Die Entwicklung der Arbeitszeit, Stuttgart 21 und das BGE

Ich hatte mich ja im letzten Artikel schon etwas mit dem BGE beschäftigt. Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt kommt man nicht umhin sich mit der Grundlage der BGE-Philosophie auseinanderzusetzen welche da lautet das die Arbeit durch Automatisation „verschwindet“ bzw. verschwinden würde. Das ist aus verschiedenen Gründen so nicht richtig. Unter anderem z.B. auch durch das Beispiel der Arbeit für das Gesundheits- und Pflegewesen deutlich zu machen welche anno 1960 bei 3% des BIP und 3% der Beschäftigten gelegen ist, anno 2003 bei jew. rd. 12% lag und noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen ist.

Aber bevor ich mich hier im Blog diesem Aspekt genauer widme (was ich an anderer Stelle schon ausführlicher gemacht habe) möchte ich erst einmal die Entwicklung der letzten Jahrzehnte anhand von Grafiken darstellen. Statistiken sind ja geduldige Dinger und die letzte Grafik, die auf welche es ankommt, muss man sich selbst zusammenbasteln. Die Zahlen kommen alle vom Statistischen Bundesamt.

Zuerst einmal die Entwicklung der „Stunden pro Erwerbstätigen“

Daraus zu Vergleichszwecken einzelne Werte und die Veränderung zum Vorwert:
* Jahr 1960 – 2162h
* Jahr 1970 – 1955h (-207h)
* Jahr 1980 – 1750h (-205h)
* Jahr 1990 – 1611h (-139h)
* Jahr 2000 – 1473h (-138h)
* Jahr 2008 – 1430h (-43h)

Schon bei diesen Werten ist eine Abschwächung der Entwicklung der Abnahme der Arbeitsstunden pro erwerbstätigem ersichtlich.
Aber weiter, betrachten wir uns einmal wer denn so alles als statistisch als „erwerbstätig“ gilt. Man sollte ja meinen das wir im vergreisen begriffen sind, Arbeitslosigkeit herrscht und daher die Anzahl der Erwerbstätigen in den letzten Jahren/Jahrzehnten stetig abgenommen hätte. Dem ist nicht ganz so. Ich habe einmal die Erwerbstätigen-Quote (in %) in eine Grafik gepackt:

Grund für die ansteigende Kurve ist zuletzt sicher auch HartzIV, für welches sich mehr oder minder jeder der Beine hat als erwerbssuchend melden muss und daraufhin auch kleine Jobs erhält oder in eine Arbeitsmaßnahme gesteckt wird welche dann wiederum (Arbeitslosenstatistik-verschönernd) zur Klassifizierung „Erwerbstätig“ ausreicht. Die Entwicklung der Zeitarbeitsfirmen sollte im Zusammenspiel damit auch einen Anteil daran tragen Arbeit „zu verteilen“. Und als letzter Punkt sei noch das Renteneintrittsalter genannt. Ein Punkt der sich auch nicht weiter nach „vorne“ verschiebt.

Und nun zur meines Erachtens interessantesten Grafik. Diese zeigt wie die Entwicklung der Arbeitszeiten sich darstellen würde wenn die Erwerbstätigen-Quote seit anno 1960 gleich geblieben wäre. Anhand dessen kann man Effekte wie Emanzipation, Scheidungen, Demographie, HartzIV usw. etwas herausnehmen und erhält ein etwas klareres Bild von der tatsächlichen Arbeitszeitentwicklung. Sowohl im Verhältnis zu „damals“ als auch gerade innerhalb der letzten Jahre.

