Eurokrise – Ursachenfindung und Lösungsweg

So langsam scheint sich ja dann doch die Erkenntnis durchzusetzen, dass die schönsten, tollsten und prächtigsten aller Eurorettungsschirme und weitere zusätzliche Kredite an den klammen Staat Griechenland nichts bezwecken – außer natürlich eine noch höhere Verschuldung. Auch scheint es einigen Protagonisten zu dämmern, dass durch eine Sparorgie nach der anderen kein griechischer solventer Staat mehr zu machen ist.

Mittlerweise hat sich sogar schon bis in die Spiegel-Redaktion herumgesprochen, dass die Zeiten für Euro-Durchhalteparolen vorbei sind und man beginnt damit, mögliche Lösungen ins Gespräch zu bringen. Herr Kaden zBsp hat unlängst den Schuldenschnitt als das Allheilmittel auserkoren und erntet ob seines Ausscherens aus der eisern Front von Eurorettern erst einmal Lob von den Lesern in den Kommentaren.

Interesanterweise wird hier leider mal wieder Schritt 2 vor dem ersten versucht, denn bevor man mögliche Super-Lösungen durchdekliniert, sollte man sich erst einmal klar werden, wo denn überhaupt die Ursache bzw die Ursachen für die gegenwärtigen Staatskrisen im Euroraum liegen.

Status

Das erste, was einem auffallen könnte, ist, dass die auffälligen Krisenländer die gerne PIIGS genannt werden und eigentlich seit anderthalb Monaten PIIGSZ heißen müssten ausschließlich Euroländer sind. Nämlich als da wären: Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien und seit neuestem Zypern.

Ob ein Staat gravierende Probleme hat oder nicht erkennt man am Schönsten daran, wie freimutig und zu welchen Konditionen halbwegs vernunftbegabte Leute bereit sind, diesen Staaten weitere Kredite zu gewähren bzw wie die Einschätzung der Leute ist, wie sicher die bereits begebenen Kredite wohl sind. Neben den CDS-Prämien ist die Rendite der Staatsanleihen ein zuverlässiger Indikator für die eingeschätzte Kreditwürdigkeit der einzelnen Staaten.

Die gegenwärtigen Kurse der Staatsanleihen der PIIGSZ und 4 weiterer Staaten sieht im Moment wie folgt aus:

In dieser Graphik sind die derzeit gehandelten Kurse der einzelnen Staatsanleihen angegeben und anhand ihres Fälligkeitsdatums auf der x-Achse angeordnet. Zusätzlich ist ein Verlaufspfad in Form einer logarithmischen Trendlinie eingepflegt. Man sieht recht gut, dass zBsp die griechischen Anleihen im Großen und Ganzen nahe bei dieser Trendlinie liegen. Anhand der Linienanordnung kann man die derzeitige negative Kreditwürdigkeitsrangfolge der EU-Staaten ablesen. Auf Rang 1 liegt nicht gerade überraschend Griechenland, gefolgt von Portugal und Zypern usw.

Einfacher geht es natürlich, wenn man sich einfach mal einen Stichtag als Fälligkeitsdatum herausgreift und sich die Renditen der Staaten zu diesem Termin anschaut. Für Staatsanliehen, die noch eine Laufzeit von acht Jahren haben sieht das dann wie folgt aus:

Die achtjährige Staatsanleihen aus Griechenland hat also demzufolge eine mittlere Rendite von knapp 23% Verzinsung, wenn der Kredit denn dann voll erstattet wird. Als Vergleichswert bei dieser und den folgenden Graphiken ist übrigens immer der Durchschnitt der EU17 = der Euroländer angegeben.

Ursachenfindung

Gerne wird ja von der sogenannten Schuldenkrise gesprochen, auch Herr Kaden benutzt in seinem oben verlinkten Artikel diesen Begriff und verdammt gleichzeitig den anderen üblichen und von mit verwandten Begriff, den der Eurokrise. Schauen wir mal, wie denn die Staatsverschuldung der Staaten ausschaut, die die höchsten Renditen aufweisen. Denn wenn der Begrifff der Staatsschuldenkrise halbwegs richtig sein sollte, dann müsste es ja so sein, dass die Staaten mit der höchsten Rendite bei den Staatsanleihen auch die höchste Verschuldung in Bezug zu ihrem Bruttoinlandsprodukt (=der inländischen Wirtschaftsleistung) aufweisen.

