Leben Sparer auf Kosten der zukünftigen Generation? Spreizung, Vermögen und die Erbschaftsteuer.

Sparen ist natürlich nicht per se schlecht. Wie ungeschickt für uns sparen jedoch teilweise sein kann werde ich versuchen hier zu erklären. Außerdem auch noch wie es um das sog. Helicopter-Geld bestellt ist und ob wir eine neue Vermögens-Besteuerung benötigen.

Bei einer Betrachtungen der Herkunft der Renditen des Finanzmarktes kann man zu weiteren Schlussfolgerungen kommen. Wenn nämlich diese Renditen aus Vermögenspreis-Inflation resultieren und Vermögenspreis-Inflation mit (bzw. hauptsächlich) auf Krediten basiert kann man schlussfolgern das der Vermögenszuwachs für das Ansparen im Alter auf der aktuellen Nettokreditaufnahme basiert. Je höher diese Nettokreditaufnahme und je höher das Sparaufkommen als Abfluss aus Einkommen der Realwirtschaft, desto höher die Rendite.

 

-> Was später ausgegeben wird durch „Riester-Sparer“ ist also auch das, was sie zu „Arbeitszeiten“ an BIP (netto) „wegsparen“ und insgesamt (mit) durch Neuverschuldung generiert wurde.

 

Wohlgemerkt haben nicht zwingend sie selbst sich verschuldet. Das ist unterm Strich durch Waren- und Geldströme determiniert welche sich insbesondere überhaupt nicht an Grenzlinien halten.  Die Aufnahme von Krediten für Vermögen nicht im Sinne der Investition ist jedoch wie in der Realwirtschaft von Gewinnerwartungen getrieben. Werden jetzt beispielsweise – aus den letzten Beiträgen noch einmal rekapituliert – in Deutschland Riester-Renten vorangetrieben und z.B. Betriebsrenten verpflichtend werden Asset-Preise vorhersehbar ansteigen. Anlegen von Geld lohnt sich – eine Hausse folgt, mit vielen Mitspielern und im Gefolge etliche Kredite. Aber damit würde man einen grossen Knall vielleicht nur verschieben. Wir erinnern uns – die US-Firmen verschulden sich aktuell immens obwohl die Konjunktur nicht richtig läuft. Begründet wird dies u.a. damit das diese mit billigem Geld eigene Aktien aufkaufen. Stützungskäufe.

 

Aber vorerst zurück. In Unterhaltungen über die Erbschaftsteuer wird immer wieder und treffend eingeworfen das Firmen leiden würden. Ausserdem sei es so das man das meiste Vermögen ja mehr oder minder gar nicht „essen“ könne und es zum Systemzusammenbruch führen würde Produktiv-Vermögen anzugreifen.

Um die Argumente verständlich zu machen, erstellen wir ein stark vereinfachendes Beispiel. Gegeben seien Heinz der Arbeiter, ein Hausbesitzer sowie ein Inhaber einer Firma für Stapelstühle und Oma Tinchen wohnt auch noch in der Strasse. Der Hausbesitzer leiht sich Geld bei der Bank und kauft Stühle – immer wieder, denn durch sein Gewicht gehen diese viel zu schnell kaputt. Heinz spart für sein Alter. Der Inhaber der Firma leiht sich ebenfalls Geld, denn er möchte die Qualität der Stühle verbessern und benötigt dafür auch noch Bauland. Der Pensionsfond des Arbeiters und andere private Investoren und Spekulanten sehen Chancen zu investieren – denn immerhin sind die Aktienpreise der Firma gestiegen und Bauland ist auch eine Investition in die Zukunft, denn es wird knapper und steigt gerade im Preis. Das merkt die Firma schnell, denn als sie ein weiteres Stück erwirbt benötigt sie mehr Geld dafür. Immerhin werden die Stühle von Mal zu Mal immer besser, die Maschinen in der Produktionshalle immer moderner und auch teurer. Mehr Gewinn wirft es nicht ab, aber man ist immer auf der Höhe der Zeit, die Firma ist gesichert.