Dazu passen dann auch die statistischen gesamtwirtschaftlichen Arbeitsstunden. Diese waren 1993 bei 58,21Mrd Arbeitsstunden und anno 2009 bei 55,98Mrd Arbeitsstunden (2007: 57,21Mrd).
Wir sehen also das es trotz Automatisation nur einen minimalen Rückgang an Arbeitsstunden innerhalb der letzten 16 Jahre gegeben hat. Berücksichtigt man wie die Schere des Verdienstes, der Wohlstandslevel der Rentner zurückgegangen und die Anzahl der (analogen) HartzIV-Berechtigten welche nicht viel ausgeben können zugenommen hat in diesem Zeitraum kann man ermessen wie es mit den Stunden aussehen würde wenn diese Personenkreise konsumieren könnten wie noch Jahre zuvor. Dazu noch den Krankenstand den ich letztens behandelt habe eingerechnet und das Bild zeigt nicht den Zustand den viele sich aufgrund Ihrer eigenen Vorstellungen als „logisch“ betrachten. Es ist nicht so, das Automation, Computer und Co. automatisch zu weniger Arbeitsstunden führen oder geführt hätten. Andere Arbeiten wie die im Gesundheitswesen und die Massenfertigung mit dem Verteilungsmechanismus und auch das versorgen des noch nicht auf unserem Wohlstandslevel befindlichen Auslandes mit Gütern haben den Platz eingenommen und ausgefüllt.

Nur ist unsere Wahrnehmung eine andere. Dies wie schon gesagt nicht zuletzt aufgrund von HartzIV, der damit verbundenen Individualisierung und dem gesunkenen Verdienstlevel der verdienenden welche nicht ohne weiteres Angehörige versorgen können. Dabei spielt importierte Inflation auch eine Rolle. Das alles erzeugt insgesamt mehr (offiziell) Arbeitssuchende, mehr (z.T. zwangsweise) Teilzeitarbeitende und dadurch noch weiter sinkende Löhne. Und dies obwohl es sicher noch mehr als genug zu tun gäbe, noch ein großer Personenkreis gerne mehr konsumieren würde.

Ironisch angemerkt: dann könnte man sich auch Luxusprojekte wie S21 leisten und dann, lieber Herr Mappus, wenn Sie und Ihre Komparsen wie Merkel und Co. es hinbekämen das nicht ein bemerkenswerter Teil des Volkes am unteren Ende der Wohlstandsskala wären.. ja dann wäre das Volk, insbesondere ein paar Dutzend Arbeitslose gerne bereit Ihnen die teuren Tunnel unter Stuttgart zu bauen. Nur nicht auf Pump und nicht wenn die ärmeren es m.E. auch noch selbst zahlen sollen.

Nein, die Arbeit geht uns eigentlich seit zwei Jahrzehnten nicht aus. Nur: die Konsumenten können nun einmal nicht mehr ausgeben als man ihnen lässt.

Nachtrag:

Ich habe die Beiden Kurven einmal übereinandergelegt für den besseren optischen Vergleich:

Siehe dazu auch der Beitrag: Arbeitslosenzahlen in Deutschland, Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung und die Einheit

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Comments
8 Responses to “Die Entwicklung der Arbeitszeit, Stuttgart 21 und das BGE”
  1. blackdrag sagt:

    Mit einem haben die BGEler recht, die Arbeit im Produktionssektor verschwindet. Dafür wachsen Pflege und andere Dienstleistungsbereiche.

    Machen wir ein recht unrealistisches Gedankenspiel:
    Nehmen wir einmal an wir hätten vollständige Automatisation der Produktion, was für eine Situation stellt sich dann dar? Vollständige Automatisierung heißt ja auch, dass niemand die Maschinen bedienen oder reparieren muss. Die einzigen aus der Arbeiterschaft, die noch etwas was davon haben sind diejenigen, die die Maschinen entwerfen. Es wäre ja alles in Ordnung, wenn der Rest der Wirtschaft keine Rohstoffe brauchen würde und der Produktionssektor mit seinem Export alle Importe Bezahlen könnte. Aber wahrscheinlich ist, dass die Produktion in Länder ausweichen wird, die billigere Energie und Rohstoffe, sodass hier vielleicht noch bleiben würde, dass man die Maschinen entwirft. Wie soll solch ein System dann noch eine stabile Wirtschaft bieten? Vor allem werden andere Länder nicht mehr unser Sozialsystem subventionieren, sollte es soweit kommen. Und ein weiterer Punkt… wie soll solch eine Wirtschaft noch wachsen können, wenn die Produktion nicht mehr dafür sorgt?

