Kurz-Kommentar: #Fazit Ungleichheit als must have; @Fazitblog

Der Rechner bei der FAZ scheint keine Kommentare durchzulassen. Daher antworte ich kurz hier auf den Blogbeitrag des von mir geschätzten Patrick Bernau im Fazit-Blog. [Copy/Paste]

 

Hallo Herr Bernau [nach langer Pause meinerseits wieder einmal],

das pro Kopf Vermögen mag steigen. Es ist jedoch kein alleiniger Maßstab. Stellen wir uns einmal vor wir haben 10 Personen mit steigenden Einkommen von 1Euro bis 10 Euro. Nun geben wir dem 10ten anstelle der 10 Euro 30 Euro.

Das pro Kopf Einkommen ist gestiegen [ich denke das ist die X-Achse in Ihrer Grafik – nicht die KK?], sogar das Durchschnittseinkommen [Median nicht]. Die Kaufkraft ist auch hoch – logisch, denn das zusätzliche Einkommen wird gespart und ist nicht Marktwirksam [nur bei den Assets], was es wäre würden die 30 zusätzlichen Euro bei den unteren Dezilen landen.

Es ist auch zu beachten das die Kaufkraft nicht entscheidend ist, denn es kommt darauf an welches Einkommen im Median und bei den unteren Dezilen zu Verfügung steht. Es nutzt ein Brot für 1 Euro nichts wenn man nur 70ct zu Verfügung hat.

Es ist mehr machbar. Aber nicht durch Verteilen als solches sondern mit fiskalischer Effizienz. Bis das „erfunden“ wird – das erlebe ich nicht mehr – auch wenn ich es immer und immer und immer wieder im Logicorum-Blog predige. Das Beste Beispiel für Ineffizienz sind derzeitige Mindestlöhne.

Das ist ein streiten zwischen Ökonomen und Stammtisch um des Kaisers Bart.

Zur Ungleichheit zurück. Die Theorie der Umverteilung als Hauptgrund halte ich für nicht plausibel. Insbesondere bei gut entwickelten Ländern würde es bedeuten das die lukrativen Jobs/Firmen und Personengruppen sich mehr oder minder laufend aus fiskalischen Bedingungen umentscheiden (und folgerichtig umziehen) würden.

Anderes erscheint (viel) schlüssiger und logischer:

1.)

1a) Sie haben Luxemburg und Schweiz nicht in der Grafik [weshalb?]. Die kapitalbedingten Erlöse könnten eine Rolle spielen, das Finanzkapital-Karussell. Evtl. mit Ihrem Punkt „c“ Ausweichreaktion korrellierend, aber m.E. nicht zwingend. [Edit: das mit Lux/CH hat sich geklärt – insofern als CHE die Schweiz sein soll und LUX auf der gestrichelten Linie zu sehen ist. Allerdings ist das geringere pro Kopf PPP Einkommen für Luxemburg nicht erklärbar.]

1b) Dafür spricht u.a. das hohes pro Kopf Einkommen/Ungleichheit eben *nicht* zwingend wirklich mit hohem Beschäftigungsgrad und

1c) auch *nicht* mit hoher Verteilungswirkung im Sinne des trickle down (auch: gutem Sozialsystem) korreliert, siehe u.a. USA, GBR, ITA .

2.)
a) Korrelation Henne/Ei. *Wenn* aus Handel und Finanzdienstleistungen sowie High-Tech ein hoher Ertrag winkt kommt dies in den beteiligten Ländern nur wenigen zugute. Das führt [als Folge] zu höherer Ungleichheit [und nicht umgekehrt] und zu höheren Durchschnittseinkommen.

b) Als Nebeneffekt (des Handels und der Technik vor allem) fallen Arbeitsplätze weg, welches Ungleichheit verursacht.

Dazu gibt es durchaus Arbeiten. U.a. Dorn/Hansen2011 und Levy, Cochan:
https://logicorum.wordpress.com/2011/05/21/essensmarken-und-hartziv-sind-handelspolitik-arbeitsplatzeffekte-des-handels-mit-china/

Anhand derer kann man Handelsgetriebene Lohnunterschiede (untersucht wurde USA/China 90er bis 2007) festmachen und letztlich auch die Akademiker-Prämie.

Das wird leider Gottes aber – wie so vieles – vom sog Mainstream nicht beachtet. Ich halte das für ideologisch verursacht. Ungleichheit ist schick und eine schicke, wenn auch sehr simple Erklärung – alles andere wäre viel komplizierter und passt nicht richtig in die Econ101-Welt.

Richtig ist: das ist nichts für Mathematiker, denn diese lassen noch *mehr* ausser Acht als aus meiner SIcht die Ökonomen so oder so schon. Deren Überlegenheit bzw. Überlegtheit kann ich jedoch bei weitem nicht erkennen.

Viele Grüße

 

 

Edit 31.5.

Auf Nachfragen hin noch Verdeutlichungen:

  • Einkommensunterschiede haben auch andere Ursachen als Innovationen o.ä. z.B. den Handel welcher mit durch einen Wandel der Arbeit um 20% der Spreizung in den USA ausmachte.
  • Die Datenpunkte CH/LUX in der Grafik erscheinen mir nicht plausibel; Ich halte mit den Finanzdienstleistungs-Sektor für Ausschlaggebend welcher das Bild des Wachstums als solches bereits beeinträchtigt welcher schlechterdings als Innovations-Sektor gelten kann. Offensichtlich hat man u.a. bei LUX/CH etwas herausgerechnet.
  • Bessere Verteilungswirkung hat natürlich eine Auswirkung auf die Kaufkraft, da mehr Einkommen in den oberen Sektoren nicht Kaufkraft- und damit Lohnwirksam wird (und vice versa). Die der Grafik vorstehende Aussage „je höher die Kaufkraft, desto ungleicher das Land“ ist nicht das was die Grafik besagt. In dieser steht je höher das pro Kopf Einkommen (in Kaufkraft-Einheiten gemessen), desto Ungleicher das Land. Das ist ein erheblicher Unterschied.
  • Ob ein Vergleich mit PPP wirklich sinnvoll ist müsste man daher diskutieren. Ich denke nicht.
  • Im Gegenteil müsste man sich überlegen inwiefern Ungleichheit zum „Finanzkarussell“ und den Blasenrisiken beigetragen hat, eben *weil* nicht umverteilt wurde. Siehe dazu die letzten Blogbeiträge hier.

 

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