Betrachten wir sehr vereinfacht bestimmte Werte nach 20 Jahren, so stellen wir tendenziell folgendes fest

  • das Unternehmen erzielt noch so viel Gewinn wie zuvor
  • Heinz hat seinen Lohn, die Miete ist gestiegen
  • Das Haus des Hausbesitzers ist nun doppelt so viel Wert mit hoher Verschuldung
  • Der Firmenbesitzer besitzt eine angemessen verschuldete Firma mit dem 4-fachen des Wertes
  • Oma Tinchen versteht nicht weshalb sie auf einmal Vermögensteuer zahlen soll, ihr Haus sieht so aus wie immer , die Verdoppelung des Wertes versteht sie nicht
  • die Vermögensspreizung zwischen Arbeiter und Firmeninhaber hat enorm zugenommen, alleine schon weil der Wert der Firma enorm erhöht wurde
  • der Pensionsfond rechnet dem Riester-Sparer-Arbeitnehmer eine Rendite von 8% vor und das sein Altersruhestand gesichert sei; im Portfolio des Fonds u.a. Immobilien, aber auch Gold welches im Zuge der Hausse ebenfalls an Wert gewonnen hat sowie ggfs. Firmenanteile einer börsennotierten Firma

 

Bei 100% Erbschaftsteuer müsste der Erbe der Firma diese verkaufen um den Staat auszuzahlen oder einen Kredit in Höhe des Firmenwertes aufnehmen [sog „versilbern“]. Bei geringerer Erbschaftssteuer müsste er nur einen Teil der Firma veräussern oder beleihen. Eine Veräusserung benötigt einen Kaufinteressenten, eine Beleihung bedeutet das der Erbe wie auch die Firma dabei Spielraum haben und hinterher auch die Finanzlast tragen können. Bei börsennnotierten Firmen entfällt das Problem dementsprechend.

Anhand des obigen vereinfachten Beispiels kann man sehr schön alles erkennen: Vermögensspreizung, Riester-Renten/Renditen, Spekulationen, Blasen, Zusammenbruch und am Ende auch Erbschaftssteuer-Problematik. Alleine schon wenn man sich das „versilbern“ näher betrachtet wird deutlich das eine Kreditaufnahme (um die Erbschaftssteuer zu begleichen) wohl stattfinden wird wenn es sich lohnt. Liegen zu erwartende Renditen über dem aktuellen Zinssatz würde man unnötigerweise Kredite aufnehmen müssen und so die Kreditbelastung und das Kreditwesen insgesamt belasten nur um Steuern begleichen zu können. Potentielle Käufer würden eine Firma wenn keine Eigenmittel vorhanden sind ebenfalls über Kredite finanzieren – wenn die Rendite stimmt. Liegt die Rendite unterhalb dem aktuellen Zinssatzes wird sowohl eine Kreditaufnahme als auch das finden eines Käufers schwierig, dann steht die Existenz eines Betriebes auf dem Spiel.

Nicht jeder Firmeninhaber ist klamm was bares Geld oder anderes Vermögen angeht um die Erbschaftssteuer zu begleichen. Dieser Fall ist jedoch mit einzurechnen wenn man eine solche Steuer erheben möchte.

 

Nun gibt es hier vorstehend die Begründung weshalb eine Erbschaftssteuer schädlich sein kann, insbesondere für nicht börsennotierte Firmen welche einen großen Teil des aktuell produktiven Kapitalstockes beispielsweise in Deutschland ausmachen. Aber nun sehen wir einmal weiter wohin ein konsequentes Verfolgen dieses Punktes ausserdem führt. Wenn man unterstellt einen großen Teil des Betriebsvermögens nicht versilbern kann oder nicht versilbern sollte, dann werden der [Kapital] „Stock“ sowie alle anderen geldwerten Substitute gewissermaßen „unantastbar“ [von einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel als Option sehen wir hier einmal ab]. Deren Zugewinne an Wert ebenfalls – wir erinnern uns an die Herkunft der Gewinne des Finanzmarktes.