    Ist das BGE eine Antwort darauf? Vieles, was sich jetzt nicht mehr lohnt, würde vielleicht wieder attraktiver werden. Aber ob es ein solches System am Leben erhalten könnte steht in den Sternen

  2. Oliver Mark sagt:

    Die Betrachtung halte ich im Grundsatz für unvollständig. Es geht nicht um _nur_ um Automation (Rationalisierung), sondern um Qualifikation und Wertschöpfung. D.h., wer in den 50er Jahren mit einer Kohleschaufel noch für seine 5 köpfige Familie Geld verdienen konnte, ist heute dazu nicht mehr in der Lage.

    Wenn heute annähernd die gleichen Arbeitsstunden anfallen wie in den 50er Jahren (deren graphische Herleitung Du nicht transparent zeigst), so sind dies qualitativ „andere Leistungen“. Und es fehlt grundsätzlich der Aspekt der „Wertschöpfung“. Die Arbeiter der 50er Jahre haben eine andere „Wertschöpfung“ erarbeitet, als die „Arbeiter“ heute. D.h. das Verhältnis Arbeitszeit zu „Wertschöpfung“ ist auch eine andere. Die Zahlen fehlen leider.

    Und als nächstes dann die Definition der Wertschöpfung. Ist es sinnvoller unqualifizierte aber mehrheitliche Arbeit anhand einer geringeren Wertschöpfung mit ausreichendem Einkommen zu vergüten, als qualifizierte Arbeit _weniger_ mit einer höheren Wertschöpfung unter Mitfinanzierung der _Nichtarbeitenden_?

    Funktioniert das? Oder spricht es eher gegen ein Funktionieren, wenn den „Nichtarbeitenden Unterqualifizierten“ stets weniger „Ausgleich“ durch die wenigen „Wertschöpfer“ übertragen wird.

    Tut das die Politik wegen Druck der wenigen Wertschöpfer? Oder wegen einer nicht ausreichenden Wertschöpfung an sich? Wie Definiert man Wertschöpfung und ist diese Definition „gerecht“?

    Für mich bezieht sich die Wertschöpfung einer vorhandenen Zugverbindung nach Stuttgart, die es mir ermöglicht dort zu arbeiten, damit meine Familie in 100 Kilometer Entfernung unter Beibehaltung der günstigeren Lebenskosten bzw. der vorhandenen Familiären Infrastruktur („behutsam“) bezahlt werden kann, auf eine Definition: „wesentlich“ oder „ausschlaggebend“. Dies deswegen, weil ich eine – vor 20 jahren ebenfalls kritisierte, schlecht geredete und protestierte aber nun vorhandene – Neubaustrecke nutzen kann, die mir die Vorbedingungen ermöglicht. In dem Falle, völlig egal was sie gekostet hat.

    S21 als „Luxusprojekt“ abzuwerten kann ich für meine „Wertschöpfung“ nicht gelten lassen weil sie für mich nicht gilt. Die Frage ist nun: gilt sie für eine Mehrheit auch nicht? Aber „Luxus“? Nein…das ist nur abschätzige Polemik.

    • aloa5 sagt:

      D.h. das Verhältnis Arbeitszeit zu „Wertschöpfung“ ist auch eine andere. Die Zahlen fehlen leider.

      Das ist m.E. weder „korrekt“ machbar noch würde es viel bringen weil es immer Äpfel und Birnen wären. Das Problem bei Wertschöpfung ist, das diese monetär und nicht absolut gemessen wird und werden kann. Es sei denn man weicht auf Arbeitswerttheorie o.ä. aus (womit wir m.E. aber auch wieder bei Stunden wären). Man könnte womöglich versuchen das über den erforderlichen Bildungsgrad zu bestimmen – aber auch das sollte nahezu unmöglich sein.

      ….Ist es sinnvoller unqualifizierte aber mehrheitliche Arbeit anhand einer geringeren Wertschöpfung mit ausreichendem Einkommen zu vergüten….Oder spricht es eher gegen ein Funktionieren, wenn den „Nichtarbeitenden Unterqualifizierten“ stets weniger „Ausgleich“ durch die wenigen „Wertschöpfer“ übertragen wird.

