Blonde Kapitalistische Umgehungsstrategien

Umgehung und Behandlung von Problemen am Thema vorbei. Das kann man auch noch kapitalistischer haben als so schon wie ein Beitrag zuvor zum Grundeinkommen.

Dazu ganz kurz ein Gedankengang, da gerade gestern kurz in einer Diskussion um die Zukunft das Thema Maschinensteuer oder ähnliche Besteuerungs-Ziele (z.B. des EBIT, EBITDA, Cash-Flow) aufkam. Woher soll in Zukunft „das Geld kommen“? Oder doch eher „der Umlauf“? Oder „das Wachstum“? Also in der Zukunft in welcher mehr Maschinen genutzt werden müssen und relativ gesehen immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter sind?

 

Dazu muss man sich (erneut) vor Augen halten das in der nicht mehr ganz so fernen Zukunft beispielsweise Deutschlands etwa 25% weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter sind und es viel mehr ältere Bürger gibt. Ökonomisch zu beachtend dabei ist u.a., das ältere Menschen zum einen mehr Vermögen haben, zum anderen aber viel weniger ausgeben. „Ausgeben“ ist dabei jedoch noch ein etwas irreführender Terminus. Entscheidend ist dabei m.E. das ein 75 jähriger keinen Kredit für Studium, Auto oder Haus mehr aufnimmt – und er „verbraucht“ sein Vermögen aller Voraussicht nach auch nicht.

Bei der Erzeugung/Produktivität gibt es noch Spielraum was das Alter angeht.Wenn wir da einmal die USA als „jüngere“ mit Japan als mit die am weitesten fortgeschrittene Gesellschaft was das Alter angeht vergleichen so fallen Unterschiede auf. In den USA sind es die 35-44 jährigen mit dem höchsten (geschaffenen) BIP pro Kopf, in Japan die 55-59 jährigen [Oliver, Mikiko M. 2015]. Da muss man sich als 60-jähriger also nicht automatisch abgeschrieben fühlen. Die Japaner beschäftigen sich schon intensiver auch mit dem Problem der abnehmenden Bevölkerung. Ist eine Depopulation, welche ja ebenso wie Überalterung einhergeht mit sinkender Produktion, sinkenden Produktivitätszuwächsen und entsprechendem BIP, überhaupt verträglich mit ökonomischem Wachstum? Das kann man sich theoretisch schönreden indem man erklärt das irgendwann die Geburtenrate steigt, wenn man geklärt haben wird weshalb sie so niedrig ist [Nakagawa et al 2015 Notes on Economic Growth with Scale Effects: Is Depopulation Compatible with Growth?].

Es gibt da noch die Ansicht das man sich keine Sorgen machen müsse um den Konsum – wenn die Sparleistung stimmt. Und die stimmt voraussichtlich (und m.E. vorhersehbar) auch in der alternden Gesellschaft [Xun Zhu 2015 Population Aging and Economic Growth:Will the population aging reduce household saving in China?]. Den Rückschluss halte ich jedoch für nicht richtig. Darauf werde ich demnächst eingehen wenn es um Konjunktur und Vermögen gehen wird hier im Blog [ich nehme immer noch Anlauf – das hier ist ebenfalls ein aufwärmen]. Die These des Hamburger Appells mit „jede Ersparnis findet stets einen Kreditnehmer“ [gemeint: reale Nachfrage] ist sogar hierzulande immer weniger populär unter den Ökonomen.

 

Die Schwierigkeit liegt also mit darin das während die Bevölkerung altert [was sich über Jahre/Jahrzehnte hinzieht] die Zeiträume zum dann auch noch inkompletten „Verbrauchen“ des Vermögens immer weiter anwachsen und darüber hinaus auch noch weniger an frischen Geldmitteln [Krediten] für den Konsum aufgenommen [werden] wird. Der [unechte Geld-] „Umlauf“ stockt also und dies wird auch nicht mit frischen Mitteln substituiert. Hier noch einmal die alte vereinfachte Grafik aus einem der letzten Blogbeiträge anhand dessen man sich die entsprechenden Engstellen/Problemstellen vorzustellen vermag:

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Das Geld bleibt vermehrt „rechts“ in der Grafik – in der aktiven Alterungsphase oder Schrumpfungsphase einer Gesellschaft schwächten sich Zuflüsse Neukredit->Real sowie der Rückfluss rechts nach links ab [usw. – siehe Argumentation].

Japan kompensiert das etwas damit das sich der Staat bei seinen Bürgern (insb. auch den älteren) verschuldet. (Auch) Ältere sparen – Staat gibt an deren Stelle aus.  Wenn wir zurück gehen zu BGE-Finanzierungsmodellen wie Götz Werners MwSt-Finanzierung oder einer Maschinensteuer sieht man ähnliches. Auf den realisierten Mehrwert oder auf erzielte Renditen wird on top eine Steuer erhoben um die Nachfrage bzw. einen gewissen Umlauf zu sichern. Das listige dabei ist die Umgehung der eigentlich notwendigerweise höhere Steuer auf Einkommen welche zwar effizienter wäre aber in dieser Höhe „nicht so gut vermittelbar“ ist.  Penetrant dubios darf ich persönlich jedoch finden das man gleichzeitig sehr effiziente Methoden wie eine Umlagerente aktiv unterwandert. Als politischer Gedankengang noch nachvollziehbar (s.o.) – ökonomisch gesehen eher jetzt „nicht so schlüssig“ erscheinend. Blond. Erst alles nach „rechts“ schaufeln wo man es später absehbar nicht mehr heraus bekommen wird um dann Steuern einzuführen welche das verwalten der Gelder dort in einen Rückfluss verwandelt. Wahlweise oder zwangsweise eher zusätzlich realwirtschaftlich verwendetes Kapital [Maschinensteuer] auch noch besteuern und damit zu benachteiligen erscheint möglich, mir persönlich aber nicht gerade sinnig.

 

Man sollte hier wirklich die Stellen benennen um welche es geht. Umgehungsstrategien nur um den aktuellen status quo an ineffizienter fiskalischer Gestaltung aufrecht erhalten zu können halte ich nicht für sonderlich glorreich. Wir drucken aktuell Geld/Kredite um ihn aufrecht zu halten – und später drucken/mehrwertbesteuern wir EBIT/Endprodukte um das aufrecht zu halten. „Muss“ man, ja. Aber nicht wegen des alterns. Zumindest nicht wegen der alternden Gesellschaft…..

 

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