Man kann also einen „festen“ Teil und einen „flüssigen“ Anteil dieses Kapitals willküren. Abflüsse wie für Renten-Sparpläne (aus Riester_Renten, Pensionsfonds etc.) fliessen wie auch Kredite pauschal in den Finanz- und Anlagesektor und werden dort nach jeweiligen Gegebenheiten gewissermaßen „aufgeteilt“ und für flüssige oder feste Teile verwendet, können später zwischen diesen natürlich auch wechseln. Der Abfluss aus der Finanzwirtschaft zurück in die Realwirtschaft erfolgt jedoch mehrheitlich aus dem „verflüssigbaren Anteil“. Damit hätten wir anstelle von 2 Unterteilungen, nämlich Realwirtschaft und Finanzwirtschaft, andere Bereiche geschaffen. Deutlich wird die hierdurch entstehende Schwierigkeit einer Einordnung wenn man sich die Maschine einer börsennotierten Aktiengesellschaft betrachtet. Eine Maschine selbst stellt kein „flüssiges“ Kapital dar. Erst durch die Handelbarkeit an der Börse erhält sie den Character von [„flüssigem“] Potentialgeld. Gleiches gilt für ein Wohnhaus. Wird selbiges von den Besitzern bewohnt (Eigenheim) besitzt es keine flüssige Eigenschaft. Als Teil einer großen Firma mit Anteilseignern (als Mietwohnung oder Produktionshalle) jedoch durchaus.

 

Hier einmal eine grob erklärende Skizze wie man sich das allgemeine Geschehen vorstellen kann:

rk sk gr2

Im übrigen würde Helicopter-Geld nicht viel anders wirken als Neukredite in der Gesamtheit. Die Annahme, oder sagen wir eher der Wunsch, das sich dieses Geld alleine im realwirtschaftlichen Kreislauf (hier links in der Grafik) einfinden, bewegen und natürlich auch bleiben möge ist mehr Ausdruck der Hilflosigkeit. Es gibt wie man sieht nicht einen zu beachtenden Zusammenhang oder Kreislauf sondern mehrere. Insbesondere das „verbleiben“ in der Realwirtschaft ist selbstverständlich mit von der Einkommensspreizung (netto – nicht brutto!) determiniert.

Der IST-Zustand innerhalb dessen wir uns befinden sieht damit wie folgt aus.

 

IST 1

 

Auch dies ist natürlich vereinfachend dargestellt. Es ist explizit nicht so, das wir hier nur von inhaltslosen Gold- oder Immobilienpreisen sprechen. Damit verbunden sind eben auch tatsächliche Wertsteigerungen von Maschinen und Gebäuden etc.. „Geld“ (Schulden) sind unweigerlich in diesen gebunden. Das macht es schwierig hier mit fiskalischen oder geldpolitischen Mitteln etwas zu bewegen was einen (rein) positiven Effekt hinterlässt. Erbschaft- und Vermögenssteuer zielt recht pauschal auf alles was einen „Wert“ besitzt – und damit indirekt auch auf die Schuldenmasse aus welcher der Wert generiert wurde [je mehr Schulden existieren, desto höhere „Werte“ existieren]. Das ist (oder wäre) ganz nett, wenn damit z.B. Schulden getilgt würden, kein versilbern stattfindet aber auch die umlaufende Geldmasse welche für das Halten der Werte und für die Realwirtschaft notwendig sind erhalten bleibt.Sonst erhöht man mit einer Vermögensteuer evtl. sogar noch die Schuldenaufnahme um (auch unproduktives) Vermögen im Wert zu halten. Eine grundlegende Voraussetzung für eine sinnvolle Besteuerung wäre weiterhin das sich das alles im besteuerbaren Inland so darstellen würde. Denn nur dann ist es so das sich hier erspartes und hier anfallende Schuldenhöhen auch auf die Vermögenswerte hier voll auswirken. Rückgängig kann man Vermögenswert-Änderungen nicht wirklich. Selbst wenn diese Teil eines Bubbles waren werden die Preise für die Vermögenswerte im Bubble selbst zwar sinken, die Schulden dafür bleiben jedoch regelmäßig erhalten, sind also irgendwo anders gebunden. Teilweise in anderen Werten. Da die Werte den Schulden unterliegen bzw. gegenüberstehen ist eine Wertverringerung als solches schwerlich ohne Schuldenabbau denkbar. Reell gesehen gibt es das nicht. Im übrigen stößt aus meiner Sicht auch und gerade ein Vollgeld-Regime dadurch äusserst schnell an Grenzen, denn obiges ist nicht vorgesehen. Letztlich ist das Vollgeld auch nur eine Geburt des „klassischen“. Meine „Lieblingspassage des ökonomischen Irrtums“ dazu entstammt dem Hamburger Appell, so unterschrieben von hunderten von Ökonomen:

selbst Ersparnisse finanzieren stets die Nachfrage eines Kreditnehmers. (Hamburger Appell)

 

Wie man sich bei diesen Überlegungen selbst überholen kann zeigt Stelter in seinem Blog bei der durchaus nicht ganz verkehrten Kritik an der DIW-Begründung für eine höhere Vermögens-/Erbschaftssteuer. Er hat einen Artikel verfasst in welchem er u.a. erklärt das andernorts z.B. die Immobilienpreise durch Schulden aufgebläht wurden. In London im übrigen bis 400%, wie bereits zuvor Egghat bemerkt hatte. Stelter schliesst bei seinen Ausführungen jedoch mit der Beurteilung das Deutsche sehr wenig Vermögen besitzen würden wegen Weltkrigen, Exportfetischismus etc. – und das man Vermögen natürlich besteuern müsse. Das ist so jedoch, gerade auch nach seinen zuvor getätigen Ausführungen, nicht unbedingt korrekt. Deutschland ist ein reiches Land. Exportüberschüsse stellen Guthaben bei anderen dar. Was bei uns eben nicht der Fall ist, ist das wir unsere hohen Ersparnisse bei uns anlegen und/oder uns hoch verschulden. Andere verschulden sich und wir legen unser Erspartes zusätzlich auch noch im Ausland an. Das führt ironischerweise dort zu höheren Asset-Preisen, also gepushten „Vermögen“ – und hohen Schulden. Ein paralleles auflisten aller Schulden würde dementsprechend ein anderes Bild zeitigen. Die Spanier oder Briten besitzen im Kern weder schönere noch mehr Häuser als wir – und die Häuser in Griechenland waren weer vor 10 Jahren so schick wie unsere noch sind sie jetzt völlig zerfallen wie es die „Vermögenskurve“ anzeigt. Das ist die Folge der Bewertung welche zudem teilweise durch die Art der Alterssicherung mitbestimmt wird wie ich oben aufgezeigt habe. Stecken wir alles in Riester-Renten anstelle der Umlage sind wir also auf längere Sicht „viel reicher“ – bei den gleichen Häusern. Dabei – das ist nach dem lesen hier deutlich geworden – wird dann die Einkommensspreizung welche während der Zeit in welcher gearbeitet wurde in die Rente mitgeführt und die Vermögensspreizung nimmt kontinuierlich zu und wird immer stärker auch zum Generationenunterschied, da die älteren die immer höheren Vermögenswerte halten. Auch deutlich geworden sein sollte das die niedrigen „Vermögen“ der Deutschen aus der Umlagerente folgen. Nicht das Deutsche tatsächlich ärmer sind – sie haben nur die Gelder nicht laufend wiederkehrend zurück „oben“ in den Vermögenskreislauf gesteckt (siehe erste Grafik). Das immer wieder – seit Jahrzehnten – gefordert wird man möge doch in Deutschland investieren hilft nicht. Das ist Wunschtraum der Ökonomen beispielsweise des ifo-Institutes (früher der Hans-Werner Sinn)  and anderen. Das ist deren ökonomisches Weltbild welches jedoch schlicht und ergreifend nicht mit der Realität übereinstimmt. Da dem so ist wird dann dementsprechend ein Schuldiger innerhalb der realen Welt ausgemacht welcher das ökonomisch richtig sein zu habende stört. Mit dieser ideologisch geprägten Haltung kommt man jedoch nicht weiter.