Was man anheand dieser Graphik ganz gut erkennen kann ist, dass es eine gewissen Übereinstimmung mit der obigen Rendite-Graphik gibt, aber zBsp Belgien nicht so recht in das Bild passen will, da es zwar eine exorbitant hohe Verschuldung besitzt aber irgendwie mit einer vergleichsweise geringen Rendite zu kämpfen hat. Dagegen hat Zypern eine recht niedrige Staatsverschuldung von gerade mal 60% des BIP – liegt also genau auf der Marke dieses Euro-Stabilitätskriteriums, hat aber eine deutlich höhere Rendite als das höher verschuldete Belgien. Dennoch kann man eine gewisse Parallelität erkennen, die sich als Korrelationswert mit 63,5%iger Übereinstimmung von Renditewert zu Staatsverschuldung berechnen lässt. Im Gegensatz dazu schneidet ein Vergleich des Staatsdefizits im Jahr 2010 mit dem Renditewert deutlich schlechter ab, was auch die folgende Graphik verdeutlicht.

Hier liegt nämlich die Republik Irland unangefochten auf Rang 1 der Staatsdefizitsünder, was sich aber so nicht wirklich in den Renditen niederschlagen will. Der äußerst niedrige Korrelationswert von gerade mal 19,9%iger Übereinstimmung unterstreicht dieses. Somit hätten wir auch das zweite Euro-Stabilitätskriterium untersucht. 😉

Kommen wir jetzt mal zu einem Wert, der eine deutlich höhere Übereinstimmung aufweist und deshalb weitaus zuverlässiger als ein wichtiges Kriterium der Krisenanfälligkeit gelten kann: Das Leistungsbilanzdefizit. Hier in der folgenden Graphik angegeben als Saldo pro Einwohner und Jahr.

Der Korrelationswert zu der Rendite der achtjährigen Staatsanleihen beträgt hier 80,3% und liegt somit deutlich über den beiden vorhergehenden Werten. Was bei genauem Überlegen aber auch nachvollziehbar ist. Denn nicht die Menge an Schulden (Stabilitätskriterium 1) oder das kurzzeitige Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis (Stabilitäskriterium 2) der öffentlichen Haushalte ist entscheidend ausschlaggebend für die Kreditwürdigkeit, sondern die Fähigkeit der Volkswirtschaft, die eingegangene Auslandsverschuldung zurückbezahlen zu können, was sich als Leistungsbilanz darstellt.

Und die Leistungsbilanz kann man natürlich am sinnvollsten dann verbessern, wenn man die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft gegenüber den anderen Volkswirtschaften verbessert, um so das Verhältnis von Exporten zu Importen entweder auszugleichen oder sogar ins Positive zu drehen. Ein Exportüberschuss wirkt wie ein zusätzlicher Geldeingang von außen in die Volkswirtschaft hinein und erhöht damit prinzipiell den inländischen Wohlstand.

Aber schauen wir uns mal an, wie das denn ausschaut, wenn man mehrere Kriterien kombiniert. In der folgenden Graphik sind alle drei Werte mit Bezug zum Maximalwert zusammengefasst worden und ergibt dann folgendes Bild:

Erfreulicherweise weist diese Graphik schon deutlichere Ähnlichkeiten mit der obigen Rendite-Graphik auf. Tatsächlich liegt der Korrelationswert bei stolzen 84,9% Übereinstimmung. Wie es scheint ist also nicht nur ein Kriterium alleinerklärend für die Schieflage eines Staates, sondern eher die Kombination mehrerer paralleler Ursachen – ein Ursachenbündel sozusagen. Den besten Wert erhält man übrigens bei der Betrachtung von Staatschuldenstand und Leistungsbilanzdefizit gegenüber dem Renditewert der Saatsanleihen. Hier liegt die Übereinstimmung sogar bei fast sagenhaften 88,1%. 😉 Ein Blick auf die Graphik verdeutlicht dieses.

Hier erkennt man jetzt sehr schön, dass die Ausreißer minimal sind. Von daher können wir davon ausgehen, dass diese Kombination schon eine relativ hohe Qualität der Ursachenfindung bedeutet. Wenn man sich das Ergebnis vergegenwärtigt wird es auch verständlich, warum diese Kombination einen so guten Wert erzielt. Das Leistungsbilanzsaldo gibt die wirtschaftliche Stärke der Volkswirtschaft an und der Verschuldungsstand einerseits die Belastung des Staates (und somit der Volkswirtschaft) mit etwaigen ausländischen Zinsforderungen und andererseits die Länge des notwendigen Rückzahlungshorizonts bis die Staatsschulden beglichen oder auf einen erträglichen Wert zurückgefahren sind.