      Das Problem in der Industriegesellschaft und auch dessen Herleitung ist sehr weitreichend. Ich hatte es zwei Blogeinträge zuvor bereits angesprochen und eine nähere Behandlung des Themenfeldes versprochen:
      https://logicorum.wordpress.com/2010/10/07/ein-aufschwung-mit-lohnerhohungen-und-der-export/

      Letztlich verlagern wir derzeit aufgrund unserer Abgaben-Struktur und dem vorhaden sein von Ländern mit sehr niedrigen Löhnen sehr viele Arbeiten welche auch bei uns von sog. „unqualifizierten“ erledigt werden könnten ins Ausland. Am Ende ist es meiner Einschätzung nach in etwa das gleiche wie das, was Du sagst – nur auf anderem Wege. Du formulierst es so, das die unqualifizierten „mehr Ausgleich“ erhalten müssten. Das wäre ein direkter Transfer. Das halte ich für wenig sinnvoll. Den Weg geht man u.a. mit einem Mindestlohn. Das behebt jedoch die Schere nicht wirklich und bringt neue Probleme mit sich wie Probleme mit dem Außenhandel, inflationären Tendenzen, erweitertem Kontrollbedarf, Unterlaufen, Selbstständigkeit usw.. Der indirekte Weg geht über die Lastenverteilung mit welcher man das nennen wir es einmal „Heckscher-Ohlin-Problem“ (welches letztlich auch das der Wertschöpfung i.Verbindung mit Kapitaleinsatz ist) angehen kann. Einer hat viel (oder vorwiegend) Arbeitskraft und der andere hat viel (oder überwiegend) Kapital anzubieten. Den Ausgleich zwischen diesen Beiden Anbietern so zu regeln das Beide zum Zuge kommen ist das Ziel und die Schwierigkeit. Was Heckscher-Ohlin dabei als die Nutzung komparativer Kostenvorteile zwischen Ländern beschreibt gibt es dort und zudem eben auch innerhalb eines Landes. Das ist dann gleich zwei Mal die gleiche Problemstellung.

      Ich halte S21 deshalb für „Luxus“ weil man dem Volk als ganzes nicht „sparen“ verordnen und gleichzeitig ein Projekt angehen kann welches 10Mrd Euro kosten wird. Ein Preis den der neue Gotthard-Tunnel in der Schweiz gekostet hat (19Mrd Franken). Das ist eher nicht vermittelbar und stellt auch auf Basis der derzeitigen Staats-Einnahmen ein Luxus dar. Den könnte man sich durchaus leisten. Aber nur dann, wenn man sich die notwendigen Steuereinnahmen auch holt… und damit kommen wir wiederum zur o.a. Lastenverteilung. Würde man sich dieses Geld bei denen holen welche es „haben“, dann hätte man es an die (indirekt) „verteilt“, welche dann vor allem mit „einfachen“ Arbeiten an diesem Projekt beteiligt wären.

      Wird auf Pump gefahren dann holt man es sich aber eben nicht von denen welche es sich leisten könnten sondern von irgendwem und die Lastenverteilung ist denn auch nicht entsprechend den Notwendigkeiten geregelt.

      • Oliver Mark sagt:

        also zuerst einmal Danke für die sachliche Antwort. Das Thema BGE und Volkswirtschaftliche Zusammenhänge sind leider überhaupt nicht mein Fachgebiet und ich bin immer dankbar, wenn mir jemand, der sich fachlich damit auseinandersetzen muss, Infos gibt. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt gerne nochmal auf diese Themen zurückkommen.

        Hier aber nur kurz zu S21 (weil das mein Fachgebiet ist ;-)): die Sache kostet uns wohl 7-7,5 Milliarden (4,1 und 2,9) dauert 10 Jahre und ist meiner Ansicht nach immer in andere Verhältnismässigkeiten zu setzen: der Länderfinanzausgleich von Baden-Württemberg pro Jahr (so um die 5 Mrd), einer Bruttowirtschaftsleistung von 370 Mrd. pro Jahr (also 3.700 Mrd in den 10 Jahren, oder 3.7000 Mrd in den 100 Jahren der Nutzungsdauer einer Neubaustrecke, usw.