 

Zu erwähnen bleibt noch, das auch mehr „Geld“ nicht wirklich immer *überhaupt* in den Kreislauf Kreislauf zurück fällt – es ist je nachdem einfach träge. Ich bediene mich hier einmal einer Grafik von Andre Kühnelenz um die Geldmenge M1 darzustellen. Hilfsweise, da die EZB kein MZM kennt, deren Umlaufgeschwindigkeit u.U. treffender die tatsächlich verfügbare oder m.E. treffender gerade jetzt wirksamen Geldmenge darstellen würde

M1 Europa keinewunder1

Einmal zum Vergleich Die Geschwindigkeit MZM in den USA im zeitlichen Verlauf.

MZM 4116

 

Jetzt der große Sprung zurück zur steilen Ausgangsthese das Sparer auf Kosten der zukünftigen Generation leben. Wir „sparen“ laufend – privat. Das Geld fliesst z.T. ins Ausland, führt dort zu Vermögenswerten, addiert sich über dortige Verschuldung auf und führt so lange diese Aufwärts-Spirale anhält zu guten Renditen. Das hat z.B. amerikanischen oder finnischen Pensionsfonds bislang geholfen. Am Ende schreibt irgendwann in Deutschland und ggfs. der Welt das Guthaben (zwangsweise) ab – die Vermögenswerte bleiben ggfs. erhalten. Auch wenn man sich wie im Falle von Griechenland in Person von Wolfgang Schäuble sträubt – man kommt nicht immer darum herum. Korrekter Weise wohlgemerkt. So lange man an den Einkommensverhältnissen und den Geldströmen nichts ändert führen Vermögen und Geld im Zusammenspiel mit neuen Schulden zu immer weiter sich gegenseitig befruchtenden Höhenflügen. Entweder man schreibt ab oder es führt irgendwann zu unhaltbaren Ergebnissen. Man kann im Land selbst auch die Strategie Japans fahren, treibt das versuchsweise immer weiter und weiter. Wirklich dauerhaft haben die Japaner sich mit dieser Methode jedoch auch nicht geholfen.

Das Umlageverfahren der Rente und auch der übrigen Sozialsysteme bei uns führt zu einer gewissen Robustheit gegenüber konjunkturellen Schwankungen und belässt einen im Verhältnis hohen Grundstock an Geld im Kreislauf der Realwirtschaft. Dies zeigt sich nicht in Aufschwung-Zeiten sondern in einer Krisenzeit als Vorteil. In selbiger  hat man regelmäßig nichts von „angespartem“, denn selbiges kann man speziell in solchen Krisenzeiten nirgends wirklich folgenlos abziehen bzw. zu Geld machen. Außerdem steckt man tendenziell in einer Investitionsfalle oder einer Liquiditätsfalle [siehe auch Stagflation] – wo weniger das „Geld“ fehlt als mehr die verleihenden und der Investitionsanreiz, da die Konjunktur lahmt. Der IWF/IMF hat gerade jetzt ein WorkingPaper veröffentlicht in welchem vorsichtig gemutmaßt wird das private Schulden fataler seien als öffentliche. Angesichts der durch private Verschuldung ausgelösten großen Rezession, subprime usw. etwas merkwürdig – aber nun gut. Eben dies ist offensichtlich der Fall. Den privaten Schulden liegen i.d.R. ebensolche Guthaben gegenüber. Wenn aber die Schuldner niemals in die Lage versetzt werden können mehr Geld zu verdienen und folgerichtig auch Schulden zurückführen wird eine Abschreibung folgen müssen, zumal unter Beibehaltung der Einkommens-/Vermögensverhältnisse irgendwann die solventen Schuldner ausgehen welche verpfändbare Sicherheiten oder Einkommen besitzen. Selbst eine Übergabe von Wertgegenständen kann, selbst wenn sie den Wert erlösen könnten, maximal einfach erfolgen, nicht mehrmals.