Fazit

Wir können also mit einiger Sicherheit festhalten, dass als Ursache sowohl das Leistungsbilanzsaldo als auch der Verschuldungsstand in Betracht zu ziehen sind.

Lösungsansatz

Wenn man nun dieses Fazit der Ursachenermittlung ernst nimmt und daraus einen möglichen Lösungsansatz für die Staatskrisen konzipieren will, dann hat man im Wesentlichen folgendes zu tun:

Die erste Maßnahme wäre demnach für Griechenland ein überfälliger Schuldenschnitt, hierdurch wird die allgemeine Belastung des Haushalts reduziert und der Unmöglichkeit der Schulderückzahlung in ganzer Höhe Rechnung getragen. Diese Maßnahme ist auch längst schon in der allgemeinen Diskussion angekommen und wird bereits teilweise umgesetzt, zBsp durch den freiwilligen Gläubigerverzicht in Höhe von bis zu 21% der Schuldsumme.

Die zweite Maßnahme betrifft den Staatshaushalt, denn der schönste Schuldenschnitt nutzt nichts, wenn ab Morgen munter weiter Staatsverschuldung aufgebaut wird. Hier sind unsinnige Ausgabenposten zu eliminieren und die allgemeine Einnahmesituation zu verbessern. Auch keine große Verwunderung, denn dieses sogenannte Sparen wird ja bereits seit Wochen rauf und runter gebetet. Aber natürlich darf man da jetzt auch nicht übertreiben und in eine Sparorgie verfallen, denn Massenentlassungen nutzen der heimischen Wirtschaft nun nicht so dolle viel, wenn die vorher Beschäftigten dann nur als Arbeitslose zwar weiter den Staatssäckel strapazieren, aber halt keine Leistung mehr erbringen können.

Und schließlich die dritte Maßnahme, die darauf abzielt, die volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern. Und hier haben wir im Prinzip nur eine wirklich effektive Maßnahme und das ist die Abwertung der inländischen Währung gegenüber dem Ausland. Keine andere Maßnahme vermag auch nur halbwegs an die Effizienz dieser heranzureichen. Faktisch bedeutet dieses, dass sich Griechenland aus dem Euroraum verabschieden und wieder eine eigenständige Währung einführen muss, um überhaupt wieder Anschluss an den Weltmarkt zu finden. Die Höhe der erforderlichen Abwertung wird vom Bundesfinanzministerium auf ca 50% geschätzt. Meine Schätzung ist da etwas vorsichtiger, ich komme auf einen wahrscheinlichen Abwertungsdruck von 38%, was aber immer noch einen sehr hohen Wert darstellt. Praktisch bedeutet das, dass alle Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und inländische Dienstleistungen sich um 38% verbilligen müssen, um wieder einigermaßen in zBsp der Tourismusbranche mit Ägypten, der Türkei und Tunesien konkurrieren zu können.

Diese dritte Maßnahme ist zur Zeit noch hochumstritten – zumal der Euro und die Eurozone nicht nur ein wirtschaftliches Instrument ist, sondern ein geradezu hochemotionales politisches Traumbild darstellt, das die Politiker nur ungern aufgeben wollen. Lieber wollen die Politiker von halblinks bis grün hektisch eine euroweite Transferunion einrichten, als den jetzt erforderlichen Schnitt vorzunehmen.

Aber kommt Zeit – kommt Rat. Am Ende werden die versammelten Euroretter doch anerkenenn müssen, dass für Griechenland der Zug für eine Eurorettung bereits lange abgefahren ist und ohne einen Austritt aus der Währungszone keine Verbesserung mehr herstellbar ist. Die Idee der Transferunion kommt da einfach mal viel zu spät. Selbst für Portugal und Zypern sehe ich eigentlich keine Möglichkeit eines Verbleibs in der Eurozone mehr. Auch hier sollte man einen Austritt vornehmen, die Währungen abwerten und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen.

Für den dann verbleibenden Rest könnte man jetzt noch eine große Lösung angehen. Diesen Weg der Transfergemeinschaft muss man dann aber schnellstmöglich beschreiten und darf sich nicht mehr mit bereits nicht mehr rettbaren und bald ehemaligen Euro-Staaten aufhalten.

Aber so wie ich unsere Politiker kenne werden sie diesen Mut des Schnitts mit den Austritt Griechenlands, Portugals und Zyperns jetzt nicht aufbringen, sondern versuchen weiterzuwurschteln um dann wieder von der Wirklichenkeit in Form eines Abrutschens Italiens und Spaniens in die Eurokrise eingeholt zu werden.

