetrante Arroganz könnt Ihr Euch sparen – sie ist ob Eurer Minderleistung in der Vergangenheit unangebracht. Auch den anständigen reicht es irgendwann und sie werden Wahl-los und nehmen auch Pressemeldungen nicht mehr oder eben für voll – gleichgültig ob per se auf „Fox-News“-Niveau oder nicht. Vertrauenswürdigkeit hängt vom Ergebnis und der Ehrlichkeit ab, nicht von der Quelle. Ich hoffe Ihr habt auch verstanden das diese Art Vertrauensentzug anders ist als eine Enttäuschung nach einer Einzelmaßnahme und geht auch weit über das Abwenden von einer Partei hinaus. Es ist von viel grundlegenderer Natur. Das Vertrauen wiederzugewinnen ist eine schwere Aufgabe welche einer Auflösung harrt.

 

 

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