        Ich halte das Argument infrastrukturellen Maßnahmen wie ausgerechnet Eisenbahnschnellfahrstrecken seien nicht vermittelbar für unsinnig und falsch.

        Es ist eher schade, dass den Menschen nicht klar ist, dass sich sämtliche Neubaustrecken in der Vergangenheit bisher immer wirtschaftlich und ökologisch gerechnet haben. So ist die NBS Köln Frankfurt auch teurer gebaut worden, doch fliegt heute meines Wissens nach z.B. kaum noch (wenn nicht gar gar keins) ein Flugzeug von Köln nach Frankfurt.

        Das Argument S21 sei vielleicht _zur Zeit_ nicht vermittelbar würde ich schon eher nachvollziehen können, doch dazu sollte man bedenken, dass die Bahn Strecken dann realisiert, wenn sie auch baurechtlich „soweit sind“. Deswegen fällt z.B. eine Anbindung der Güterverkehrsstrecke zwischen Basel und Karlsruhe zur Zeit „flach“ obwohl diese „andere“ positive Effekte hätte.

        Mich stört grundsätzlich nicht, dass man völlig legitim überlegen und diskutieren kann, ob es nun eben S21 sein muss oder eine andere Strecke im Netz. Aber mich stören diese polemisierenden Äußerungen, die ein Projekt dieser Art einfach nur „kaputt“ machen sollen, denen aber tatsächlich eine sachliche Grundlage fehlt. Als Bahningenieur wird man deswegen andauernd verhöhnt und das macht mir einfach keinen Spass auf dieser Basis unter der Gürtellinie angemacht zu werden.

        Deine „Luxus“-Polemik ist da in dem Zusammenhang ja nur ein „klitzekleines“ Beispiel und stört nun nicht wirklich. Ich bin auf diesen Artikel gestossen, weil Du auf das BGE eingehst, S21 ist da nur ein „Abfallprodukt“.

        Ich finde, wenn man den Menschen schon einen völligen, modernen Neubau mit zusätzlichen Stadtgebietsflächen zu einem definierten Preis und einem definierten Zeitraum anbieten kann und diese – wegen vieler Gründe – das nicht wollen, dann sollte man auch erläutern, was eine alternative Lösung kosten würde.

        Ob ich jetzt die letzten 20 Jahre den Stuttgarter Bahnhof dauersaniert und dort 4 Milliarden Euro – bei absehbarer Belastungsgrenze des Bahnhofs – ausgegeben hätte und täglich weiter ausgeben würde, oder nun eine Kopfbahnhofslösung angehe, die mich unter Betrieb und mit absehbar nicht planfeststellbarem Baurecht in 20-30 Jahren 10-15 Mrd. Euro kosten könnte (Bauleistungen unter Betrieb kosten i.A. 300% der veranschlagten Kosten, da sich betriebliche Imponderabilien stets in ausfallenden Sperrpausen und somit in jahrelangen Verzögerungen auswirken) sind ja nicht unwesentliche Aspekte, wenn man etwas „Luxus“ oder „nicht vermittelbar“ nennt.

        Deswegen zusammenfassend nochmal: S21 ist kein Luxus, sondern billiger als jede Alternative und Baurechtlich zur Zeit „durchführbar“. Deswegen machen wir es eben jetzt.

        • aloa5 sagt:

          So wie das BGE weniger Deine Baustelle ist, ist S21 nicht gerade meine. 😉 Ich störe mich jedoch etwas an der Schere zwischen staatlicher Schuldenbremse, HartzIV-Regelsatz-Debatten auf der einen und einem Milliardenprojekt bei welchem die Summen auch recht schnell und erheblich nach oben korrigiert werden wie S21 auf der anderen Seite. Zumal ich der Einfachheit wegen einmal davon ausgehe das es sicher kostengünstiger geht als unter Tage Tunnels zu graben.