Fines

Und so befleissigen sich die selbsternannten Euro-Retter letzten Endes als Totengräber des gemeinsamen Wirtschaftsraums. Traurig aber leider wahr!

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Comments
10 Responses to “Eurokrise – Ursachenfindung und Lösungsweg”
  1. Es ist immer wieder erstaunlich, dass die reale Angst des “Normalbürgers” vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle) erst im allerletzten Augenblick größer sein wird, als die seit Urzeiten im kollektiv Unbewussten einprogrammierte Angst vor dem “Verlust” der Religion:

    http://www.deweles.de/willkommen.html

  2. der andere Andreas sagt:

    würde die rest-EU nicht evtl. mit schutzzöllen o.ä. reagieren, immerhin haben die griechen ja anscheinend kein konkurrenzfähiges produkt auf dem internationalen markt – allein das dies nach nem euroaustritt billiger wird hilft da auch nicht unglaublich oder?

    die verteuerung von importen wird dem lebensstandard in griechenland dabei dann auch kaum helfen oder verstehe ich da was falsch? – bin kein ökonom

    das der euro ein großes politikum ist hängt wohl letztlich mit ihm als symbol der europäischen einigung zusammen – aussöhnung und zusammenarbeit statt erbfeindschaft…, falls es da nen besseren vorschlag als nen gemeinsamen wirtschafts- und währungsraum gibt nur raus damit!

    • andena17 sagt:

      In der EU haben wir zwei Gruppen von Ländern. Erstens die Euro-Staaten, die ihre eigenständige Währung aufgegeben haben und die Nicht-Euro-Länder, die nach wie vor über eine Nationalwährung verfügen. Und natürlich gibt es gegenüber den Nicht-Euro-Ländern keinerlei Schutzzölle, denn sie nehmen selbstverständlich am gemeinsamen Wirtschaftsraum teil.

      Die griechische Wirtschaft hat zur Zeit keine wirkliche Wettbewerbschancen gegen zBsp die exportorientierten Unternehmen aus der BRD. Das Leistungsbilanzdefizit unterstreicht das eindrucksvoll, es beträgt zur Zeit knapp 175 € je Einwohner (vom Säugling bis zum Greis) und Monat, während die BRD in den letzten 4 Quartalen einen Leistungsbilanzüberschuss von monatlich 184 € erzielte.

      Faktisch bedeutet das, dass Griechenland je Kopf für 175€ mehr importiert als exportiert und somit jeden Monat pro Einwohner 175€ an Geld das Land verlässt – und das hauptsächlich für den Konsum. Solange Griechenland in der Währungsunion gefangen ist gibt es nur folgende Möglichkeiten, diese 175 € auszugleichen:

      1. Auslandsschulden eingehen

      Wurde jetzt jahrelang so gemacht, das Ende ist, dass niemand Vernunftbegabtes jetzt noch bereit ist, den Griechen Kredit zu geben.

      2. Geldtransfer

      Andere Staaten schenken den Griechen jeden Monat genau diese Summe in Form von Entwicklungshilfe oder im Rahmen einer gemeinsamen Sozialtransferunion.

      3. Ausverkauf

      Griechenland verkauft sein Tafelsilber, um den Konsum zu finanzieren. Wird bereits gemacht, das Staatsvermögen deckt jedoch die Schulden und den Konsum nicht mehr.

      4. Leistungsbilanz verbesssern
      4a. Importe drosseln.

      Die Erhebnung von Importzöllen gegenüber den EU-Partnern ist wegen dem einheitlichen Wirtschaftsraum nicht möglich. Eine Ungleichbehandlung per Produktsteuern nach inländischen und ausländischen Produkten ist ebenfalls rechtlich nicht möglich. Kann man natürlich ändern, aber dann ist der gemeinsame Wirtschaftsraumfutsch. Als drittes könnte man die allgemeinen Mehrwertsteuern erhöhen, um den Konsum insgesamt zu drosseln und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Wurde auch scon gemacht, die MwSt in Griechenland liegt bereits bei 23%.

      4b. Exporte fördern

      Für eine aktive Föderpolitik fehlt erstens das Geld und ist zweitens wegen dem massiven Wettbewerbsnachteil auch nicht finanzierbar.

      4c. Tourismus fördern

      Klappt nur bedingt, solange die Preise für Unterkunft und Lebenshaltung höher liegt als um die Ecke in der Türkei, in Tunesien oder Ägypten.