Die Problematik besteht also darin, das man mit Sparen durchaus Vermögen anhäuft, dieses jedoch zusammen mit Schuldenaufnahme anderer Probleme verursacht welche man später nicht gut beherrschen kann. Ein Spagat zwischen dieser Art Vermögen und einer Umlage mag für eine Risikostreuung bei Renten und Pensionen zwar opportun erscheinen – man muss man sich jedoch über andere Dinge Gedanken machen welche nachhaltiger sind und nicht an eine Wand führen. Das besteuern des Vermögens zeitigt keinen Erfolg. Man mag sich die Besteuerung in anderen Ländern einmal zu Gemüte führen. In den Top10 finden sich UK, USA, Japan, Spanien etc.. Das sind jetzt nicht gerade Vorzeige-Kandidaten was die Einkommens- oder Vermögensspreizung angeht. Eine Vermögenssteuer bewirkt – zumindest als Einzelmaßnahme – in dieser Hinsicht also nichts.

Ist sparen denn dann also gar prinzipiell schlecht? Sicherlich nicht. Wer in den letzten 20 Jahren in Automobil-Aktien investiert hatte, kam mit großen Gewinnen nach Hause – auch weil die dort stehenden Maschinen natürlich tatsächlich an Wert gewonnen haben. Eine sinnvolle Anlage und der „Stock“ an Investitionsgütern kann im Schuldgeld-System nicht ohne neue Schulden und/oder sparen verbessert werden. Es ist eben nicht trennbar in „gutes“ und „böses“ Vermögen, denn es gibt Beides nicht. Es sind m.E. eher Schulden welche dem jew. Vermögen unter gewissen Voraussetzungen einen recht hohen Wert zuweisen. Die Schulden werden jedoch auch notwendig weil gespart und damit der Realwirtschaft Konsumgeld entzogen wird. Also das, was derzeit teilweise mittels „Helicopter“ wieder in den Kreislauf gelangen soll um die realwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln. Dabei soll aber wohl eher die realwirtschaftliche Erwartungshaltung erzeugt werden um der Investitionsfalle zu entfliehen. Ein Schuss nach hinten, da ein Helicopter am Horizont wohl eher das Ende des Monetarismus ankündigt als eine Aufbruchstimmung zu verbreiten.

Weiter verkompliziert wird das ganze wenn man noch einrechnet das für Vollbeschäftigung oder unterschiedliche Aussenhandelsbilanzen die Bewertung des Sparens verschieden aussieht. Man kann mit einem Euro (theoretisch) ein Brötchen für einen bedürftigen finanzieren, mit für den Inlands-Bäcker, investieren in Infrastruktur oder Maschinen für die Exportindustrie, Lohnkosten mit ihm senken — all das innerhalb der Realwirtschaft mit der Wirkung der Beschäftigungszunahme. Wenn alle bzw. die meisten arbeiten führt ein verschieben dann ausnahmsweise zu etwas, was in Richtung „Hamburger Appell“ geht. S.o. den kritisierten Teil… das nun folgende sind die nächsten Sätze:

Ein Eingriff zugunsten einer bestimmten Form von Nachfrage hat daher in erster Linie Umschichtungen zwischen Konsum, Investitionen und Staatsnachfrage zur Folge. Dies stört die Struktur der Gesamtnachfrage, führt aber kaum zu ihrer Erhöhung.

Das war gegen Mindestlöhne gerichtet. Selbige sind eine andere Sache, für unser Beispiel hier gilt für den genannten Euro das gleiche. Wenn arbeitsmarkttechnisch optimiert ist kann durchaus ein Plus herauskommen – und dieses wird man sparen. Es ist eben nicht so wie bei der schwäbischen Hausfrau das man mit einem einsetzen eines Euros dieser verloren ist. Am Ende des „Einsetzens“ kann in der Volkswirtschaft der Euro immer noch bzw. wieder da sein.