          Grundsätzlich habe ich jedoch nichts gegen solche Projekte wenn sie denn Sinn machen wie von Dir dargestellt. Das ist Infrastruktur und dementsprechend wichtig. Ich wohne im übrigen 5km von der Bahnstrecke Karlsruhe/Basel entfernt und wurdere mich etwas darüber das diese „flach“ fällt. Zumindest Teilstrecken sind ja bereits weiter fortgeschritten in Arbeit wie der Katzenbergtunnel und diverse Gleise in dessen Umgegend.

          Modernisierungen wären/sind immer angebracht und müssen auch bezahlt werden. Das merkt man auch an Stromtrassen. Negativbeispiele sind die USA mit maroden Strukturen oder die Briten mit Wasserrohren welche offenbar zum davonlaufen sind. Und Schlaglöcher gibt es allerorten. Auch daher kann mir eigentlich niemand wirklich erzählen es gäbe „keine Arbeit“ mehr. Wenn man alle „Baustellen“ welche es alleine in diesen Bereichen abzuarbeiten gäbe angehen würde wären sicher die ein oder anderen 100k Menschen mehr in Arbeit,

          • Oliver Mark sagt:

            „Auch daher kann mir eigentlich niemand wirklich erzählen es gäbe „keine Arbeit“ mehr. Wenn man alle „Baustellen“ welche es alleine in diesen Bereichen abzuarbeiten gäbe angehen würde wären sicher die ein oder anderen 100k Menschen mehr in Arbeit,“

            wobei wir bei 1 Euro Jobs und der Verwendung dieser Leute als „Arbeiter“ an solchen Dingen wieder beim ursprünglichen Thema wären: was ist tatsächlich Wertschöpfung? Der Banker, der hohle Finanzprodukte für Millionenboni verhökert, oder der Mindestlohn-Hilfsarbeiter, der kommunale Straßenlöcher stopft? Ich denke, eigentlich sind wir uns da sehr einig.

            Wäre es nicht hilfreich, das Geld durch einen zeitlichen Verfall im Kreislauf zu halten um somit ständig „Investitionen“ zu erzwingen? Könnte man Grund und Boden grundsätzlich nur an die – dort wirtschaftenden Menschen – im Falle eines „Leistungsausgleichs“ tatsächlich nur den Müttern und deren Kindern zu verbuchen, so wie es z.B. bei Attac in einem Papier dort beschrieben steht?

            Ist es möglich innerhalb der bestehenden Realität kleine geplante Schritte vorzunehmen um ein langfristiges Ziel: Bedingungsloses Grundeinkommen und eine Umdefinition der Arbeitswelt zu erreichen? Oder muss man hierfür einen harten – gewaltsamen – Schnitt machen?

            Da letzteres ausfällt, würde mich die erste Variante so als Projekt mal interessieren. VWLer antworten dann immer „Bäh, BGE und Gsell…pff pff“, und übersehen dabei, dass ich die Zusammenhänge nun wahrlich nicht nachvollziehen kann.

            • aloa5 sagt:

              Wäre es nicht hilfreich, das Geld durch einen zeitlichen Verfall im Kreislauf zu halten um somit ständig „Investitionen“ zu erzwingen?

              Gesell ist noch einmal ein anderes Fass. Seine Idee ist m.E. Kapital-Feudalismus (noch schlimmer als heute) und inkompatibel mit anderen Wirtschaftsstrukturen. Es hat starken isolatorischen Character.

              Beim BGE verweise ich als Einstieg eben auf SIME/DIME im letzten Blogeintrag und ähnliche Tests. Das muss man dann im Zusammenhang mit Verknappung von Arbeitsleistung sehen. Knappe Arbeit ist teuer, was teuer ist kann sich wiederum im Kapitalismus der ärmste am wenigsten leisten. Die Auswüchse dessen lauten dann „unsere Krankenkassen sind zu teuer“ etc.. Das ist beim BGE ein immanenter Faktor.

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  1. […] für bis in 40 Jahren. Man könnte noch die Stunden pro Arbeitskraft hinzu nehmen wie ich es vor langer Zeit einmal gemacht hatte – aber das wird hier zu […]



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