      5. Haushalt gesunden
      5a. Ausgaben kürzen

      Wird bereits angefangen mittels Rentenkürzung, Gehaltskürzung usw.

      5b. Einnahmen steigern

      Wird auch bereits versucht durch Sonderimmobiliensteuer, MwSt-Erhöhung, Steuereintreibung usw.

      6. Wettbewerbsfähigkeit verbessern

      Selbst wenn man alle diese Maßnahmen von 1. bis 5. gleichzeitig anwendet, wird sich die volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands dennoch nicht nachhaltig verbessert haben, da das Preisgefüge und die Lebenshaltungskosten immer noch zu hoch sind. Um hier etwas zu verbessern, müssten alle Löhne, alle Renten, alle Preise und alle Verträge um ca. 38% (vor 2 Monaten, jetzt vielleicht schon 45%) gesenkt werden.

      Das kann man durchaus versuchen. Ich persönlich halte diese Möglichkeit innenpolitisch für den reinsten Selbstmord, da die Bevölkerung diese Kürzungen nicht hinnehmen wird.

      Alternative: Austritt aus der Euro-Zone

      Deutlich geräuschloser würde das funktionieren, wenn man die Währung abwerten könnte, denn dann ist die Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar und schlagartig verbessert. Das kann man recht gut auch anhand der Argentinien-Krise nachvollziehen: Solange die Politik an der Dollarbindung festgehalten hat, leidete die Volkswirtschaftsleistung. Erst mit der Aufhebung dieser Währungsbindung konnte die argentinische Wirtschaft gesunden.

  3. ketzerisch sagt:

    Die Renditen der Länder mit anderen Währungen sind schlecht vergleichbar. Aber das Gesamtbild ist stimmig. Es gibt nicht den einen Faktor, der alles erklärt.

  4. Jens Müller sagt:

    „diesen Mut des Schnitts mit den Austritt Griechenlands, Portugals und Zyperns“ Das Problem ist das es KEINEN WEG GIBT diese Länder aus der EU auszuschließen sofern sie dies nicht freiwillig tun. Rechtlich sieht das Konstrukt keinen Austritt aus der EU Zone vor. Was also tun wenn Griechenland sagt: Wir weigern uns auszutreten wie das genau jetzt der Fall ist? Kein Geld überweisen an Griechenland, kein Problem sagen die und bestreiten den gesetzlichen Schuldenschnitt, zu deutsch erlassen ein Gesetz dass alle Schulden verfallen. Und schon ist Griechenland schuldenfrei und die Rechnung bezahlen auch dann wir, da Deutschland bzw.unsere Banken auch Gläubiger sind. Es gibt leider keinen sinnvollen Lösungsansatz.

    • andena17 sagt:

      Stimmt. Es gibt rein rechtlich im EU-Vertrag keinen Passus, der einen erzwungenen Austritt / einen Rausschmiss ermöglichen würde. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Euro-Architekten schlicht nicht davon ausgegangen sind bzw nicht davon ausgehen wollten, dass irgendwann einmal die Situation eintreten könnte, dass man ein Staat aus der Eurozone ausschliessen müsste.

      Deshalb sollte man daran gehen, den betreffenden Staaten zu erklären, dass sie mit einer eigenständigen Währung besser dran sind und flankierend einen Anreiz geben, dieses auch in die Tat umzusetzen.

      Ich könnte mir da gut vorstellen, dass man mit Griechenland einen goldenen Handschlag vereinbart inklusive der Zusicherung für die Zeit nach dem Austritt aus der Währungsunion ein EU-finanziertes Strukturprogramm aufzulegen.

      Die Alternative wäre, dass sich die restlichen Euro-Staaten vereinbaren eine neue Währung ohne die Wackelkandidaten aufzulegen. dann wäre der Euro gestorben.

  5. sechsi sagt:

    Faszinierend wie der damalige Text heute so schön passt. Prophetisch!

    Grüße
    sechsauge

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  1. […] libri logicorum: Eurokrise – Ursachenfindung und Lösungsweg […]

  2. […] € pro Jahr bzw 2,5 Mrd € pro Monat. Interessaterweise deckt sich diese Zahl so ziemlich mit dem Leistungsbilanzsaldo Griechenlands, dass im Jahr 2010 insgesamt -33 Mrd € […]

  3. […] Dafür werden Zinsen fällig! Die erwartete Rendite liegt so hoch wie noch nie, nämlich bei knapp 23%. Ganz abgesehen davon, wie viel das dann am Ende wird, schreiben wir den Griechen nicht nur vor, […]



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