Geburtenrate – sie steigt nicht, sie fällt

Die FAZ hat eine Studie von HWWI und BDO zitiert welche wie schon vor ein paar Monaten zum Ergebnis hat das die Geburtenrate in Deutschland steigen würde. Meine Blogleser wissen zwar bereits das dies nicht stimmt, aber es schadet nicht, es noch einmal konkret kurz auszuführen [denn die Leser nehmen dankenswerter Weise zu].

 

Die Geburtenrate TFR wird in der Regel gemessen anhand der Geburten der Frauen von bestimmten Jahrgängen. Derzeit wohl die der 26-35 jährigen. Diese Geburtenzahl unterliegt jedoch einer Verwerfung, da der Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes seit vielen Jahren nach hinten verlegt wird ohne das die Anzahl der Kinder pro Frau am Ende zwingend nach unten geschraubt werden würde. Ob man früher mit 23 und 26 Jahren 2 Kinder erhält und nun mit 32 und 37 macht bei der Anzahl der Kinder pro Frau nichts aus. Bei der Berechnung über den TFR spielt dies insbesondere im Verschiebungszeitraum eine Rolle, da Kinder aus der Statistik bei der Erfassung herausrutschen. Wie viele Kinder tatsächlich geboren werden oder auch nicht lässt sich so nicht mehr genau ermitteln.

Daher hat man eine aTFR entwickelt, die „tempo and parity adjustet total fertility„. Diese liegt durch die Verschiebung in den Industriestaaten höher als der TFR und gleicht sich mit der Zeit aus. Für Österreich hat man lt. unece in etwa dies zu erwarten – mit unterschiedlichen Variationsmethoden für die Zukunft:

atfr austria

variant austr fert1

Es gibt in o.g. Studie noch interessante Aufsplittungen der verschiedenen Regionen in Österreich welche man sich ansehen kann.

Hier u.a. noch die Zahl für Deutschland u.a. Staaten 2012 durch die OEAW 2013 :

fert oeaw2014

 

Man sieht den TFR bei 1,38 und den aTFR [wenn auch 2010] bei 1,6. Anhand der Projektion für die Zukunft kann man als gesichert ansehen das der TFR durch das ignorieren des Tempo-Faktors von Jahr zu Jahr weiter steigen wird und anzeigt das die Geburten ebenfalls zunehmen. Tatsächlich jedoch IST m.E. die Geburtenrate (gemessen über aTFR) derzeit noch viel höher und fällt. Das Phänomen wird noch ein paar Jahre anhalten bis die zeitliche Verschiebung der Geburten nach hinten nachlässt. Das kann man an der ersten Tabelle sehen wo mit „MAC“ (mean age of childbearing) das Durchschnittsalter markiert wird und bei 33 Jahren (prognostiziert) zum Stillstand kommt. TFR und aTFR werden dann beieinander liegen.

Das Ergebnis der durch die von der FAZ zitierten Studie ist also m.E. nicht korrekt.

 

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