 

Wer zahlt die Zeche für das Zusammenspiel aus Sparen und Krediten? Sicherlich auch folgende Generationen. Nur dann wenn nachhaltig gespart wird kann daraus etwas werden. Anderes führt in einen Sparen-Schulden-Sparen-Schulden-Kreislauf. Man muss weg von der schwäbischen Hausfrauen-Denkweise, denn wir befinden uns in der Makroökonomie. Und bei selbiger sind die Stellräder etwas anders zu drehen. Es muss bei der Einkommensverteilung etwas verbessert werden und beim zusammenführen innerhalb der Renten muss einiges „beim alten“ bleiben. Ich hatte die LsSt bereits vor Jahren als ein Beispiel erklärt – so kann es gehen. Das verweisen darauf das ein Generationenvertrag (gleich ob RV oder Steuern) künftige Generationen belaste, aber Riester-Renten und Pensionsfonds nicht ist jedenfalls Augenwischerei. Es ist falsch. Jede aktive Generation erwirtschaftet exakt das mit, was die jeweils inaktive verbraucht. Das habe ich schon x Mal referiert. So viele Dosen Erbsen kann man jetzt nicht einbunkern als das man die in 30 Jahren und in 80 oder 150 Jahren noch essen kann. Und exakt das ist was letztenendes notwendig wäre wenn die Behauptung der nicht stattfindenden Belastung späterer Generationen stimmen sollte. Spätere Generationen werden durch weltweit steigende Sterbealter „belastet“. Dem kann man nicht entgehen. Niemand. Nicht hier und auch nicht in Timbuktu und daher kann man auch nicht auf Vorrat „sparen“. Alle dahingehenden Zeitungsartikel und Ökonomen-Zitate gleich aus welcher Richtung sind Ausgeburt ideologischer Verdrehung der Tatsachen oder schlicht Folge von jahrelanger Verbreitung von urban legends. Ob die älteren später einen Anteil von VW an einen später arbeitenden veräußern oder ob der später arbeitende in diesem Wert eine Abgabe für die Rente begleicht ist letztenendes gleichgültig. Es geht einzig um die Ware welche von dem später arbeitenden hergestellt und an den Rentner übergeben wird. Die Individualisierung über die Aktie spiegelt alleine das fortschreiben der Einkommensunterschiede in das Rentenalter wieder. Wer heute viel besitzt wird später noch viel mehr besitzen. Die Spreizung im Alter nimmt zu. Und nicht vergessen darf man das die Verteilung von dem was produziert wird am Besten funktioniert wenn viele arbeiten. Denn Arbeitslohn ist eine „Vorab-Verteilung“.  Hinkt die Realwirtschaft wie bei einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung, dann gibt es erhebliche Probleme.

 

Wer also zahlt die Zeche? Derjenige der nichts hat. Und das sowohl heute – durch den Verlust des Arbeitsplatzes und den Wohlstandsverlust – als auch Morgen. Dem kann man entgehen. So wie ich es zuvor schon einige Male vorgestellt habe, mit intelligenter Lohnabgaben-Steuerung und kombinierter Mindest-Rente.

 

Sparen – bedingt „ja“. Nachgelagert und Geldregime wie Notwendigkeiten untergeordnet. Erbschaftssteuer wie Vermögenssteuer – kann man – „ja“ – aber ebenfalls mit dem Wissen im Hintergrund das man exakt das Gegenteil des gewünschten erreicht wenn man das übertreibt. Es bringt jedoch eigentlich wenig, Der Vorteil dieser Besteuerungsform liegt eigentlich gar nicht darin das Reichtum besteuert wird. Der Vorteil liegt darin das Tote sich nicht wehren, stellt es doch eine dem kumulierten Einkommen nachgelagerte Besteuerung dar. Nur das bei aktueller Demographie dieses so weit in der Zukunft verortet liegt das Ursprung und Besteuerung so weit auseinander liegen das die durch das Geldsystem determinierte „nichts-geht-mehr“-Phase wohl früher erreicht wird. Politisch bedient diese Steuer ein gewisses Klientel und man kann es populistisch sicher nutzen, die Vermögen werden ja wie ich ausgeführt habe auch immer weiter auseinander driften. Das kann man in einer Grafik leicht verständlich herüberbringen. Es verstehen nur die wenigsten.

Daher die Bitte an geneigte Leser. Glauben Sie niemandem der Ihnen an einem Stammtisch erklärt es wäre alles ganz einfach. Ist es nicht.

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